Friedberg: Mehrweg: Bekommt die Stadt einen „Friedberg-Becher“?
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Mehrweg: Bekommt die Stadt einen „Friedberg-Becher“?
Das Mehrwegbechersystem am Familienfasching hat sich bewährt. Deshalb soll es nun ein Konzept geben, um die Idee auch bei anderen Veranstaltungen umzusetzen.
Die Stadt Friedberg unternimmt einen neuen Vorstoß, um ein stadtweites Mehrwegbechersystem einzuführen.Foto: Mohssen Assanimoghaddam, dpa (Symbolbild)
Vor inzwischen sieben Jahren hat sich der damalige Stadtrat noch dagegen entschieden, ein Mehrwegbechersystem in Friedberg von städtischer Seite her einzuführen. In einem Antrag zum Haushalt 20218 forderte die Grünen-Stadtratsfraktion die Anschaffung von 1500 Mehrwegbechern. Damals wollte man jedoch den damit verbundenen Aufwand vermeiden. Inzwischen hat sich die Situation geändert: Der Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz der Stadt hat sich nun einstimmig dafür ausgesprochen, ein Konzept für die Einführung eines „Friedberg-Bechers“ für die Gastronomie und größere Veranstaltungen wie das Altstadtfest zu erarbeiten. Der Stimmungswechsel kommt auch daher, weil ein Testlauf beim Familienfasching wohl als voller Erfolg bezeichnet werden kann.
15.000 Einwegbecher wurden am Friedberger Familienfasching eingespart
Beim Faschingsumzug und den daran anschließenden Feierlichkeiten in der Innenstadt wurden laut Stephanie Posch, städtische Klimaschutzbeauftragte, insgesamt rund 15.000 Einwegbecher eingespart. So viele hatte die Stadt besorgt und im Vorfeld an insgesamt sieben Gastronomen rund um die Ludwigstraße ausgegeben. „Die waren ganz schnell im Boot“, sagt Posch und dankte in diesem Zusammenhang Sebastian Pfundmeir (SPD), der sich für den Testlauf eingesetzt und die Gastronomen dafür begeistert hat. Über den Dienstleister „Cup Concept“ wurden die Becher bestellt. Die Betriebe konnten selbst festlegen, wie viele sie haben wollen. Pro Becher wurde ein Betrag von zehn Cent fällig. Die Endabrechnung beglich die Stadt selbst.
Sieben Gastronomen im Bereich der Ludwigstraße machten bei dem Test der Stadt mit und gaben die gleichen Mehrwegpfandbecher am Familenfasching aus.Foto: Peter Fastl (Archivbild)
„Für die Gastronomen war es schon ein Rundum-Sorglos-Paket“, erklärte Posch im Umweltausschuss. Eine informelle Umfrage bei den Gästen am Faschingsdienstag ergab, dass das System gut ankam. „Eigentlich fanden es alle durchweg super.“ Ihre Erkenntnis lautete deshalb: „Das einheitliche System ist ein großer Vorteil.“ Becher, die in einer Bar mitgenommen werden, können an anderer Stelle abgegeben werden. Am Faschingsdienstag hat das zu deutlich weniger Müll geführt als sonst: „In der Vergangenheit hatten die Gastronomen teilweise zig Säcke voll mit Einwegbechern“, sagte Bürgermeister Roland Eichmann (SPD). „In diesem Jahr gab es eigentlich keinen Müll.“
Dabei gab es bereits seit 2018 faktisch das Verbot von Einweggeschirr auf Veranstaltungen. „Ich habe mich immer maßlos darüber geärgert, dass das nie einen Gastronomen interessiert hat“, sagte Claudia Eser-Schuberth (Grüne). Früher habe es noch geheißen, dass ein Mehrwegbechersystem nicht umsetzbar sei. „Seitdem sind aber ja viele Jahre vergangen.“ Den erneuten Vorstoß für ein solches umweltfreundliches Angebot begrüße sie.
Mehrwegbecher für Friedberg: Umweltausschuss ist offen für das Pfandsystem
Auch die anderen Ausschussmitglieder zeigten sich offen für die Idee. „Es ist wirklich zu empfehlen, dass man den alten Stadtratsbeschluss aufhebt und das jetzt umsetzt“, sagte Florian Fleig (CSU). Simone Hörmann von und zu Guttenberg (SPD) wiederum sah in dem geplanten Konzept einen „Weg in die richtige Richtung“. Sie richtete außerdem von Pfundmeir ein Dankeschön an Stephanie Posch aus: „Ihnen ist gelungen, was sechs Jahre nicht passiert ist, innerhalb von sechs Wochen zumindest als Versuchsballon zu testen.“ Nur bei der Frage, ob es unbedingt ein eigener „Friedberg-Becher“ sein muss, waren sich die Ausschussmitglieder nicht sicher. Eser-Schuberth regte etwa an, ob man nicht auf ein bestehendes Bechersystem, wie Recup, zurückgreifen könne. Auch offene Fragen bezüglich Lagerung und Ausgabe sprach sie an.
Das Verbot von Einweggeschirr bei Veranstaltungen gab es faktisch in Friedberg bereits seit 2018. Nicht jeder Gastronom hielt sich allerdings daran.Foto: Jasmin Sessler, Pixabay (Symbolbild)
Von einem eigenen Becher mit Logo und etwaigen Sponsoren erhofft sich die Stadt zwei Dinge: einen Marketingeffekt und eine Refinanzierung. „Die Vorteile eines Friedberg-Bechers besteht darin, dass er durch das einzigartige Design einen hohen Wiedererkennungswert bekommt, dadurch ein Pfandsystem ohne Ausgabe einer Pfandmarke möglich macht und die Identifikation mit der Stadt Friedberg als aktive, nachhaltig agierende Kommune stärken kann.“ Wie hoch die Kosten für die Kommune sein werden, lässt sich derzeit noch nicht beziffern.
Die Mehrwegbecher sollen auf Veranstaltungen wie dem Altstadtfest, der Fête de la Musique oder eben am Fasching verwendet werden. Aber auch Vereine sollen mit bedacht werden und die Becher möglicherweise für eigene Feste ausleihen können. Das Konzept soll – vorausgesetzt der Stadtrat beschließt es in seiner nächsten Sitzung so – bis Mitte April vorliegen.
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