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Geschichte

12.08.2017

Bierzelt, Fackelschwingen und ein Dompteur

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Schon vor über hundert Jahren feierten die Friedberger ein Volksfest. Damals standen noch Pferderennen auf dem Programm. Doch manches hat sich bis heute nicht verändert

Wann das Friedberger Volksfest zum ersten Mal gefeiert wurde, lässt sich nicht genau sagen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es immer wieder Festlichkeiten in der Stadt, mal waren es landwirtschaftliche Messen, mal Ausstellungen oder Schützenfeiern. „Es herrscht eine gewisse Unschärfe, was Jahreszahlen angeht“, sagt Daniel Götz, Präsident des Verkehrsvereins, der das Volksfest jedes Jahr veranstaltet. „Wir haben uns vorgenommen, in nächster Zeit unser Archiv zu durchforsten, um ein bisschen Klarheit zu schaffen.“

Eines der frühesten Fotos, die im Stadtarchiv zu finden sind, stammt aus dem Jahr 1903. Damals feierten die Friedberger drei Tage lang im September ein Volksfest mit Umzug durch die Stadt. Daran angeschlossen war die Bezirkstierschau. Neun Jahre später fand ein ähnliches Fest statt. Diesmal gestaltete sich das Rahmenprogramm schon etwas umfangreicher mit Festzug, Festakt und verschiedenen Ausstellungen.

Vor genau 90 Jahren wurde das Volksfest dann zum ersten Mal auf dem Volksfestplatz an der Aichacher Straße gefeiert. Vom 7. bis 15. August 1927 flanierten Menschen über den Platz und staunten über die Attraktionen, die ihnen dort geboten wurden.

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Ein Bierzelt, mehrere Imbissbuden und ein Weinzelt sorgten für das leibliche Wohl der Besucher. An Johann Michls Wurstbude, selbst ernannte „erste Firma am Platze“, gab es die Bockwurst damals noch für 30 Pfennig das Stück. Und auch das Weinzelt dürfte den ein oder anderen berauscht haben. „Ich weiß nicht, ob es seit 1927 durchgehend auf dem Volksfest stand, aber die vergangenen 20 Jahre war es legendär“, sagt Götz. Dank längerer Öffnungszeiten tranken Besucher dort den klassischen Absacker, bevor es nach Hause ging. Seit die Öffnungszeiten dem Bierzelt angepasst wurden, sei es schwierig geworden. Heuer gebe es das Zelt zum ersten Mal nicht mehr.

Damals wie heute drehte sich in der Mitte des Volksfestplatzes ein Kettenkarussell. Einziger Unterschied: Auf dem Foto von 1927 sitzen noch mehr Erwachsene als Kinder im Karussell. Außerdem gab es ein Riesenrad, das im Vergleich zu heutigen Fahrgeschäften eher wie eine Miniatur anmutet, und eine Riesenrutsche, die für jede Menge Spaßsorgte.Vorausgesetzt, man war schwindelfrei. Für Staunen dürfte auch der Dompteur gesorgt haben, der mit einem ausgewachsenen Bären und einem kleinen Äffchen verschiedene Kunststücke vorführte.

Den Auftakt zum Volksfest gab schon damals ein Umzug mit 400 Teilnehmern und 16 Festwagen, der sich von der Münchner Straße über den Bahnhof zum Marienplatz und von dort über die Ludwigstraße bis zum Volksfestplatz bewegte. Wie im Programmheft von 1927 notiert, wurden im Zelt Nationaltänze aufgeführt. Mit Einbruch der Dunkelheit ließen die Turner ihre Fackeln schwingen, abends gab es einen Reigen mit 1000 Kindern. Ein Fußballspiel mit „Endkampf um die Ehrenpreise“ stand ebenso auf dem Programm wie ein internationales Pferderennen. Und schon damals machte man sich Gedanken über den Verkehr. So wurden für die Zeit des Volksfestes „Autobusse in genügender Zahl“ zur Verfügung gestellt, um die Besucher in die umliegenden Ortschaften zu bringen. Mittags und abends verkehrte ein Extrazug zwischen Friedberg und Augsburg. „Wirft man einen Blick in das Programm von damals, zeigen sich doch einige Parallelen“, sagt Götz.

Zwei Jahre später wurde für das Volksfest eine improvisierte Freilichtbühne errichtet und das Festspiel „Die Föhre von Friedberg“ aufgeführt. Diese Tradition behielt man von 1931 bis 1936 bei, danach wurde das Fest eingestellt. Das erste Volksfest nach Ende des Zweiten Weltkriegs feierten die Friedberger 1947 mit Festumzug und Pferderennen. In den laufenden Jahren übernahm der Friedberger Verkehrsverein die Veranstaltung des Volksfestes, das seitdem jedes Jahr in der ersten Augusthälfte stattfand. Der Verein feiert heuer offiziell sein 69. Volksfest, im Stadtbuch ist ein anderes Datum vermerkt. Götz erklärt, bisher habe die Zeit gefehlt, die Geschichte des Volksfests genauer nachzurecherchieren. Aber man wolle sich bald daranmachen.

Jedenfalls stand einmal ein Bauerntag mit im Programm, mal eine Gewerbeausstellung. 1951 rannten beim Ochsenrennen Tiere um die Wette, 1952 traten mutige Fahrer beim Motorradrennen gegeneinander an. Aber egal, mit welcher Attraktion das Volksfest seine Besucher anlockte, zu sehen gab es immer etwas – damals wie heute.

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