Auf die Persönlichkeit kommt es an. Wenn am 8. März in Bayern gewählt wird, stehen auch einige bekannte Namen auf den Wahllisten zum Bürgermeister oder für den Gemeinderat. Genauso gibt es Männer und Frauen, deren Kandidatur ungewöhnlich ist. Wir stellen 14 Kandidaten vor, die Sie kennen sollte:
Siegfried Luge: Bayerns ältester Bürgermeister hört nicht so ganz auf
Den Titel als ältester Bürgermeister Bayerns ist Siegfried Luge in ein paar Wochen los. 30 Jahre war Luge Bürgermeister in Eching am Ammersee, ehrenamtlich und doch rund um die Uhr. In der Zeit gab es in der Gemeinde keine Baustelle ohne ihn, kein Straßenloch, das Luge nicht begutachtet hätte. Mit 82, sagt er, ist die Zeit, die Führung der Gemeinde in neue Hände zu geben. Zwei Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge. Doch so ganz aufhören kann Luge nach Jahrzehnten in der Kommunalpolitik nicht. Dieses Mal kandidiert er auf der CSU-Liste nur noch für den Gemeinderat – auf dem letzten Platz.
Alexander Herrmann: Der Fernsehkoch will in den Kulmbacher Kreistag
In Oberfranken kandidiert Star-Koch Alexander Herrmann für den Kreistag Kulmbach. Der Sternekoch steht auf dem 50. und damit letzten Platz der CSU-Liste. Herrmann sagt selbst, er wolle gar nicht „in die große Politik“ einsteigen. Ihm geht es darum, den regionalen Austausch zu intensivieren. Herrmann ist in Kulmbach geboren und wuchs im nahegelegenen Wirsberg auf. Dort betreibt er außerdem ein Hotel mit Restaurant. Ebenso gründete er mehrere Restaurants in Nürnberg.
Hannes Aigner: Vom Kanuten zum OB-Kandidaten
Mit dieser Personalie hatten auch in Augsburg die wenigsten gerechnet: Hannes Aigner, geboren in Augsburg, aufgewachsen in Königsbrunn, tritt für die Freien Wähler als OB-Kandidat an. Bekannt ist der 36-Jährige als mehrfacher Kajak-Welt- und Europameister, bis September 2025 war er noch Profisportler und Teil der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Heute ist er Unternehmer und führt gemeinsam mit seiner Frau ein Start-up-Unternehmen. Politisch ist er ein Neuling. Fabian Mehring, Bayerns Digitalminister und schwäbischer Vorsitzender der Freien Wähler, spricht von einem Coup und verweist auf Aigners Bekanntheit. „Wir setzen auf ein prominentes Kind der Stadt, das im Eiskanal groß geworden ist.“
Alexander Huber: Der Extrembergsteiger will es noch einmal wissen
Sonst erklimmt Alexander Huber, der Jüngere der „Huber-Buam“, so gut wie jeden Berg. Doch diese Hürde war für ihn vor sechs Jahren zu hoch: 2020 verpasste der Extremkletterer den Einzug in den Gemeinderat von Marktschellenberg im Berchtesgadener Land. Nun will es der 57-Jährige noch einmal wissen. Auf Platz zehn der Bürgerliste kandidiert er, verbunden mit dem Slogan „Ehrlich und für alle erreichbar“. Huber, der mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Thomas das berühmte Kletterer-Duo bildet, ist geprüfter Berg- und Skiführer, studierter Physiker und betreibt im Nebenerwerb eine Landwirtschaft mit einer kleinen Schafzucht und ein paar Hektar Wald.
Alexandra Hörtrich: Vom Vorzimmer des Bürgermeisters auf den Chefsessel?
