Friedberg: Friedberg geht jetzt gegen wildes Campen am See vor
Friedberg
Friedberg geht jetzt gegen wildes Campen am See vor
Im nächsten Sommer wird am Friedberger See versuchsweise ein Teil der Parkwiese für Wohnmobile reserviert. Allerdings gibt es klare Regeln zu Standzeit und Gebühren.
Mit solchen Schildern schafft die Stadt Friedberg Rechtssicherheit, um wild parkenden Wohnmobilfahrern am See einen Strafzettel geben zu können.Foto: Ute Krogull
Am Friedberger See entwickelt sich schleichend ein Campingplatz. Durch Mundpropaganda und in Internetforen machen dort immer häufiger Wohnmobile Station - mit vielen negativen Folgen, wie die Stadtratsfraktion der SPD kritisiert. Auf ihren Antrag hin soll das wilde Campen unterbunden und im nächsten Sommer ein kostenpflichtiger Interims-Stellplatz nördlich der großen Parkwiese geschaffen werden. Kurzfristig werden die Beschilderung ergänzt, das Parken entlang der Zufahrtswege mit Steine oder Hölzer unterbunden und die Kontrollen durch die Verkehrsüberwachung verstärkt.
Erhöhte Brandgefahr durch Wohnmobile am Friedberger See?
"Gegen die augenblickliche Situation müssen wir etwas tun", betonte Markus Rietzler (SPD), der als Vorsitzender der Friedberger Feuerwehr auch auf die erhöhte Brandgefahr durch offenes Feuer oder Grillen hinwies. Auch von den Friedbergerinnen und Friedbergern selbst gab es in letzter Zeit häufig Klagen über die Zustände am See und die Untätigkeit der Stadt.
Der Friedberger See entwickelt sich zunehmend zu einem wilden Campingplatz. Das will die Stadt jetzt unterbinden. Foto: Michael Eichhammer (Archivbild)
Offiziell gibt es fünf Wohnmobilstellplätze im Norden des Sees, die an vielen Tagen belegt sind. Tatsächlich wurden in der Spitze aber 64 Wohnmobile auf einmal auf der Parkwiese östlich des Sees gezählt. Oft sind sie so abgestellt, dass möglichst viel Freifläche um die Fahrzeuge entsteht - teilweise sogar als regelrechte Wagenburgen, weil sich die Wohnmobilfahrer in den sozialen Medien verabreden.
Dadurch fehlen Parkplätze für die normalen Badegäste, die ihre Fahrzeuge dann entlang der Zufahrtsstraßen abstellen und damit Rettungswege blockieren. 40 Strafzettel hagelte es deswegen kürzlich an einem Sonntag. Zudem hat auch das Müllaufkommen auf den Liegewiesen extrem zugenommen, weil die Camper dort ihren Abfall entsorgen.
Interimsplatz für 30 Wohnmobile am Friedberger See
Kurzfristig hat die Stadt die Beschilderung am See bereits so ergänzt, dass dort nur noch Pkw parken dürfen. Dadurch hat die Verkehrsüberwachung eine Handhabe, um gegen die wild abgestellten Wohnmobile vorzugehen. Als mittelfristige Lösung soll bis zum nächsten Sommer ein Interimsplatz für bis zu 30 Fahrzeuge östlich der Seestraße geschaffen werden. Dort dürfen die Camper maximal zwei Nächte bleiben und müssen pro Tag 20 Euro bezahlen. Allerdings gibt es dort weder Wasser- noch Stromanschlüsse und auch keine Entsorgungsmöglichkeit für das Abwasser. Die Kontrolle des Areals übernimmt der Pächter des Kiosks, der auch kassiert und Belege ausstellt. Eine Höhenbegrenzung soll verhindern, dass die Wohnmobile auf die verbleibende Fläche der Parkwiese fahren.
Die Stadt erhofft sich von diesem Versuch Aufschlüsse, ob es dauerhaft einen Bedarf an Wohnmobilstellplätzen in Friedberg gibt. Ist dies der Fall, könnte am See oder an einem anderen geeigneten Standort eine Anlage mit der erforderlichen Infrastruktur geschaffen werden. Die Verwaltung empfiehlt, dass die Stadt den Platz baut und dann einen externen Betreiber sucht, um kein eigenes Personal dafür zu binden. Die Kosten werden auf rund 5000 Euro pro Stellplatz geschätzt, zudem ist eine Baugenehmigung nötig.
Die Anwohner des Parkplatzes an der Gerberwiese sind durch die hohe Zahl von Wohnmobilen belastet. Foto: Ute Krogull (Archivbild)
Kritik an dem Interims-Stellplatz kam von der CSU. Ohne die Infrastruktur generiere man nur neue Probleme, sagte Thomas Kleist: "Man müsste gleich eine campingplatzähnliche Anlage einrichten." Petra Gerber warnte davor, dass noch mehr Wohnmobilfahrer ihr Abwasser dann beim Parkplatz an der Gerberwiese entsorgen. Dort fühlten sich die Anwohner bereits jetzt belastet. Für Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) steht der Erschließung eines interessanten touristischen Potenzials die Tatsache gegenüber, dass der Badesee auch so mit ausreichender Nachfrage versehen ist. In der Abwägung stimmte er am Ende gemeinsam mit der CSU gegen den Interimsplatz, unterlag aber den Befürwortern aus den übrigen Fraktionen.