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Dillingen
06.10.2021

Ein Bündnis für lebendige Ortskerne im Kreis Dillingen

Alt oder neu? Viele entscheiden sich für das neue Haus im Baugebiet, wie hier auf dem rechten Bild in Höchstädt. In den Ortskernen verfallen dabei manche Immobilien immer mehr, so wie in Lauingen (linkes Bild).
Foto: Brunner/Bronnhuber (Archiv)

Nach langen Planungen startet ein Projekt zur Wiederbelebung der Zentren zum Flächensparen. 13 Kommunen aus dem Kreis Dillingen sind dabei. Das ist geplant.

In beinahe jedem Ort, ob größer oder kleiner, gibt es sie. Mal waren es Gaststätten, mal Handwerksbetriebe oder ehemalige Bauernhöfe. Sie stehen jahrelang leer, bröckeln und modern in den Ortskernen vor sich hin. Auch im Landkreis Dillingen. Ein Projekt von Donautal-Aktiv will das nun ändern: Die Orte sollen nach innen wachsen, indem Altes wiederbelebt wird. Doch wie kann das gelingen?

Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben – und ein straffer Zeitplan –, den sich 16 Kommunen, davon 13 aus dem Kreis Dillingen und drei aus dem Kreis Günzburg, gesetzt haben. Das Projekt läuft bis zum Sommer 2023. Bis dahin soll ein Netzwerk aufgebaut werden, das aus den teilnehmenden Kommunen besteht. Unterstützt wird das Projekt vom Planungsbüro Baader Konzept aus Gunzenhausen. Die Finanzspritze kommt von der EU, die im Rahmen der sogenannten LEADER-Förderung knapp die Hälfte der 94.000 Euro Projektkosten übernimmt.

Ortskerne im Kreis Dillingen sollen "nicht ausbluten"

„Es geht darum, dass die Ortskerne nicht ausbluten“, fasst Landrat Leo Schrell das Vorhaben zusammen. Die Auftaktveranstaltung im Dillinger Landratsamt wird per Video-Livestream übertragen, weil es im Saal wegen der Corona-Regeln nicht genug Plätze gibt. Die Bevölkerung im Landkreis wachse zwar, betonte auch Lothar Kempfle von Donautal-Aktiv, doch gebe es Abwanderungsbewegungen von den Dörfern in die Städte. Deshalb wolle man mit dem Projekt dafür sorgen, dass beispielsweise junge Menschen in ihrem Heimatdorf bleiben können. Denn häufig fänden diese keine geeigneten Mietwohnungen, wenn sie bei den Eltern ausziehen wollten. Gleichzeitig gebe es viele Single-Senioren, die etwa allein in alten Hofstätten lebten. Auch für diese Menschen brauche es also Lösungen, wenn diese sich im Alter räumlich verkleinern wollten.

Lösungen, oder zumindest Anregungen, soll das Büro Baader Konzept liefern. Raumplanerin Sabine Müller-Herbers stellte dazu Erkenntnisse aus früheren Projekten vor. Neubaugebiete seien beispielsweise nicht immer die richtige Antwort auf Zuzug, da sie auch für Gemeinden auf lange Sicht teuer seien. Man müsse dabei nicht nur die Kosten für die Erschließung betrachten, sondern auch die Folgekosten über die kommenden Jahrzehnte für Infrastruktur und Instandhaltung. „Inzwischen sieht man an älteren Siedlungsgebieten aus den 60er- und 70er-Jahren, dass es dort sehr viele Ein-Personen-Haushalte gibt.“ Eine Prognose sage zudem voraus, dass bis 2040 in Bayern über 70 Prozent der Haushalte nur aus einer oder zwei Personen bestehen werden.

