Die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus breitet sich im Landkreis Dillingen immer weiter aus. Und es gibt in Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung einen weiteren Todesfall. Wie das Landratsamt Dillingen auf Nachfrage bestätigt, ist ein weiterer Mensch im Höchstädter Pflegen- und Seniorenheim Lipp in Zusammenhang einer Corona-Erkrankung gestorben. Laut Landratsamt habe die Person Vorerkrankungen gehabt. Insgesamt muss die private Einrichtung seit dem Ausbruchsgeschehen bisher fünf Todesfälle beklagen.
Auch in Sachen Inzidenz hat sich die Lage nicht entspannt. Nach einer kleinen Delle am Samstag (54,5), stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag auf 60,1. Nun, am Mittwoch, 18. August, ist der Wert im Landkreis Dillingen erneut sprunghaft gestiegen, die Inzidenz liegt bei 67,3. Von Dienstag auf Mittwoch werden 15 weitere Neuinfektionen im Landkreis Dillingen gemeldet.
Die Sieben-Tage-Inzidenz wird folgendermaßen berechnet: Die Infektionsfälle der vergangenen sieben Tage werden durch die Einwohnerzahl (96.562) geteilt und anschließend mit 100.000 multipliziert.
So geht es mit den Auffrischungsimpfungen im Dillinger Land weiter
Nach dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz und dem neuen Impfkonzept des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege liegt bis Ende des Jahres der Schwerpunkt der Impfzentren auf den mobilen Impfteams zur Durchführung der Auffrischungsimpfungen für die besonders vulnerablen Gruppen. Das teilte das Dillinger Landratsamt am Sonntag mit.
Dafür kommen derzeit vor allem Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen, in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen in Betracht. Um diese Personengruppen bestmöglich vor einer Infizierung beziehungsweise vor einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen, werde das Impfzentrum des Landkreises Dillingen sehr zeitnah mit den Auffrischungsimpfungen in den Pflegeeinrichtungen beginnen. Neben den Bewohnerinnen und Bewohnern erhalten auch die dort Beschäftigten die dritte Impfung.
So bereiten sich die Seniorenheime auf die Drittimpfung vor
Nach dem Corona-Ausbruch im Höchstädter Seniorenheim Lipp, hat das Dillinger Landratsamt die weiteren Pflegeeinrichtungen im Dillinger Land um Unterstützung gebeten. Den mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Höchstädt hatten sich infiziert oder mussten als Kontaktperson I in Quarantäne. Auf Nachfrage bei den Seniorenheimen stellte sich heraus, dass auch dort sich die Heimleitungen bereits auf die Drittimpfungen einstellen.
Die Planung und Koordination dieser Impfungen erfolgt durch die Leitung des Impfzentrums in enger Absprache und Zusammenarbeit mit den jeweiligen Einrichtungsleitungen. Unmittelbar nach Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, dass der Start der Auffrischungsimpfungen bereits im August möglich ist, ist das Impfzentrum an die entsprechenden Einrichtungen herangetreten, um die vor Ort notwendigen Vorbereitungen abzustimmen.
Der Hausärztemangel im Kreis Dillingen bleibt ein Thema
Voraussetzung für eine Auffrischungsimpfung ist, dass der Abschluss der ersten Impfserie beim Impfling mindestens sechs Monate zurückliegt. Die Auffrischungsimpfung erfolgt mit einem mRNA-Impfstoff.
Nach dem neuen Impfkonzept des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege hat das Impfangebot der niedergelassenen Ärzte und Betriebsärzte gegenüber einem staatlichen Impfangebot Vorrang. Deshalb erhalten Patienteninnen und Patienten mit Immunschwäche sowie Personen ab 80 Jahren und Pflegebedürftige, die nicht in einer Einrichtung leben, die Auffrischungsimpfung vorrangig durch ihre behandelnden Ärzte.
Ungeachtet dessen hat Landrat Leo Schrell in Abstimmung mit dem koordinierenden Arzt, Dr. Alexander Zaune, seine Verwaltung damit beauftragt, bei der Erarbeitung eines Konzeptes für den modifizierten Betrieb des Impfzentrums über den 30. September 2021 hinaus die wegen der im Landkreis Dillingen bekannt niedrigen Arztdichte begrenzte Impfkapazität bei den niedergelassenen Ärzten zu berücksichtigen.