In der Marktgemeinde Babenhausen geht mit Alexandra Hörtrich eine parteilose Kandidatin ins Rennen um den Bürgermeisterposten, die sich im Rathaus bereits bestens auskennt. Seit 2022 ist die 48-Jährige im Vorzimmer von Amtsinhaber Otto Göppel (CSU) tätig, der nach 18 Jahren im Amt nicht mehr antritt. Vor allem nach der Flutkatastrophe 2024, bei der Hörtrich Krisenmanagerin im Rathaus war und an einigen Baustellen selbst angepackt hat, sei in ihr der Drang gewachsen, vieles im Ort anzugehen und zu verändern, sagt sie. Sie hat drei Gegenkandidaten. (scö)
Ozan Iyibas: Der erste muslimische Bürgermeisterkandidat der CSU
Schon 2020 machte Ozan Iyibas Schlagzeilen – als erster muslimischer Bürgermeisterkandidat der CSU trat er damals in Neufahrn im Kreis Freising an. Der damalige CSU-Generalsekretär Markus Blume lobte ihn im Vorfeld als „Bilderbuchbayer“ und „Vorbild“. Die Personalie machte auch Schlagzeilen, weil in Wallerstein im Donau-Ries zuvor der mögliche muslimische CSU-Bürgermeisterkandidat Sener Sahin aufgegeben hatte – wegen Widerstands an der Parteibasis. Für Iyibas reichte es bei der Kommunalwahl 2020 nur für 21,8 Prozent der Stimmen gegen Bürgermeister Franz Heilmeier. Nun nimmt der 42-Jährige einen neuen Anlauf auf den Chefposten im Rathaus und tritt erneut gegen den Grünen-Bürgermeister an.
Bernhard Uhl: Von Zusmarshausen nach Wertingen, von einer Partei zur anderen
Von Zusmarshausen nach Wertingen, von der CSU zu den Grünen und der SPD: Für Bernhard Uhl dürfte sich mit der anstehenden Kommunalwahl einiges ändern. Zwölf Jahre lang war er Bürgermeister in der Gemeinde Zusmarshausen im Landkreis Augsburg. Seine inzwischen ehemalige Partei, die CSU, hat sich dort für einen anderen Kandidaten entschieden. Nun zieht es den 64-Jährigen zurück in den Landkreis Dillingen, in dem er geboren ist. Er möchte in der Stadt Wertingen Rathauschef werden und lässt sich dafür als parteiloser Kandidat von den Grünen und der SPD unterstützen. (lagad)
Melanie Huml: Früher Gesundheitsministerin, bald Oberbürgermeisterin?
Früher Ministerin, in Zukunft Oberbürgermeisterin: So hat sich das Melanie Huml vorgestellt. Huml, die acht Jahre Gesundheitsministerin in Bayern war, musste 2021 nach Pannen rund um Coronatests gehen, anschließend war sie zwei Jahre lang Europaministerin, zuletzt nur noch einfache Landtagsabgeordnete. Jetzt will die 50-jährige Ärztin für die CSU den Chefsessel im Bamberger Rathaus erobern. Bisher hatte die bei Touristen und Ausflüglern beliebte Welterbe-Stadt einen SPD-Oberbürgermeister, Andreas Starke tritt jedoch nach 20 Jahren nicht mehr an.
Walter Fuchsluger: Er will mit 88 in den Stadtrat
Diese Kandidatur ist rekordverdächtig. Der SPD-Politiker Walter Fuchsluger möchte im Alter von 88 Jahren erneut in den Dillinger Stadtrat gewählt werden. „Ich will den älteren Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Dillingen eine Stimme geben“, sagt Fuchsluger. Und die Chancen des rüstigen Rentners, der bis ins Alter von 57 Jahren das Tor des Fußball-Bayernligisten FC Gundelfingen gehütet hat, stehen nicht schlecht. Der weitere Stellvertreter des Dillinger Oberbürgermeisters Frank Kunz kandidiert auf Platz drei der SPD-Liste. Vor sechs Jahren rangierte Fuchsluger bei der Wahl auf Platz zwei und überholte prompt den Spitzenkandidaten Tobias Rief, der gegen Kunz kandidiert hatte. Er wurde als einziger Sozialdemokrat in den Stadtrat gewählt. (bv)
Stephanie von Pfuel: Die Kaffee-Gräfin und ihr Streit mit der CSU
Mit der Werbung über den „Duft von frisch gebrühtem Kaffee“ flimmerte sie Anfang der 2000er Jahre über die Fernsehbildschirme. Jetzt ist Stephanie von Pfuel, die als „Kaffee-Gräfin“ bekannt geworden ist, wieder zurück. Weil sich in ihrer Heimatgemeinde Tüßling im Kreis Altötting anfangs kein Bürgermeisterkandidat fand, tritt die 64-Jährige noch einmal an. Erfahrung hat die Gräfin, schließlich war sie von 2014 bis 2020 schon einmal dort Rathauschefin für die CSU. Die aber hat sie vor fünf Jahren aus Ärger über deren Corona-Politik, die sie als „menschenverachtend und arrogant“ bezeichnete, verlassen. Nun kandidiert die adelige Besitzerin des Renaissance-Schlosses Tüßling aus dem Jahr 1583 – auf der Liste der CSU.