Große Herausforderungen für Dillinger Gemeinden

Das bringe für viele Gemeinden große Herausforderungen mit sich, denn während in älteren, großen Häusern oftmals einzelne Senioren leben, ziehen Familien mit Kindern bevorzugt auf die grüne Wiese und bauen dort Einfamilienhäuser. Wie kann man also Ältere dazu bewegen, ihre Höfe und Einfamilienhäuser gegen kleinere Wohnungen einzutauschen, und gleichzeitig Jüngeren ein Haus im Ortskern schmackhaft machen? Dafür müssen Grundstücke und leer stehende Gebäude im Zentrum zunächst einmal als solche erfasst werden. Die Initiative will das mit einer Flächendatenbank erreichen. Auf die Eigentümer und Eigentümerinnen leer stehender Häuser sollen schließlich sogenannte Entwicklungslotsen zugehen und ihnen eine andere Nutzung oder einen Verkauf ihrer Immobilie schmackhaft machen. So soll nach und nach die Erneuerung der Ortskerne gelingen.

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„Das ist aber eine schwierige Aufgabe, weil alles in Privateigentum ist“, räumte Müller-Herbers vom Planungsbüro ein. Um diese Aufgabe anzugehen, sollen die, hauptsächlich ehrenamtlich tätigen, Entwicklungslotsen speziell geschult werden. Für diese Posten hätten sich schon viele Interessenten gefunden, hieß es in der Auftaktrunde.

Positivbeispiele Dillinger Gemeinden sollen hervorgehoben werden

Teil des Projektes ist es ebenso, Positivbeispiele in Gemeinden hervorzuheben, wie Sanierungen oder Neubauten im Innenraum gelingen können. Ein solches Positivbeispiel hat man sich aus Franken zur Auftaktveranstaltung geladen. Arthur Arnold, inzwischen Altbürgermeister im fränkischen Euerbach, berichtet über die Erfahrungen in seiner Gemeinde. Dort habe man vor etwa zwanzig Jahren zuletzt ein neues Baugebiet ausgewiesen. Es gelte also, die Häuser im Innenraum zu sanieren. Dafür gebe es von der Kommune aufgelegte Förderprogramme. „Ich vermisse es bis heute, dass da von staatlicher Seite nichts kommt“, sagt Arnold.

Sie wollen Leerstand bekämpfen (von links): Lothar Kempfle von Donautal-Aktiv, der Günzburger Landrat Hans Reichhart, LEADER-Koordinator Erich Herreiner, Landrat Leo Schrell und Gerlinde Augustin, Geschäftsführerin der Schule für Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten.
Foto: Brunner/Bronnhuber (Archiv)

Die kommunalen Förderprogramme seien zwar „ein Tropfen auf den heißen Stein“, doch der reiche manchmal schon aus, um die Leute zu bewegen. Im Gemeindeverbund habe man zudem auf eigene Faust steuerliche Vergünstigungen für Modernisierungen im Innenraum auf den Weg gebracht.

Holzheimer Bürgermeister erhofft sich Inspiration

Doch kann man all das auf den Landkreis Dillingen übertragen? Simon Peter war bei der Auftaktveranstaltung dabei. Der Holzheimer Bürgermeister erhofft sich von dem Bündnis vor allen Dingen Inspiration. „Es wäre schön, wenn Fachleute mit im Boot sind, die Bürger informieren, was man aus Leerständen machen kann“, sagt Peter. „Man muss in Zukunft mit den Flächen haushalten.“ Jede Fläche, die bebaut werde, fehle der Natur oder den Landwirten. Holzheim vergrößert sich gerade trotz allem nach außen. Die Plätze in den Neubaugebieten seien schon alle vergeben. Der Bebauungsplan für manche Neubaugebiete steht jedoch schon seit 25 Jahren, sagt Peter. Erst jetzt kann es mit dem Bauen allmählich losgehen.

Doch die Nachfrage ist damit noch nicht gedeckt: „Es kommt wöchentlich vor, dass Leute nach Bauplätzen fragen“, sagt Peter. Auch in Holzheim muss man also ins Zentrum wachsen. „Wir haben immerhin noch keine Gehöfte, die verfallen.“ Dennoch müsse man das Thema nach und nach angehen. In der Aschberggemeinde will man aber zunächst auf einen einzelnen Entwicklungslotsen verzichten, sagt der Rathauschef. „Ich denke, dass wir das gemeinschaftlich machen. Ich glaube nicht, dass es zielführend ist, wenn Einzelpersonen auf die Bürger zugehen.“ Er möchte stattdessen Bürgerversammlungen und Infoveranstaltungen geben.

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