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Dillingen/Gundelfingen

15.12.2019

Die Geschichte ist Georg Wörishofers große Leidenschaft

Georg Wörishofer kennt die Geschichte des Landkreises Dillingen wohl wie kein anderer. Auf dem Bild steht er vor dem Gedenkstein zu Ehren von Hans Sitzenberger neben der Gundelfinger Spitalkirche.
Bild: Andreas Schopf

Plus Geht es um die Historie der Region, kennt sich wohl keiner so gut aus wie Georg Wörishofer. Kürzlich hielt der Dilllinger einen Vortrag in Los Angeles.

Natürlich weiß Georg Wörishofer auch dieses Datum auswendig. Es war der 2. November 1958, als er als kleiner Junge zum ersten Mal den Landkreis Dillingen gesehen hat. Bekannte hatten damals ein neues Auto, in dem der Bub aus Augsburg mitfuhr und erstmals mit 110 Stundenkilometern unterwegs war. Damals ein Erlebnis. Vielleicht auch deshalb ist ihm der Landkreis in den Jahren danach in Erinnerung geblieben – er wurde schließlich zu seiner zweiten Heimat.

Wie ein wandelndes Lexikon

Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass niemand sonst so gut über die Geschichte der Region Bescheid weiß wie der 69-Jährige. Was geschichtliche Daten, Zahlen, Fakten und Zusammenhänge angeht, ist Wörishofer wie ein wandelndes Lexikon. Er arbeitet als historischer Berater von Gundelfingen, Höchstädt, Bachhagel sowie Glött, und auch sonst ist er überall in der Region gefragt, wenn es um die Vergangenheit geht. Wörishofer kann aus dem Stegreif ganze Vorträge über Epochen, Kriege oder Baustile halten. Von seinem Sachverstand konnten sich in diesem Jahr unter anderem die Bachhagler ein Bild machen. Die Gemeinde feierte die erste urkundliche Erwähnung vor 750 Jahren, Wörishofer war der historische Berater und brachte den Besuchern geschichtliche Fakten über die Bachtalgemeinde und ihre Ortsteile nahe. Auch 2018 lieferte Wörishofer beispielsweise den geschichtlichen Hintergrund für die Jubiläumsfeierlichkeiten des Gundelfinger Spitals.

Er stammt ursprünglich aus Augsburg

Ursprünglich stammt Wörishofer aus Augsburg, wo er das Abitur ablegte. Anschließend studierte er in der Fuggerstadt und in München Geografie und – natürlich – Geschichte. Zunächst arbeitete er bei der Stadt Augsburg. Dann wechselte er zum Dillinger Landratsamt, wo er für die Bereiche Tourismus und Öffentlicher Nahverkehr zuständig war. Bei der Behörde arbeitete er bis 2015, dann ging er in den Ruhestand. Schon während seiner Arbeitszeit ging er seiner Leidenschaft nach, der Geschichte. Wörishofer eignete sich nebenher sein Wissen an, hielt Vorträge oder begleitete historische Feste. „Jeder Ort hat seine Besonderheiten“, sagt er. Und gerade auch kleinere Gemeinden hätten meist eine spannende Geschichte, die es zu entdecken gilt. Um Wissen darüber weiterzugeben, bildet Wörishofer Stadtführer aus.

Es sei schwierig geworden, freiwillige Helfer zu finden

Was ist es eigentlich, was ihn so an der Vergangenheit fasziniert? Bevor Wörishofer antwortet, fängt er mit „Und zwar …“ an – eines seiner Markenzeichen, neben seiner Aktentasche sowie der stets korrekten Ausdrucksweise und Kleidung. „Wir können und sollen aus der Geschichte lernen“, sagt er dann. Und: „Die Geschichte hat eine Botschaft für uns. Es geht darum, wie man in der Familie oder in der Gemeinde miteinander umgehen sollte.“ Ihm ist es ein Anliegen, den Menschen diese Botschaft nahezubringen. Das Interesse an Geschichte sei nach seiner Erfahrung in den vergangenen Jahren gestiegen. „In Zeiten zunehmender Globalisierung und virtueller Welten spüren die Leute, dass Denkmäler oder Gebäude wichtig sind für die Identität“, sagt Wörishofer. Trotz des gestiegenen Interesses sei es jedoch schwieriger geworden, freiwillige Helfer für große historische Feste zu finden, so sein Eindruck.

Kürzlich hielt Wörishofer einen Vortrag in Los Angeles

In der Recherche ist es ihm wichtig, Originaldokumente zu lesen. Dafür fährt er auch schon mal ins Bayerische Hauptstaatsarchiv nach München. Das Entziffern und Übersetzen der zum Teil jahrhundertealten Schriftstücke bereitet ihm kaum Probleme. Lateinische Dokumente lese er „wie die Zeitung“, sagt Wörishofer und lacht. Seine Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die Region. Kürzlich etwa hielt Wörishofer bei einem Treffen von deutschen Aussiedlern in Los Angeles einen Vortrag zur deutschen Auswanderung in die USA. Er selbst hat zwei Wohnungen: eine in Dillingen und eine in Augsburg. Beide Regionen bezeichnet er als seine „Heimat“.

In Zukunft will der 69-Jährige etwas kürzertreten. „Man wird auch nicht jünger.“ Er kündigt an, dass er den einen oder anderen Auftrag künftig nicht mehr annehmen möchte – und bittet dafür in seiner höflichen und freundlichen Art um Verständnis. Beschäftigt er sich mal nicht mit der Geschichte, geht Wörishofer gerne auf der Schwäbischen Alb oder in den Alpen wandern.

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