Im Tarifkonflikt zwischen Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) kam es bislang zu keiner Einigung. Das gaben die beiden beteiligten Seiten zuletzt nach einem Treffen Mitte März in Nürnberg jeweils bekannt. Zwar haben sich die Gewerkschaft und die Arbeitgebervertreter angenähert, wie sie jeweils betonen, doch ein Kompromiss konnte auch in der vierten Gesprächsrunde nicht gefunden werden. Wie geht es in dem Konflikt weiter? Drohen weitere Streiks?
Die Fahrgäste in Bayerns ÖPNV mussten sich zuletzt auf Beeinträchtigungen einstellen. Bereits drei Mal rief Verdi in der aktuellen Verhandlung zu Warnstreiks auf – und es könnten weitere Aktionen folgen. Da es zu keiner Einigung in der vierten Verhandlungsrunde in Nürnberg kam, schließt Verdi Bayern weitere Warnstreiks nicht aus, wie es in einer Mitteilung der Gewerkschaft heißt. Zuvor wolle man aber mit den Beschäftigten der betroffenen Verkehrsbetriebe über den Verhandlungsstand sprechen, berichtet der BR. Falls es zu weiteren Streiks im Nahverkehr kommen sollte, will die Gewerkschaft diese demnach rechtzeitig ankündigen.
Verdi hat in diesem Konflikt bereits drei Mal zu Streiks im ÖPNV aufgerufen
Nachdem zuvor bereits die dritte Verhandlungsrunde keine Ergebnisse gebracht hatte, hatte Verdi zum dritten Warnstreik in Bayern aufgerufen. Daher hatten die Beschäftigten in mehreren bayerischen Kommunen rund um den Donnerstag (16. März) die Arbeit niedergelegt. In München legten Mitarbeitende der MVG schon zwei Tage zuvor die Arbeit nieder. Auch das Champions-League-Spiel Bayern München gegen Bergamo am Mittwochabend war von Streiks betroffen. Die Münchener Verkehrsgesellschaft hatte aber einen Notfahrplan eingerichtet und der FC Bayern bot kostenlose Bustransfers zum Stadion an. Das niederbayerische Passau traf es besonders hart, dort wurde bis Samstag gestreikt. Bei dem Warnstreik Anfang Februar waren etwas weniger Städte betroffen.
Und wie geht es nun weiter? Die Arbeitgeberseite hatte zuletzt eine Schlichtung vorgeschlagen. Wie der KAV nach der Verhandlungsrunde am Montag mitteilte, lehne Verdi nicht nur das aktuelle Angebot, sondern auch eine Schlichtung ab. Das bestätigt die Gewerkschaft in ihrer Erklärung und verweist auf die Bundesländer, die zum Teil vor der sechsten Verhandlungsrunde stünden.
Ungelöster Tarifkonflikt: Das sind die Positionen von Verdi und der Arbeitgeber
Die Vorstellungen von Verdi und KAV liegen offenbar weit auseinander. Die Gewerkschaft fordert für die etwa 9000 bei kommunalen Betrieben im ÖPNV angestellten Menschen unter anderem eine Entgeltsteigerung um 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Außerdem soll die Mindestruhezeit auf elf Stunden erhöht werden.
Die Arbeitgeber haben aus Sicht des KAV „ein deutlich verbessertes Angebot vorgelegt“, wie es in einer Mitteilung vom Montag heißt. In zwei unterschiedlichen Varianten wurden dabei Entgeltsteigerungen von mehr als sechs Prozent bis zum 31.12.2027 oder von mehr als neun Prozent bis zum 31.12.2029 in Aussicht gestellt. Bei letzterer Variante wäre auch eine Reduzierung der Arbeitszeit von einer Stunde inbegriffen. In beiden Varianten kämen zudem Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen hinzu, so der KAV.
„Die Arbeitgeber haben die Grenze des Leistbaren erreicht“, meint der KAV zudem. Verdi erklärt hingegen, man sei sowohl in Bezug auf die Laufzeit als auch auf die Höhe der Forderung den Arbeitgebern „einen großen Schritt entgegengekommen“. Einen Knackpunkt der Verhandlungen nennt Verdi unter anderem die Frage der Trennung der Tabelle vom Tarifvertrag dar, also getrennt über Arbeitsbedingungen und Lohn zu verhandeln.
Nächste Verhandlungsrunde am 15. April 2026
Es wurde zwischen den beiden Seiten ein neuer Verhandlungstermin festgelegt: Am 15. April wollen sich Gewerkschaft und Arbeitgebervertreter demnach zu den nächsten Gesprächen treffen. Sinan Öztürk, der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi Bayern meint dazu: „Leider mussten wir den Arbeitgebern bisher jedes Zugeständnis mit Streiks abringen, daher können wir diese auch vor der nächsten Verhandlung am 15. April nicht ausschließen.“ Dies zu verhindern liege „allein in der Hand der Arbeitgeber“, wird Öztürk in der Verdi-Mitteilung zitiert.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren