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Kultur

23.11.2019

Ein abgedrehter Abend im Schloss

Peter Oswald (hier an der Trompete) hatte zum zweiten Mal das „Outreach Festival“ im Friedberger Schloss organisiert.
Bild: Manuela Rieger

Friedberger Musiker und die Uni Big Band gestalten einen furiosen Abend beim „Outreach Festival“

So ein Publikum wünscht sich jede Band. Klassik- und Jazzfans, ausgemachte Freaks oder einfach Menschen, die den Sound von Crossover lieben, kamen am Donnerstag zum „Hollywood-Konzert“ mit der Uni Big Band Augsburg, dem Friedberger Kammerorchester und der Friedberger All Stars Big Band. Es war der Auftakt des „Outreach Festivals“ von Peter Oswald.

Welch ein Intro: Dolf Meixner am Flügel und Oswald mit einer Holztrompete von Franz Hackl spielten die „Rhapsody in Blue“ von Gershwin in einem Arrangement des „Babylon Berlin“- und „Cloud Atlas“-Arrangeurs Gene Pritsker – wie überhaupt der ganze Abend im Zeichen Pritskers stand und ziemlich abgedreht war. Bei dem Outreach-Festival drehte sich allerdings alles um Feinheiten. Und wenn das Friedberger Kammerorchester sich mit Stefan Immler in die Jazzszene wagt, dann ist was geboten. Als Immler den Taktstock schwang, brach der Wahnwitz los: Töne tropften, blubberten und splitterten, als liefe jemand über Glas. Dabei war Immler keineswegs auf Effekthascherei aus. Nein, Schlagwerk und Drums standen im Dienst dieser mal dahinwackelnden, mal voranpreschenden Musik, die jazzige Harmonien, eingängige Melodien und verzinkte Grooves raffiniert verband. Abgefahrener Jazz eben.

Das Kammerorchester zeichnete den Weg der Fugger von Augsburg über Friedberg nach Schwaz musikalisch. Raue und rockige Passagen wechselten sich ab mit Anklängen an Blues und Funk, es gab aber auch Swing. Wenn das Orchester, bei dem auch Hackl und Oswald mitspielten, Stücke zerlegte und dann wieder fein zusammenbastelte, hatte das schlicht Klasse.

Ein abgedrehter Abend im Schloss

Die All Star Big Band stand im Arrangement von Pritsker und spielte unter seinem Dirigat „Solo for solo“ von Lew Soloff. Sein Trompetensolo aus „Spinning Wheel“ hat Generationen von Trompetern elektrisiert, weil es für so vieles steht: Kraft, Ausdauer, Leidenschaft, Einfallsreichtum und nicht zuletzt auch Querulantentum. Die Uni Big Band unter Bernhard Hofmann ließ es ruhiger angehen. Gespickt mit Solisten, die ihre Instrumente jubilieren, kreischen, schnattern oder lustvoll-genial Tonfolgen perlen ließen, tischte die Bigband den Zuhörern ein Menü an brillanten Melodien auf.

Mit am aufregendsten aber war, wie eng verzahnt und traumwandlerisch sicher das Spiel Musiker war, ob es um knifflige Breaks ging, lang gezogene Steigerungslinien oder wunderbar minimalistische Schlüsse. So leichthin das klang, so viel Feinarbeit steckte dahinter.

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