Peter von der Grün: Der Landrat, der OB werden will
Nur eine Amtszeit hat Peter von der Grün als Landrat in Neuburg-Schrobenhausen absolviert. Dann traf er die Entscheidung, nicht mehr anzutreten. Hintergrund war nicht allein die Tatsache, dass er sämtliche Bürgermeister im Landkreis geschlossen gegen sich aufgebracht hatte und die Gräben öffentlich mehr als sichtbar wurden. Von der Grün wurde auch von extern für seine mangelnde Kommunikation und Entscheidungsfreude kritisiert. Er gewann als Freier Wähler die Landratswahl, verließ die Partei und schloss sich der FDP an. Wider Erwarten verabschiedet sich der nun Liberale nicht von der politischen Bühne, sondern kandidiert als Oberbürgermeister für Neuburg an der Donau. Sein offen genanntes Ziel: den CSU-Kandidaten verhindern. (fene)
Michael Graeter: Ein Klatschreporter fürs Münchner Rathaus
In den 80ern war Michael Graeter Vorbild für den Klatschreporter „Baby Schimmerlos“ in der Kultserie „Kir Royal“. Im Fernsehen war „Baby“ immer unpolitisch. Doch der echte Journalist will es jetzt wissen und kandidiert auf der unabhängigen München-Liste für den Stadtrat. Er tritt an, um das Bargeld zu bewahren, und möchte die Formel 1 nach München holen. „Eigentlich hätte ich schon vor 20 Jahren in die Politik gehen sollen“, sagte der 85-Jährige jüngst unserer Redaktion. Jetzt könnte es eng werden. Graeter steht auf der München-Liste auf Platz zwölf, bislang stellt sie nur einen Stadtrat. (sari)
Michael Piazolo: Ein Mitbewerber mehr in München
Es sind nicht gerade wenige Kandidaten, die sich um den OB-Posten in München bewerben. Elf Männer und eine Frau fordern Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in der Landeshauptstadt heraus. Der Bekannteste von ihnen: Freie-Wähler-Kandidat Michael Piazolo, Politik-Professor und bis Oktober 2023 Kultusminister im bayerischen Kabinett. Große Chancen kann sich Piazolo, der sich vehement gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen einsetzt, trotzdem nicht ausrechnen – obwohl er seit 2008 im Münchner Stadtrat sitzt. Denn die Großstädte sind traditionell ein schwieriges Pflaster für die Freien Wähler und Amtsinhaber Reiter nun mal der klare Favorit.
Kristan von Waldenfels: Der Jüngste hat noch viel vor
Als 19-Jähriger gewann er vor sechs Jahren die Bürgermeisterwahl im Städtchen Lichtenberg im Frankenwald – und wurde daraufhin als jüngster Rathauschef im Freistaat bekannt. Und während andere nach dem Abitur durch die Welt reisen, hat Kristan von Waldenfels einen klaren Plan: Er studierte in Bayreuth Volkswirtschaftslehre und Philosophie und führte zugleich die zweitkleinste Stadt Bayerns mit ihren knapp 1000 Einwohnern. Seit drei Jahren sitzt der aufstrebende CSU-Politiker zudem im bayerischen Landtag, als bisher jüngster Abgeordneter überhaupt. Bürgermeister will von Waldenfels bleiben. Die Chancen dafür stehen bestens: Schließlich hat er keinen Gegenkandidaten.
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