Das Wertinger Impfzentrum soll die niedergelassenen Ärzte unterstützen
Diese Personen sollen eine Drittimpfung gegen Corona erhalten
In der Gesundheitsministerkonferenz am 2. August wurde ein Beschluss zu den Auffrischimpfungen gefasst: Ab September soll Pflegebedürftigen, Bewohnerinnen und Bewohnern in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren vulnerablen Menschen in Einrichtungen in der Regel mindestens sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie eine Auffrischimpfung über die mobilen Teams der Impfzentren angeboten werden.
Patientinnen und Patienten mit Immunschwäche oder Immunsuppression sowie Pflegebedürftige und Höchstbetagte, die in ihrer eigenen Häuslichkeit wohnen, sollen durch ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte eine Auffrischimpfung angeboten bekommen.
Darüber hinaus wird ab September allen vollständig geimpften Bürgerinnen und Bürgern, die den ersten Impfschutz mit einem Vektor-Impfstoff von AstraZeneca oder Johnson&Johnson erhalten haben, eine weitere Impfung mit dem mRNA-Impfstoff angeboten.
Quelle: Landratsamt Augsburg
Dr. Zaune betont in diesem Zusammenhang, dass auch zukünftig von den Ärzten im Landkreis die Grenze von 2000 Impfungen pro Woche nicht wesentlich überschreiten werden kann. Dies sei sowohl dem Ministerium als auch der kassenärztlichen Vereinigung seitens der niedergelassenen Ärzteschaft, dem Landratsamt und der Bürgermeister des Landkreises breit bekannt gemacht und ausgiebig kommuniziert worden.
Schrell will deshalb bei der Neuausrichtung der Bayerischen Impfstrategie im Landkreis von Anfang an ein großes Augenmerk darauf legen, dass die Rahmenvorgaben eingehalten werden. So sieht das Konzept der Staatsregierung als Rahmenvorgaben unter anderem eindeutig vor, dass Ziel eine größtmögliche Flexibilität, angepasst an die jeweiligen örtlichen Bedarfe und Gegebenheiten ist. Dahinter steht die Erkenntnis, dass der tatsächliche Bedarf für ein ergänzendes staatliches Impfangebot, abhängig vom jeweiligen regionalen Impfangebot der Ärztinnen und Ärzte, unterschiedlich sein kann.
„Deshalb muss das Impfzentrum in seiner künftigen Struktur so aufgestellt und ausgerichtet sein, dass es jederzeit die niedergelassenen Ärzte unterstützen kann. Dafür muss auch der erforderliche Impfstoff verfügbar sein“, betont Schrell und sichert den Ärzten seine Solidarität zu. So dürfen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nach übereinstimmender Meinung von Landrat Leo Schrell und Dr. med. Alexander Zaune mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung, die zunehmende Impfung von Kindern und Jugendlichen, die Regelversorgung mit der Behandlung von Covid-19-Positiven einer möglichen vierten Welle sowie die Grundimmunisierung noch nicht geimpfter Personen und die im Herbst anstehende Grippeimpfung nicht überfordert werden.
So lange wird das Impfzentrum in Wertingen vorerst aufrechterhalten
Ein ergänzendes staatliches Impfangebot hält Schrell deshalb im Landkreis Dillingen im Hinblick auf die Auffrischungsimpfungen für zwingend erforderlich. Das Impfzentrum in Wertingen wird deshalb in seiner jetzigen Form zunächst noch bis Ende September bestehen bleiben. Danach wird seitens der staatlichen Impfzentren verstärkt auf mobile Teams gesetzt. Das Landratsamt Dillingen wird deshalb das Impfzentrum in Zusammenarbeit mit dem bisherigen Betreiber in modifizierter Form weiterführen.
In der modifizierten Form sollen die Impfzentren nach derzeitiger Vorgabe der Bayerischen Staatsregierung bis Ende April 2022 fortbestehen. Das finale Konzept zu dieser Neuausrichtung des Impfzentrums wird aktuell durch die Verwaltung des Landkreises in Zusammenarbeit mit dem Betreiber des Impfzentrums, der Firma Ecocare, erarbeitet.
Landrat Leo Schrell hat die Kreisverwaltung dazu beauftragt, bis Mitte September das endgültige Konzept zu erstellen, damit eine zügige und effektive Umsetzung der Neuausrichtung der Bayerischen Impfstrategie im Landkreis Dillingen gegeben ist. (pm)