Der Krach um die Pannen-Baustelle in der Friedberger Bahnhofstraße nimmt erkennbar an Schärfe zu. „Kompetenzenwirrwarr, Arroganz und Unprofessionalität“ - mit diesen Worten beschreibt Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) die Arbeit der Telekom in der Friedberger Bahnhofstraße. Das lässt das Unternehmen nicht auf sich sitzen und droht ihrerseits der Stadt mit einer juristischen Auseinandersetzung.
Wie berichtet sieht die Stadt die Ursachen der Verzögerungen in der Bahnhofstraße bei der Telekom und der von ihr beauftragten Firma. Laut Eichmann wurde im Sommer mit der Telekom vertraglich vereinbart, dass die Leitungen für Telefon und Internet bis 30. September verlegt sein müssen. Offenbar hatte sich für die Verwaltung bereits zu diesem Zeitpunkt herauskristallisiert, dass es mit der Telekom Probleme geben könnte.
Am 1. Oktober erhielt die Stadt dem Bürgermeister zufolge die offizielle Benachrichtigung, dass eine Fertigstellung bis 30. September nicht erfolgt sei. Am 5. Oktober sei die Mitteilung gefolgt, dass dies erst am 1. November der Fall sein wird. Dadurch gerät der ganze Bauzeitenplan für die Bahnhofstraße ins Wanken - sowohl die Fertigstellung der Gehwege bis zum Weihnachtsgeschäft wie auch der Abschluss der gesamten Maßnahme bis zum Altstadtfest 2022 sind in Gefahr. Eichmann macht dafür die Telekom verantwortlich.
Telekom: Eichmann war bei Gesprächen gar nicht dabei
"Wir weisen die Aussagen des Bürgermeisters entschieden zurück. Aus erster Hand hat der Bürgermeister seine Einschätzungen ohnehin nicht, weil er an den regelmäßigen Spartengespräch mit der Stadt nicht teilnimmt", erklärt Telekom-Sprecher Markus Jodl auf Nachfrage unserer Redaktion.
Die Stadt und Telekom haben nach seinen Worten auf diese Baumaßnahme eine grundsätzlich unterschiedliche Sichtweise, deshalb werde die Kostentragung auch nachträglich noch gerichtlich geklärt werden. "Es gibt aber keinen Grund deshalb in dieser Weise auszukeilen. Das ist unprofessionell", so Jodl an die Adresse Eichmanns.
Jodl verweist darauf, dass man es hier mit einer schwierigen Baumaßnahme zu tun habe. So müssten unter anderem die Anlagen der Telekom auf einer Tiefe von über einem Meter gebracht werden. "Bei einem so tiefen Graben, der direkt an alten Häusern ohne Keller vorbeiführt, muss zum Teil erst ein Statiker befragt werden, ob das gefahrlos möglich ist. Die Sicherheit geht hier vor und nimmt Zeit in Anspruch." Er versichert, die Telekom werde das Bauvorhaben so schnell wie möglich zu Ende führen. "Dazu müssen wir aber an einem Strang ziehen. Unsachliche Schuldzuweisungen helfen dabei kein Stück", betont Jodl.
Friedbergs Bürgermeister greift Anwohner der Bahnhofstraße an
Aggressiver wird Eichmanns Ton auch gegenüber Patrick Gruner, der als Anwohner der Bahnhofstraße die schleppenden Arbeiten und die Informationspolitik der Stadt wiederholt kritisiert hat. "Ich verlange ja nicht, dass Sie verstehen, wie eine Tiefbaumaßnahme an so einer sensiblen Stelle einer Stadt funktioniert. Aber dass Sie sich als absolut inkompetent in diesem Bereich selbst zuschreiben, dass Sie in der Lage wären, hier Abläufe neu definieren zu können, ist verblüffend", geht Eichmann den Feldenkrais-Trainer Gruner an.
Dessen Forderung, zu einer für Montagabend geplanten Informationsveranstaltung für Anwohner und Geschäftsinhaber der Bahnhofstraße auch die Öffentlichkeit zuzulassen, weist Eichmann barsch zurück. "Zur Klarstellung: Zu dieser Veranstaltung habe ich eingeladen und wer nicht eingeladen wurde, wird auch nicht herein gelassen. Ihren Versuch, das zu unterlaufen, können Sie damit einstellen", heißt es in einer E-Mail Eichmanns an Gruner, die unserer Redaktion vorliegt.
Am Donnerstagabend diskutiert der Friedberger Stadtrat
Gruner setzt seine Hoffnung nun auf den Stadtrat, der sich am Donnerstag (19 Uhr, Großer Saal im Wittelsbacher Schloss) auf Antrag der CSU/FDP-Fraktion mit dem Thema befasst. "Die Entscheidung über die Fortführung der Baumaßnahmen ist definitiv politischer Natur, denn es werden ja zahlreiche Fragen berührt", so Gruner. Das könne, zumindest aus seinem Demokratieverständnis heraus, nicht einfach die Verwaltung an sich reißen.