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10.08.2019

Oldtimer war gestern: Jetzt kommen die „Everytimer“

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Dem klassischen BMW 02 wie aus dem Gesicht geschnitten: das Everytimer Cabrio, entwickelt in Welden bei Augsburg. Für Preise ab 80.000 Euro ist der Klassiker zu haben.
Bild: Thomas Geiger, dpa

Alte Autos faszinieren viele, aber nicht jeder will sich mit ihren Macken herumschlagen. Warum also die Klassiker nicht einfach neu aufsetzen? Spannende Ideen dazu gibt es auch in unserer Region

Sie mögen Käfer, Bulli oder andere Klassiker? Aber selber schrauben und ölverschmierte Hände sind nicht so Ihr Ding? Und zuverlässig soll der Oldie auch noch sein? Dann dürfte Sie die Geschichte von Michael Käs interessieren.

Der junge Automechaniker aus Welden bei Augsburg ist in einem Betrieb aufgewachsen, der sich Wartung und Pflege von BMW-Oldtimern verschrieben hat. Und vom BMW 2002 schwärmt er schon seit Kindertagen. Doch obwohl oder vielleicht gerade weil Käs vom Fach ist, will er von einem Oldtimer trotzdem nichts wissen.

Zu anfällig die Technik und zu abgespeckt die Ausstattung, als dass ihm ein bald 50 Jahre alter BMW für den Alltag taugen würde. Deshalb hat er kurzerhand einen 02er mit moderner Technik nachgebaut und dafür über ein vergleichsweise aktuelles 2er Cabrio aus den Jahren vor 2013 eine neue Karosserie gestülpt.

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„Die ist inspiriert von den klassischen Formen von einst, aber komplett aus Carbon gefertigt“, sagt Käs. Er nennt das Ergebnis Everytimer, weil es das beste aus beiden Epochen vereine. „Es bietet moderne und zuverlässige Technik, ist komfortabel und sicher und hat trotzdem den Charakter eines Klassikers.“ Weil sich während der Arbeit an dem Projekt immer mehr Menschen dafür interessiert haben, will er den Nachbau jetzt in Kleinserie produzieren.

Der Spaß kostet ab etwa 80.000 Euro

Für Preise ab 70.000 Euro plus 10.000 bis 20.000 Euro für das Basisfahrzeug und drei Monate Geduld für den Umbau gibt es den Everytimer künftig zu kaufen, sagt Käs. Er will es dabei nicht belassen: Auf Basis des neuen Z4 will er dem legendären BMW 507 neues Leben einhauchen und den Roadster, mit dem zum Beispiel Elvis unterwegs war, ebenfalls zu einem Alltagsauto machen. So wie Käs versuchen gerade viele den Spagat zwischen Gestern und der Gegenwart. Mechatronik aus Pleidelsheim bei Stuttgart etwa nimmt dafür sogar originale Oldtimer der Mercedes-Baureihen W 111 und W 113 für große Coupés und Cabrios oder des 190 SL Roadsters und montiert unter die komplett restaurierten Karossen deutlich jüngere Motoren und Fahrwerkskomponenten von Mercedes oder dem Werkstuner AMG.

Auch die Fahrzeughersteller selbst schlachten ihr Erbe weidlich aus – insbesondere in England: Sowohl Jaguar als auch Aston Martin bauen sogenannte Continuation-Modelle etwa vom Rennwagen D-Type oder dem DB4 GT und verkaufen sie als Neuwagen mit alter Technik und modernsten Qualitätsstandards. Und Land Rover kauft weltweit alte Geländewagen der Serie 1 auf, die komplett im Werk restauriert und dann mit dem Qualitätsstand eines Neuwagens verkauft werden.

Wer den Zeitstrahl noch etwas weiter strecken will, der belässt es nicht bei aktueller Technik. Sondern er springt mit seinem Oldtimer gleich auf den nächsten Trend - und lässt ihn zum Elektroauto umbauen: „Den Charme eines Klassikers, und trotzdem keine Ölflecken mehr in der Garage“, beschreibt Johannes Boddien den Reiz solcher Umbauten. „Außerdem kommt zum sauberen Fußboden noch das reine Umweltgewissen, denn besser, als ein altes Auto mit moderner Technik weiter zu benutzen, kann Recycling gar nicht funktionieren.“

Aus dieser Idee hat Boddien aus dem Umland von Ulm ein Geschäft gemacht und bietet zu Preisen ab etwa 30000 Euro sogenannte Voltimer an - vor allem VW Käfer und Bullis rüstet er auf Akku-Antrieb und importiert dafür vergleichsweise neue Oldtimer aus Südamerika, die er im besten Fall mit Akkus aus verunfallten Tesla-Modellen bestückt.

Auch Boddien ist damit nicht allein. Vielfach gibt es Kleinserienhersteller, die nach diesem Muster Fahrzeuge wie die Ente von Citroën oder den Kabinenroller von Messerschmitt umbauen. Und auch diesen Trend hat die Industrie bereits übernommen.

Ein Jaguar E-Type wird zum Elektroauto

Weil Tim Hannig diese neue Zielgruppe nicht außer Acht lassen will, bietet der Chef der Classic-Sparte von Jaguar und Land Rover eine Umrüstung für den Jaguar E-Type an und macht den Sportwagen für Preise ab etwa 300000 Euro vom Brummer zum Summer mit 190 kW/258 PS, einem Spitzentempo von 180 km/h und gut 300 Kilometern Reichweite. Allerdings weiß Hannig um den Wert des Originals und hat deshalb auf einen schadfreien Umbau geachtet: „Alle Arbeiten können spurlos rückgängig gemacht werden, und den Benzinmotor lagern wir für den Kunden gerne ein.“

Alte Karosserien für neue Autos, moderne Antriebe für Oldtimer - während das alles einem Spagat auf der Zeitachse gleicht, geht VW einen anderen Weg: Auf der Suche nach einem Image- und Sympathieträger lassen die Niedersachsen gerade den Buggy wieder aufleben. In den 1970ern von Surfern auf Basis des Käfers konstruiert, hat die neue Auflage zwar den gleichen Geist wie das Original, aber weder ein Retro-Design noch alte Technik.

Der neue Buggy hat eine moderne Formensprache und steht auf der Elektro-Plattform des VW ID3. Bislang ist er zwar nur eine Studie, aber die die Serienfertigung ist bereits beschlossene Sache, sagt Designchef Klaus Bischoff. „Denn so ein Gute-Laune-Auto würde uns mal wieder gut zu Gesicht stehen.“

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