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Landkreis Dillingen

07.03.2019

Helden aus der Region retteten den Augsburger Dom

Der Augsburger Dom wurde 1944 von etlichen Brandbomben getroffen. Und es war offiziell verboten, für kirchliche Bauten Löschzüge abzustellen. Doch ein Löschtrupp handelte kurzerhand.
Bild: Georg Rauch

Als 1944 Bomben fielen, eilten Feuerwehrleute aus Schabringen und Mödingen zu Hilfe. Die Feuerwehren wurden in Augsburg geehrt.

Abordnungen der Schabringer und der Mödinger Feuerwehr sind kürzlich nach Augsburg gefahren. Und so kam es dazu:

Beim verheerenden Luftangriff auf Augsburg in der Nacht vom 25. auf 26. Februar 1944 wurde auch der Dom von etlichen Brandbomben getroffen. Durch den Einsatz verschiedener Hilfskräfte, darunter vier Ministranten, konnten die zahlreichen Brandherde zunächst gelöscht werden. Die ärgste Gefahr schien vorübergehend gebannt zu sein. Doch plötzlich fing das Dach der Marienkapelle Feuer. Auf der Orgelempore der Kapelle war eine Brandbombe mit Zeitzünder explodiert.

Löschzüge durften nicht für kirchliche Bauten verwendet werden

Der Brand hatte bereits auf das Seitendach des Domes übergegriffen. Zu allem Unglück war nicht mehr genügend Wasser zum Löschen vorhanden. Sollte das Feuer auf das nördliche Querschiff überspringen, wäre der Dom verloren. Nur ein starker Wasserstrahl konnte dieses Unglück unter Umständen noch abwenden. Doch dazu brauchte man die Feuerwehr. Es war allerdings offiziell verboten, für kirchliche Bauten Löschzüge abzustellen.

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Bei der Regierung von Augsburg war damals ein Löschtrupp eingesetzt, der der SA unterstellt war. Von ihm war eigentlich kaum Hilfe zu erwarten. Mit der überraschenden Antwort: „Wir kommen! Das machen wir schwarz!“ hatte daher niemand gerechnet. Jetzt war vielleicht doch noch nicht alles verloren. Der Kommandant hielt Wort. Nach einer halben Stunde kam er mit einem Löschwagen und seinen Kameraden zum Dom. Wie sich herausstellte, waren es Feuerwehrleute aus Schabringen und Mödingen, die nun die Rettungsarbeit begannen.

Die Kuppel stand bereits in Brand

Darüber berichtet der damalige Pfarrer von Mödingen: „Nach dem schweren Fliegerangriff auf Augsburg in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 wurden am 26. Februar mittags um Viertel vor 12 Uhr auch die Freiwilligen Feuerwehren von Mödingen und Schabringen alarmiert. Das Auto der Baumwollweberei Zöschlingsweiler brachte die Mannschaften (acht Mann von Mödingen und sechs Mann von Schabringen) samt zwei Motorspritzen nach Augsburg. Die beiden Mannschaften wurden abends um 18 Uhr beim Brand des Regierungsgebäudes zu Löscharbeiten eingesetzt.

Die Feuerwehrabordnung aus Schabringen und Mödingen im Augsburger Dom.
Bild: Georg Rauch

In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar kam gegen 24 Uhr ein Mann zum Mödinger Feuerwehrmann Georg Göttle – vermutlich war es der Dom-Mesner – und bat, eine Schlauchleitung zu legen, durch den Dom in die Marienkapelle, da deren Kuppel bereits in Brand stehe. Die Sache wurde dem aufsichtsführenden Luftschutzwart beim Regierungsgebäude (ein etwa 70-jähriger Mann in Luftschutzuniform, mit Spitzbart) gemeldet. Dieser jedoch erwiderte: „Wir haben Befehl, das Regierungsgebäude zu löschen, nicht den Dom.“ Ein SA-Mann kam hinzu und sagte: „Wir brauchen keine Kirche, zuerst kommt das Regierungsgebäude dran.“

In der Nacht begannen die "illegalen" Löscharbeiten

Bei der herrschenden Dunkelheit und Kälte nahmen dann die Mödinger und Schabringer Feuerwehrleute zusammen mit zwei Wehrmachtsangehörigen auf eigene Faust eine Schlauchleitung vom Regierungsgebäude und legten sie unter Wegweisung des Dom-Mesners durch den Dom zur Marienkapelle und begannen dort zu löschen.

Drei Mal kam während dieser Löscharbeiten der Luftschutzwart vom Regierungsgebäude in den Dom herüber und befahl, die Löschleitung sofort abzubauen – sonst werde er Meldung beim Gauleiter erstatten. Dreimal kam er, ohne Gehör zu finden. Im weiteren Verlauf war der Brand in der Marienkapelle so weit gelöscht, dass für den Dom keine Gefahr mehr bestand.

Alsdann erst wandten sich die Mödinger und Schabringer Feuerwehrleute wieder dem Brand im Regierungsgebäude zu. So retteten die Mödinger und Schabringer den Dom in Augsburg vor der sicheren Zerstörung durch Feuersbrunst.

Diese Heldentat hat sich nun zum 75. Mal gejährt. Daher feierte man im Augsburger Dom einen feierlichen Gedenkgottesdienst für die Aktion und Retter des Domes und enthüllte eine Gedenktafel für alle ehemaligen Helfer.

Zur Bombennacht in Augsburg haben wir eine Multimedia-Reportage erstellt. Diese finden Sie unter www.augsburger-bombennacht.de.

Lesen Sie dazu auch: „Lauingen wurde bombardiert, Dillingen nicht“

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