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Mering

24.07.2020

Wie aus der Krämerei in Mering das bekannte Textilhaus Lechner wurde

1888 wurd das neue Lechner-Geschäft in Mering gebaut.
Bild: Repro Hans Wiesmayer

Plus Über 150 Jahre gab es den „Lechner“. Das Familienunternehmen gehört damit zu den alten Meringer Geschäften.

Einst war es eine Krämerei, dann wurden dort auch Eisenwaren verkauft, und zuletzt bis zu seiner Schließung im Jahr 2003 war „Der Lechner“ ein namhaftes Textilhaus in Mering. Über 150 Jahre war das Geschäft in Familienbesitz und gehört somit zu den Meringer Geschäften und Betrieben, die ins neue Heimatbuch eingehen. Über 700 Seiten dick wird die Ortschronik wohl werden, an der rund 25 Autoren gearbeitet haben.

Pünktlich zum Jubiläum „1000 Jahre Mering“ im kommenden Jahr soll das Sammelwerk erscheinen. Und so arbeitete auch Katharina Axtner auf Hochtouren. Die Autorin aus Unterumbach hatte sich dem Themenbereich der Meringer Geschäftswelt gewidmet und stieß beim Textilhaus Lechner auf einen über Generationen geführten Familienbetrieb.

Zeitungsannonce zum 155. Bestehen des Textilhauses.
Bild: Repro Hans Wiesmayer

Neben vielerlei historischen Aufzeichnungen kam der Autorin die Tatsache zugute, dass der Heimatverein 2007 eine vielfach beachtete Ausstellung über alte Meringer Geschäfte und Betriebe auf die Beine stellte. Informationen über das Traditionshaus in der Herzog-Wilhelm-Straße gegenüber der St.-MichaelKirche lieferte auch Hans Wiesmayer, der Sohn der letzten Besitzerin Brunhilde Wiesmayer.

Meringer Ortschronik: Beiträge sprengen oft den Rahmen

Viele interessante Details wurden zusammengetragen, die im Detail gar nicht ins Heimatbuch Einzug halten können. Allgemein ist dies ein Problem, mit dem Historiker Stefan Breit zu kämpfen hatte. Die Umfänge der Artikel, die er als Verantwortlicher prüfen und zusammenführen musste, sprengen durch die Bank den vorgegebenen Rahmen. Jeder Autor, der sich in sein Thema einarbeitet, stößt auf viele Schätze aus der Geschichte.

Beim Textilhaus Lechner beginnt diese im Juni 1847, als der Händler Joseph Lechner aus Hofhegnenberg und seine Frau Elisabeth das Huckergütl zu Mering erwarb. Für 6600 Gulden wechselte die Krämerei in der Herzog-Wilhelm-Straße 12 mit verschiedenen Äckern und Gemeinderechten den Besitzer. Mit dem Kaufpreis miterworben wurden die sogenannten Huckerrechte, die einen Verkauf aus einer Kraxe heraus bei der Kundschaft auf dem Land beinhaltete.

Die Krämerei hatte zu dieser Zeit bereits seit 30 Jahren bestanden, und im Detail wurde die Übergabe der Alltagswaren aus dem Lager notiert. Dort gab es Tabak und Zündhölzer, Kerzen, Kekse, Kreide und Kandiszucker, Gerste, Reis, Kurkuma, Nelken, Piment, Süßholzsaft, Blausalz und Grünspan, Haarnadeln, Papier, Bleistifte und Federkiel, Schuhwichse, Lebkuchen, Zwirn und Schnüre, Bändel und Spitzen, Seidenzeug und Borten, Steifleinen, Flanell sowie Petroleum und Branntwein. Für Letzteres mussten noch einmal 64 Gulden und 70 Kreuzer bezahlt werden.

Joseph Lechner vergrößert das Geschäft in Mering

Das Geschäft ließ sich gut an, und Josef Lechner konnte im Laufe der Jahre den Besitz durch Zukäufe von Grundstücken und Äcker weiter vergrößern. 1861 schließlich erwarb Joseph Lechner noch die Konzession für Eisenwaren und führte das Geschäft 13 Jahre weiter. Mit viel Fleiß und Tüchtigkeit konnte auch dessen Sohn Johann Lechner das Geschäft weiter vergrößern und 1888 mit seiner Familie in das neu gebaute Wohn- und Geschäftshaus auf die andere Straßenseite ziehen.

Johann Lechner erhielt für seine Tapferkeit im Krieg gegen Frankreich 1870-71 den Militärverdienstorden mit der Unterschrift von König Ludwig II.
Bild: Repro Hans Wiesmayer

Aufgrund eines Kriegsleidens starb er bereits 1892, und seine Frau Kreszentia führte das Geschäft weiter über die Jahrhundertwende hinweg und durch den Ersten Weltkrieg. Im Oktober 1917 übernahm der Sohn Hans Lechner mit seiner Frau Maria den Betrieb. Hans Lechner war eine beliebte und bekannte Persönlichkeit in der Meringer Gesellschaft. Er engagierte sich im Gemeinderat, war Schützenkönig und ein tüchtiger Geschäftsmann. Das Familienglück wurde mit der Geburt der beiden Töchter Brunhilde 1919 und Elisabeth 1920 perfekt.

Textilhaus Lechner schließt 2003 nach 156 Jahren

Damit die familiären, gesellschaftlichen und geschäftlichen Verpflichtungen erledigt werden konnten, wurden neben den Verkäuferinnen auch eine Küchenhilfe und ein Kindermädchen beschäftigt. Die Töchter besuchten das Internat der englischen Schwestern, heute Maria Ward. Brunhilde wurde nach der Schulzeit ins Geschäft übernommen und führte den elterlichen Betrieb 44 Jahre lang weiter. Sie war bis zur Schließung des Textilhauses nach 156 Jahren 2003 die letzte Besitzerin.

Ihre Schwester Elisabeth hatte andere Pläne. Ihr wurde es in Mering zu eng, doch längst lebt sie wieder in ihrer Heimat. Ende dieses Jahres kann die verehelichte Elisabeth „Else“ Börngen ihren 100. Geburtstag feiern. „Ich habe hier noch ein Kassabuch von 1888 in meinem Besitz mit Kolonnenbuchführung in Schreibschrift“, erzählt die 99-Jährige, die letzte Lechner. „Aus dem geht hervor, dass auch die Gemeinde Mering in unserem Geschäft hat anschreiben lassen.“

Lesen Sie auch die weiteren Folgen unsere Serie zur Meringer Ortschronik:

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