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Test
12.01.2021

So gut fangen Luftfilter Aerosole ein

Wie gut sind mobile Luftfilter? Sie sind zwar schon länger auf dem Markt, wurden aber jetzt einer Corona-Nachprüfung unterzogen.
Foto: stock.adobe.com

Luftfilter können Aerosole aus der Luft entfernen, zeigt ein aktueller Test der Stiftung Warentest. Das kann das Corona-Ansteckungsrisiko mindern, befreit aber nicht von der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.

Mittlerweile wissen wir es alle: Das Coronavirus überträgt sich durch winzig kleine Aerosole, die beim Atmen oder Sprechen verbreitet werden. „Der gefährlichste Infektionsweg des Sars-CoV-2-Virus geht über die Luft“, betont Joachim Curtius, Professor für Experimentelle Atmosphärenforschung an der Universität Frankfurt. „Studien zeigen, dass infektiöse Sars-CoV-2-Viren in Aerosolen auch mehr als drei Stunden nach der Emission noch nachgewiesen werden können und dies mehrere Meter weit entfernt von ihrer Ursprungsquelle.“

Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, tragen wir Maske, halten Abstand und lüften viel frequentierte Räume regelmäßig. Doch Letzteres durchzuhalten fällt schwer bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt. Abhilfe schaffen können mobile Luftfilter – versprechen zumindest die Hersteller. Die Stiftung Warentest hat überprüft, ob das stimmt und die drei Luftfilter-Testsieger aus einem Test von Anfang vergangenen Jahres einem Corona-Nachtest unterzogen. Die Ergebnisse im Überblick.

Welche Luftreiniger filtern Aerosole am effektivsten?

Getestet wurden der Philips AC2889/10, der Rowenta Intense Pure Air Connect PU6080 sowie der Soehnle Airfresh Clean Connect 500, die alle zwischen 250 und 350 Euro kosten. Die gute Nachricht: Alle drei Luftfilter reinigen die Luft gut von Aerosolen – zumindest im Neuzustand. Dann sind umgerechnet auf einen Raum mit 16 Quadratmetern Fläche und 40 Kubikmetern Raumvolumen nach 20-minütiger Laufzeit die meisten virengroßen Tröpfchen aus der Luft gefiltert, so das Ergebnis der Stiftung Warentest. Bei Philips und Rowenta liegen die Werte bei 95 Prozent, beim Soehnle-Gerät bei 90 Prozent. Wer Viren und Aerosolpartikel aus der Raumluft filtern will, sollte die Luftreiniger grundsätzlich nicht auf der Automatikstufe laufen lassen, weil die Sensoren in den Geräten Aerosol-Partikel nicht erkennen und die Automatik dann unter Umständen einfach runterschaltet. Sicherer ist es, die Geräte durchgängig auf höchster Stufe laufen zu lassen.

 

Wie sind die Systeme aufgebaut?

Mobile Luftfilter verfügen meist über ein dreistufiges Filtersystem: Unter dem Gehäuse fängt ein Vorfilter zunächst grobe Fusseln ab. Dann erwischt ein Filter aus feinen Fasern Feinstaub, Pollen und größere Tröpfchen in der Luft - Feinstaub ist teils kleiner als ein millionstel Meter, Pollen sind bis zu einem zehntausendstel Meter dick, etwa wie ein Haar. Dann folgt ein dritter Filter aus Aktivkohle, der Gerüche und gasförmige Verbindungen wie Atem-Aerosole oder auch Lösungsmittel bindet. Professionelle Filteranlagen verfügen zudem noch über sogenannte Hepa-Filter, die je nach Filterklasse bis zu 99,995 Prozent aller Schwebteilchen aus der Luft entfernen. Solche Reinigungsraten lassen sich aber mit herkömmlichen Luftreinigern für den Hausgebrauch, wie sie die Stiftung Warentest untersucht hat, nicht erzielen.

Wie häufig müssen die Filter gewechselt werden?

Die Gebrauchsanleitungen variieren bei den empfohlenen Wechselintervallen der Filter: Mal wird ein Wechsel nach sechs Monaten empfohlen, mal nach 4320 Stunden, was bei einem täglichen Betrieb von acht Stunden einem Zeitraum von etwa 18 Monaten entspricht. Werden die Anlagen aber primär dazu genutzt, Aerosole aus der Luft zu filtern, rät die Stiftung Warentest zu häufigeren Wechselintervallen. Denn mit fortschreitender Benutzung lässt die Filterleistung der Geräte und damit deren Schutzwirkung teils deutlich nach: Im Test der Stiftung Warentest, in dem der Alterungsprozess dadurch simuliert wurde, dass jedes Filtergerät den Rauch von 100 Zigaretten aufnahm, filterte das Soehnle-Gerät nur noch 46 Prozent der Aerosol-Partikel aus der Luft. Beim Rowenta-Luftfilter waren es immerhin noch 80 Prozent, beim Philips-Gerät sogar noch 90 Prozent.

Wie hoch sind die laufenden Kosten?

Kosten fallen beim Einsatz von mobilen Luftfiltern für Strom sowie den regelmäßigen Austausch der Filter an. Bei acht Stunden Betrieb täglich auf der höchsten Stufe kann man laut Angaben der Stiftung Warentest bei Einsatz eines Luftfilters mit zusätzlichen Stromkosten von rund 50 Euro im Jahr rechnen. Bei den Filtern unterscheiden sich die Preise je nach Hersteller deutlich: Sie reichen von 39 bis zu 140 Euro für ein Filterset aus Aktivkohle- und Partikelfilter.

Kann man beim Einsatz von Luftfiltern auf Lüften und Hygieneregeln verzichten?

So gut die Geräte auch filtern – es bleibt immer ein Restrisiko. Und dieses steigt mit der Raumgröße und der Anzahl der anwesenden Personen, denn wenn ein Infizierter atmet, spricht oder gar hustet, liefert er immer neue Viren nach. Die mobilen Geräte würden keinen Ersatz für konsequente Lüftungsmaßnahmen darstellen, heißt es beim Umweltbundesamt. Sie könnten das Lüften jedoch als unterstützende Maßnahme ergänzen. Abstand halten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sind demzufolge ebenfalls weiterhin notwendig.

Sind Luftfilter eine Lösung für Schulen?
Foto: Caroline Seidel, dpa

Können handelsübliche Luftfilter auch in Klassenzimmern genutzt werden?

Schon in größeren Räumen wie einem Wohnzimmer, in dem sich bei einem geselligen Abend mehrere Personen aufhalten, stoßen die getesteten Luftfilter für den Hausgebrauch an ihre Grenzen. Noch schwieriger sieht es bei einem 50 Quadratmeter großen Klassenzimmer mit knapp 30 Schülern aus: Dazu wären diese Luftreiniger zu klein. Und auch Luftfilteranlagen mit größerer Kapazität seien in Schulen nur als flankierende Maßnahme sinnvoll, heißt es beim Umweltbundesamt. „Klassenräume müssen in den Pausen in jedem Fall konsequent über weit geöffnete Fenster am besten im Durchzug gelüftet werden.“

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