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Mobilität
04.05.2021

Auto-Abos mischen den Markt auf: Wie sie funktionieren

Neben Kauf und Leasing sind Neuwagen heute auch als Auto-Abo zu haben. Es gibt Vor- und Nachteile.
Foto: Jens Büttner, dpa

Die Angebote bekommen in einer Studie von Ferdinand Dudenhöffer gute Noten. Sie seien teilweise günstiger, als ein Auto zu kaufen oder zu leasen. Wo die Vor- und Nachteile dieses neuen Modells liegen.

Wer ein Auto fahren will, der hat es üblicherweise gekauft oder geleast. Seit zwei bis drei Jahren kommt ein neues Modell dazu: das Auto-Abo. Gegen einen monatlichen Fixpreis kann dann das Fahrzeug gefahren werden, die Kosten für Steuer, Versicherung, TÜV, Wartung und Werkstatt sind im Preis enthalten. Die Bedeutung der Auto-Abos nimmt zu. Im April dieses Jahres stieg die Anzahl der Angebote um 36 auf 416. Das berichtet das CAR-Center Automotive Research in einer Studie von Ferdinand Dudenhöffer und Alfred Paul. Die Angebote seien dabei häufig recht kostengünstig. Wie aber funktioniert das Modell genau?

Auto-Abos: Die 19 besten Angebote liegen zwischen 279 und 769 Euro im Monat

„Das Positive an Auto-Abos ist, dass der Fahrer immer ein neues Auto bekommt und die Kosten für Steuer, Versicherung oder die Werkstatt bereits abgedeckt sind“, erklärt Auto-Experte Dudenhöffer. Dafür zahlt der Kunde einen Festpreis. Dieser liegt bei den 19 besten Angeboten am Markt der CAR-Studie zufolge zwischen 279 Euro (für einen Renault Captur) und 769 Euro (für einen Mercedes E-Klasse T-Modell, AMG).

Das Auto-Abo ist die neueste Entwicklung hin zu einer Reihe an Finanzierungsmodellen. Hat man anfangs ein Auto komplett bezahlt, sind die Händler später dazu übergegangen, Finanzierungen anzubieten, also Ratenzahlungen, erklärt Dudenhöffer. Später kam das Leasing auf. Bei Privatkunden hätte sich das Leasing aber nicht richtig durchgesetzt, da das Risiko eines geringeren Restwerts oft dem Kunden übertragen wurde. Es kam zu Nachzahlungen. Als Antwort darauf ist die Drei-Wege-Finanzierung entstanden. Die Kunden können hier am Ende der Laufzeit den Wagen entweder kaufen, zurückgeben oder weiter finanzieren. Dieses Modell sei hervorragend angekommen. „Das Auto-Abo ist eine Fortentwicklung – erweitert um Leistungen wie Steuer, Versicherung oder Werkstattkosten“, sagt Dudenhöffer. Für das Rundum-Paket des Auto-Abos zahlen die Kunden einen festen Monatspreis, die Laufzeit, so der Experte, betrage meist sechs Monate bis ein Jahr.

Ferdinand Dudenhöffer: "Ein gesellschaftlicher Trend"

Der Vorteil des Auto-Abos: Es ist sehr bequem. „Von der Startgebühr abgesehen muss der Abonnent des Autos weder eine größere Summe investieren noch einen Wertverlust hinnehmen“, berichtet eine ADAC-Sprecherin. „Während der Laufzeit entstehen außer der monatlichen Flatrate nur die Kosten für Kraftstoff oder Strom und für die Autowäsche.“ Dem Fahrer werden viele Risiken abgenommen, sagt Dudenhöffer, zum Beispiel die üblichen hohen Versicherungsprämien für junge Fahrer. Durch den Fixpreis könne man gut kalkulieren. Die Abos ließen sich digital abschließen, berichtet der ADAC. In der Wartung sei der Wechsel von Sommer- und Winterreifen enthalten.

Das Auto-Abo scheint in den Zeitgeist zu passen: „Es ist ein gesellschaftlicher Trend, dass nicht das Eigentum im Mittelpunkt steht, sondern die Nutzung, jüngere Kunden wollen ein funktionsfähiges Fahrzeug, das vor der Türe steht, sie müssen es aber nicht unbedingt besitzen“, sagt Dudenhöffer. „Junge Leute sind zudem mit Abo-Modellen sozialisiert“, beispielsweise durch die Smartphone-Nutzung. Der ADAC spricht von einer „Flat-rate für individuelle Mobilität“.

Das CAR-Institut schätzt, dass es in Deutschland vergangenes Jahr rund 40.000 Auto-Abonnenten gab. Genaue Zahlen seien schwer zu ermitteln. „Nach Einschätzung des ADAC hat das Auto-Abo aufgrund von Corona eine deutliche Beschleunigung erfahren“, sagt eine Sprecherin unserer Redaktion. „Auch perspektivisch besteht aber durchaus Bedarf an Flexibilität und Kurzfristigkeit aufseiten der Verbraucher, sodass sich die Abo-Zahlen voraussichtlich weiter positiv entwickeln dürften.“

Ferdinand Dudenhöffer, Experte für die Autobranche.
Foto: Nicolas Blandin, dpa

Angebote für Auto-Abos finden sich teilweise bei den Herstellern selbst, beispielsweise sei dies bei Volvo der Fall, berichtet Dudenhöffer. Ansonsten kommen neue Plattformen ins Spiel, zum Beispiel Like2Drive oder Cluno. Für die 19 besten Angebote am Markt stellen Ferdinand Dudenhöffer und Alfred Paul fest, dass „der Preis inklusive Unterhaltskosten günstiger ist als bei Kauf oder Leasing“. Die Monatsraten der Auto-Abos bewegen sich hier zwischen 1,1 Prozent und 1,4 Prozent des Neuwagenpreises. „In Auto-Abos ist große Bewegung. Wir denken, dass die Zahl der Abos bis zum Jahr 2030 auf 500.000 bis eine Million in Deutschland steigen wird“, sagt Dudenhöffer.

ADAC nennt Nachteile: meist Startgebühren, keine individuelle Konfiguration der Fahrzeuge

Zum Bild gehören aber auch Nachteile, auf die der ADAC hinweist: Bei manchen Unternehmen gebe es ein Auto-Abo erst ab einem Mindestalter. „Ausgerechnet bei einem Anbieter, der seine Kunden duzt, müssen diese bei Vertragsabschluss mindestens 23 Jahre alt sein“, hat der ADAC herausgefunden. Bei anderen liege wiederum das Höchstalter bei nur 55 Jahren.

Bevor es losgeht, müssen die Kunden bei den meisten Anbietern außerdem eine Startgebühr bezahlen. Bei dem Anbieter Cluno aus München beträgt sie zum Beispiel 299 Euro. Die Autos können meist auch nicht konfiguriert und auf die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden. „Bei einem verlockend günstigen Angebot kann die Zahl der enthaltenen Kilometer niedrig und bei der Versicherung die Selbstbeteiligung hoch sein“, warnt der Autoclub schließlich.

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