Newsticker
Koalitionsverhandlungen von SPD, FDP und Grünen sollen Donnerstagnachmittag starten
  1. Startseite
  2. Geld & Leben
  3. Kohlenmonoxid: Rauchmelder schützen nicht vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen

Kohlenmonoxid
08.03.2020

Rauchmelder schützen nicht vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen

Sieht zwar fast so aus wie ein Rauchmelder, misst aber etwas völlig anderes: Ein Kohlenmonoxid-Melder kann Leben retten.
Foto: maho, Adobe Stock

Kohlenmonoxid ist unsichtbar, geruchslos – und tödlich. Experten empfehlen darum schon lange den Einbau von CO-Meldern in Wohnräumen. Worauf sie achten sollten.

Kohlenmonoxid ist eine unterschätzte Gefahr. Besonders in der jetzt laufenden Heizperiode sind die Risiken groß. Typische Gefahrenherde: Mängel an Heizungsanlagen oder Gasthermen und verstopfte Schornsteine. Kohlenmonoxid (CO) ist geruchlos und unsichtbar. Das macht es so gefährlich – und darum raten Experten zur Installation eines Kohlenmonoxid-Melders. Irrigerweise glaubt aber mehr als jeder Dritte, das Gas könne am Geruch, an dunklem Rauch oder am Warnsignal des Rauchmelders erkannt werden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter mehr als 1000 Personen. Richtig ist: Ein Rauchmelder schlägt auf Kohlenmonoxid nicht an.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), von der die repräsentative Umfrage stammt, fehlen in der Bevölkerung „Kenntnisse über die Eigenschaften des Gases und über konkrete Schutz- und Präventionsmöglichkeiten“. So schätzt nicht einmal die Hälfte der Befragten das Risiko einer CO-Vergiftung als hoch ein – obwohl jährlich rund 3900 Bundesbürger deswegen stationär behandelt werden, wie aus einer Statistik des Deutschen Ärzteblattes hervorgeht. Auch wenn sie nicht daran sterben, leiden viele Betroffene an Spätfolgen wie Angst- und Bewegungsstörungen.

Wer Kohlenmonoxid einatmet, bemerkt das nicht

CO entsteht bei der unvollständigen Verbrennung kohlenstoffhaltiger Brennstoffe. Daher treten vor allem in der kalten Jahreszeit vermehrt CO-Vergiftungen auf, wenn das Gift aufgrund einer Störung in die Wohnung dringt. Das Tückische daran: Wer CO einatmet, bemerkt das nicht, weil es weder zu Husten reizt noch Atemnot erzeugt. „Die meisten Menschen kennen nicht einmal die Quellen des gefährlichen Atemgiftes. Dabei können bereits technische Defekte oder verstopfte Abluftrohre von Gasthermen, Ölheizungen oder Kaminöfen Auslöser für CO-Vergiftungen sein“, warnt Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).

Eine regelmäßige Inspektion der Feuerstätten und Abgaswege ist daher unumgänglich – ohne aber absolute Sicherheit zu bringen. „Blockierte Schornsteine, beispielsweise durch Vogelnester oder abgelöste Dachpappe, unsachgemäß genutzte Kamine oder verklebte Zuluftschlitze liegen außerhalb unserer Kontrolle“, erläutert Alexis Gula vom Zentralen Innungsverband des Schornsteinfeger-Handwerks.

Der Rat der Experten: Jeder Haushalt sollte in Aufenthalts- und Schlafräumen, mindestens aber in Räumen mit brennstoffbetriebenen Geräten, CO-Melder installieren. Diese Melder „überwachen die CO-Konzentration der Umgebungsluft und erkennen bereits geringe Mengen des Atemgiftes“, erläutert die von Feuerwehrverband, Schornsteinfegern und Rettungsdiensten unterstützte Initiative „CO macht K.O.“. Erste Anzeichen einer CO-Vergiftung sind der Initiative zufolge Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit – die aber häufig falsch gedeutet würden.

CO-Konzentration in Lagerräumen von Pellets "extrem hoch"

Schlägt der CO-Melder an oder besteht Verdacht auf eine CO-Vergiftung, empfiehlt DFV-Präsident Ziebs, das Haus schnell zu verlassen und die Feuerwehr zu alarmieren. Besonders sorgsam sein sollten Haushalte, die mit Holzpellets heizen. Bei der Pellets-Herstellung laufen chemische Prozesse ab, die CO entstehen lassen. Noch Monate danach können die Pellets das Gas freisetzen – mit der Folge, dass die CO-Konzentration in Lagerräumen „extrem hoch“ sein kann und auch Personen in Nachbarräumen gefährdet, weil CO durch Decken, Wände und Böden geht, warnt die Initiative.

Holzpellet-Lager sollten deshalb stets gut gelüftet und baulich von der Wohnung getrennt werden. „Auch Betonwände und gemauerte Steinwände stellen kein Hindernis für das tödliche Gift dar“, erläutern die Fachleute. Speziell Menschen, die ein Niedrigenergie-Gebäude bewohnen oder neue Fenster einbauen ließen, rät die Initiative zur Überprüfung der Abluftsituation in der Küche. „Allergrößte Vorsicht“ sei angebracht bei gleichzeitiger Nutzung einer Ablufthaube und einer Gastherme oder anderen brennstoffbetriebenen Geräten, die ihre Verbrennungsluft aus dem gleichen Raum beziehen. Die Empfehlung: Auf Umlufthaube umstellen oder – bei Gebrauch einer Ablufthaube – eine automatische Fensteröffnung installieren, um so für ausreichend Sauerstoff zu sorgen.

Wichtig ebenfalls: auf keinen Fall Holzkohlegrills oder Heizpilze in geschlossenen Räumen anmachen. Und nicht zu vergessen ist: Auch beim Verbrennen der Kohle in Wasserpfeifen entsteht CO, weshalb es bereits zu Vergiftungen in Shisha-Bars kam.

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.