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Natur
01.05.2022

Unerwünschte Badegesellschaft: Wildgänse breiten sich in Bayern aus

An bayerischen Seen wächst die Anzahl der Wildgänse immer weiter.
Foto: Katrin Requadt, dpa

Im Sommer sieht man häfuig Wildgänse an Badeseen. Die Vögel lassen sich dort nieder – zum Leidwesen vieler Badegäste, denn das Federvieh hinterlässt Kot und Dreck. Was tun?

Im Frühling kann man Vögeln bei ihrer Migration zurück in ihre heimischen Gebiete beobachten. Die Tierschwärme lassen sich an verschiedenen Stellen nieder. Auch Wildgänse suchen sich Plätze in der Natur, an denen sie sich wohlfühlen. Die Vögel breiten sich in Bayern immer weiter aus. An machen Orten sorgt das nicht nur für Freude, denn das Federvieh hat sich an Menschen gewöhnt und wird zunehmend zur Plage.

Auf Ackerfläche können die gefräßigen Vögel immense Schäden anrichten, aber auch in den Städten und rund um Badeseen wie dem Starnberger See und dem Altmühlsee sorgen die Vögel seit längerer Zeit für Probleme. Dort finden die Gänse ideale Lebensräume und verdrecken zum Ärger mancher Gäste Badestrände, Liegewiesen und Wege. Mit einer wachsenden Population verbleiben auch die Hinterlassenschaften dort wo sich viele Menschen aufhalten.

Dreck durch Wildgänse: Jährliche Kosten belasten Kommunen

Die Leidtragenden sind oft die Kommunen, die versuchen, die Gänseschar und den Dreck in den Griff zu bekommen. Am Altmühlsee rücken in den warmen Monaten jeden Morgen Mitarbeitende des Zweckverbands im mittelfränkischen Gunzenhausen aus, um mit Eimer und Schaufel Strand, Wiese und Wege zu reinigen. Um dem Problem Herr zu werden fallen jedoch hohe Kosten an. Allein der Personalaufwand koste 60.000 Euro im Jahr, sagt Geschäftsleiter Daniel Burmann. 

Dafür hat der Zweckverband schon alles Mögliche unternommen: Er hat versucht, die Gänse mit ungewöhnlichen Hilfsmitteln wie Drachen zu verscheuchen. Er hat zusätzliche Flächen geschaffen, auf denen die Gänse sich stattdessen ansiedeln sollen. Er hat Zäune aufgestellt, um sie vom Strand fernzuhalten. Doch nicht alle Aktionen sind erfolgreich. "Trotz dieser Maßnahmen ist es so, dass die Population weiter zunimmt", sagt Burmann.

Wildgänse-Population in Bayern wächst stetig

Die Zahl der am weitesten verbreiteten Grau-, Kanada- und Nilgänse in Bayern lässt sich nach Angaben von Christian Wagner von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising (LfL) nicht genau beziffern. Allein am Altmühlsee seien es im Juni um die 3.500 Wildgänse - mit einem jährlichen Wachstum von knapp 10 Prozent, so Bayerns Gänsemanager. 

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Deshalb soll in besonders betroffenen Regionen ein Gänse-Management Abhilfe schaffen und die Konflikte entschärfen, bei dem Wagner bayernweit berät. Am Altmühlsee und im Maintal zwischen Bamberg und Haßfurt testet die LfL gerade verschiedene Konzepte. 

Die Anzahl der Gänse, die an bayerischen Seen lebt, wird immer größer.
Foto: Richard Wismath

Welche Maßnahmen am besten eine weitere Ausbreitung der Gänse verhindern könnten, sei von Ort zu Ort unterschiedlich, sagt Wagner. Das hängt besonders von den Gegebenheiten ab. "Natürlich ist die Jagd ein mächtiges Instrument. In manchen Bereichen ist das aber schwierig umzusetzen, weil dort zu viele Menschen unterwegs sind." 

So versuchen Städte die Zahl der Gänse einzudämmen

Ein Beispiel dafür ist Nürnberg. Der Wöhrder See östlich der Innenstadt lockt in den warmen Monaten Familien, Sonnenbadende und Sportbegeisterte in Scharen ans Ufer. Doch oft gilt es dabei, geschickt Gänsegruppen und Kothaufen auszuweichen. In der Vergangenheit traten zunehmend Beschwerden auf – mit einer radikalen Konsequenz. 2018 gab die Stadt die Gänse zum Abschuss frei. Die Proteste folgten prompt, sodass Nürnberg ihre Entscheidung zurückzog. 

"In den letzten Jahren hat sich die Situation entspannt, weil sich die Menschen daran gewöhnt haben", sagt André Winkel vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR). Außerdem testet Nürnberg in einem von der LfL begleiteten Projekt gerade die Behandlung der Gelege. Dafür nehmen SÖR-Mitarbeitende Eier aus dem Gänsenest und stechen diese – sofern noch kein Embryo da ist – an, um deren Entwicklung zu stoppen. Anschließend legen sie die Eier zurück ins Nest. Zwei bleiben dabei immer unversehrt.

"Es ist ein guter Weg, um die Population in Schach zu halten", sagt Winkel. Das Vorgehen findet auch in anderen Regionen Anklang. Auch am Altmühlsee, im Maintal und im Raum Straubing wird die Gelegebehandlung nach Angaben von Wagner aktuell erprobt. Geplant ist, dass ab 2023 diese Maßnahme überall eingesetzt werden kann. (dpa)

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