Was sind die Herausforderungen im Bereich der Jugendarbeit? Speziell beim zum Thema Sucht? Nicht nur im Hinblick auf die Situation in den einzelnen Familien betrachtet, sondern in der Gesamtgesellschaft. Was müssen wir von der Politik abverlangen? Was kann, muss getan werden? Viele dieser und noch mehr Fragen begleiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Fachtagung zur Versorgungssituation suchtgefährdeter Jugendlicher im Landkreis Dillingen, veranstaltet von der ortsansässigen Fachambulanz Dillingen des Caritasverbandes Augsburg. Der Tag im Provinzhaus der Dillinger Franziskanerinnen war gedacht, um Hilfsangebote aufzuzeigen und durch den Erfahrungsaustausch zu einer intensiveren Vernetzung im Landkreis zu führen.
Fast die Hälfte ist abhängig
Nach der Begrüßung durch Sabine Schmidt, Leiterin der Suchtfachambulanz Dillingen, und Markus Müller, Diözesan-Caritasdirektor des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg, e.V., startete die Tagung mit dem Vortrag „Cannabiskonsum im Jugendalter - Bedeutung der Prävention“. Gerade in der aktuellen rechtlichen Veränderung bei Cannabis-Konsum ein brisantes Thema mit der naheliegenden Frage: „Quo vadis? -Wohin geht es?“ Täglicher Konsum von Cannabis, bei Beginn in der Adoleszenz, könne etwa zu einer Abhängigkeit bei 25 bis 50 Prozent der Nutzer führen. Was zeige, dass die intensive Beschäftigung gerade mit den potentiellen Nutzern im Jugendalter eine hohe Bedeutung hat.
Referentin Stefanie Eder, Diplom-Sozialpädagogin beim Landratsamt Dillingen, erläuterte die vielfältigen Auswirkungen auf den jugendlichen Körper und Geist und die Möglichkeiten, die der Workshop „Cannabis - quo vadis?“ bieten kann, um Nicht-Konsumenten und -Konsumentinnen zu bestärken, dies bei zu behalten sowie Nutzer und Nutzerinnen zur Reflexion ihres Cannabis-Genusses zu bewegen.
Veränderungen der Lunge und Auswirkungen auf das Gehirn
Cannabinoide nehmen auf verschiedene Körperfunktionen Einfluss: Entzündung der Bindehaut, erweiterte Pupillen, erhöhte Herztätigkeit, Veränderungen in der Lunge, verstärkte Sekretbildung, Auswirkungen auf das Gehirn, verbunden mit Lernstörungen und einer verlangsamten Reaktionszeit und vieles mehr hervor. Die Zuhörer bekamen eine Einführung in das umfassende Gebiet des Cannabis-Konsums, um wiederum für ihre präventive Arbeit gerüstet zu sein.
Da das Gehirn in seiner Entwicklung in der Adoleszenz eine bedeutende Zeit durchläuft, waren die Impulse für die anwesenden Akteure in der Arbeit mit jungen Menschen für deren aktives Tun mit diesem vielschichtigen Thema gedacht.
Suchtkranke Jugendliche betreuen
Im zweiten Vortrag berichtete Sebastian Müller, Fachdienstleiter der Fachambulanz für Suchterkrankungen im Landkreis Traunstein, von seiner fünfjährigen Erfahrung in der Jugendsuchtberatung unter dem Motto „Saufen - Kiffen - Zocken - Schmeißen - Hungern“. Ein Fazit: Jugendsuchtberatung sei eine andere Herausforderung als die Suchtberatung im Erwachsenenalter. Die Vorträge „Suchterkrankungen bei Jugendlichen: Behandlung am Josefinum Augsburg“ und „Kompass Impuls in Ottobeuren – Stationäre Rehabilitation für suchtgefährdete und suchtkranke Jugendliche von 14 bis 21 Jahren“ gaben Einblick in Behandlungsarten Betroffener, bevor am Nachmittag in Workshops konkrete Anwendungsbeispiele intensiver verinnerlicht werden konnten.
Das Präventionsprojekt für Kinder aus suchtbelasteten Familien (Kiasu) etwa wurde von Verena Mench (Gruppenleitung von Kiasu Augsburg und Dillingen) präsentiert. „Gerade Kinder von Suchtkranken brauchen einen geschützten Raum.“ Neben Rauschmitteln stand außerdem die Problematik der Internetsucht im Fokus. Ein Tag mit umfangreichen Informationen für die Herausforderungen dieser Tage in der Arbeit mit Suchtgefährdung und dem Umgang damit.