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10.01.2018

Landwirte bangen wegen Schweinepest um ihre Tiere

Im Stall von Landwirt Josef Gelb aus Steinach leben 1400 Schweine. Auch er fürchtet um seinen Bestand, sollte sich die Afrikanische Schweinepest auch in Deutschland ausbreiten.
Bild: Ulrich Wagner

Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest wächst. Im Landkreis befürchten Züchter einen Ausbruch und bereiten sich auf den Ernstfall vor. Denn ein Gegenmittel gibt es nicht.

Für Menschen ist sie ungefährlich, aber für Schweine endet sie meist tödlich. Die Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter aus, in Polen und Tschechien wütet sie bereits. Auch im Landkreis wächst die Angst vor der Seuche. Denn Impfungen oder Medikamente dagegen gibt es nicht. Ist ein Tier befallen, muss der gesamte Bestand geschlachtet werden.

„Wir verfolgen die Entwicklung sehr aufmerksam und werden vom Umweltministerium ständig auf dem Laufenden gehalten“, sagt Herbert Pfaffenrath, Leiter des Veterinäramtes Aichach-Friedberg. So wurden alle Schweinehalter im Landkreis aufgefordert, dem Amt aktuelle Daten über ihren derzeitigen Bestand zu übermitteln. Betriebe mit Freilandhaltung oder einem Stall mit Auslauf wurden zusätzlich auf Hygienestandards hin überprüft. Laut Statistik des Landwirtschaftsamtes gibt es im Landkreis etwa 80.000 Schweine verteilt auf 286 Betriebe.

Landwirte schützen sich mit Versicherung gegen Schweinepest

Einer davon ist der Hof von Landwirt Josef Gelb in Steinach, auf dem 1400 Schweine leben. „Ich habe extra eine Versicherung abgeschlossen, um mich vor möglichen Verlusten zu schützen“, erklärt Gelb. Die Tierseuchenkasse ersetze im Falle eines Befalls zwar den Wert der Tiere, aber nicht die langfristigen finanziellen Schäden. Außerdem greife sie nicht, wenn sein Hof bei Ausbruch der Krankheit in einem Schutzgebiet liegt. „Dann dürfte ich Wochen oder Monate keine Tiere verkaufen“, so Gelb.

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Die zusätzliche Versicherung kostet den Landwirt 4000 Euro im Jahr und läuft drei Jahre lang. „Das ist nicht billig, aber die Gefahr war mir zu groß“, betont Gelb. Ohne diese Maßnahme würde ein Ausbruch der Seuche seine Existenz bedrohen. Zudem gelte es, die Tiere ständig im Auge zu behalten und noch penibler dafür zu sorgen, dass keine Keime oder fremden Personen in den Stall gelangen. Um dem Problem Herr zu werden, müssten alle Landwirte mitmachen und bei Verdacht sofort das Veterinäramt informieren.

Afrikanische Schweinepest befällt Haus- und Wildschweine

Dem kann sich der Friedberger Landwirt Stephan Körner nur anschließen. Auch er ist in Sorge um seine 480 Schweine. „Die Pest verbreitet sich immer weiter“, so Körner. „Sollte der erste Fall bei uns auftreten, wäre das für alle Halter eine Katastrophe.“ Denn auch wenn die Tierseuche für Menschen ungefährlich ist, würden die Exporte einbrechen und eine Hysterie ausbrechen. Deshalb setzt er alles daran, seinen Stall so sauber wie möglich zu halten und sämtliche Hygienerichtlinien einzuhalten. So dürfe man auf keinen Fall mit Stiefeln aus dem Wald direkt in den Stall gehen. Wie Gelb hat auch Körner eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen, um sich vor finanziellen Schäden zu schützen.

Die Seuche befällt ausschließlich Haus- und Wildschweine. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit dem Blut oder Sekret infizierter Tieren übertragen. So kann sich die Krankheit auch über kontaminierte Kleidung, Transportfahrzeuge oder beim Verfüttern von Speiseabfällen verbreiten. „Die Gemeinden im Landkreis sind angehalten, besonders auf die Sauberkeit entlang der Straßen zu achten“, betont Pfaffenrath vom Veterinäramt Aichach-Friedberg. So gelte es, bei parkenden Lastwagen aus Osteuropa, wo die Krankheit bereits wütet, genau hinzuschauen. Speisereste sollten entsprechend entsorgt werden.

Durch sie wird die Afrikanische Schweinepest verbreitet: Wildschweine. Die bayerische Staatsregierung hat eine Abschussprämie auf die Tiere ausgesetzt.
Bild: Carsten Rehder, dpa (Archiv)

Abschussprämie auf Wildschweine wegen Schweinepest

Auch bei einem toten Wildschwein, das am Straßenrand liegt, ist Vorsicht geboten. „Überfahrene Wildschweine werden derzeit auf die Afrikanische Schweinepest hin untersucht“, betont Pfaffenrath. Bei geschossenem Wild würden sowieso standardmäßig Proben auf verschiedene Krankheiten hin genommen.

Die Mitglieder des Kreisjagdverbandes sind alarmiert. „Wir achten sehr darauf, denn die Seuche ist hochansteckend wie eine Grippe“, sagt der Meringer Jäger Adi Schreier. „Wir dürfen uns nicht einfach zurücklehnen, denn die Krankheit ist bereits vor unseren Toren.“ Um einer Verbreitung der Seuche durch Wildschweine vorzubeugen, hat die bayerische Staatsregierung eine Abschussprämie von 20 Euro pro erlegtem Tier ausgesetzt. „So will man versuchen, der Situation gerecht zu werden“, erklärt Schreier. Allerdings seien Wildschweine nicht leicht zu bejagen.

Halali zur Wildschweinjagd - Große Schäden und Seuchenangst 

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