Die Zahl der älteren Menschen mit Pflegebedarf in Deutschland steigt kontinuierlich. Laut dem Statistischen Bundesamt wird 2035 ein Viertel der Bevölkerung 67 Jahre und älter sein. Das hat Folgen für die soziale Absicherung: Neben sich leerenden Rentenkassen wird der Pflegekassen-Etat durch einen immer höheren Anspruch auf Pflegeleistungen weiter ausgeschöpft. So meldet etwa das Deutsche Ärzteblatt, dass die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung (SPV) im Jahr 2025 erneut über den Einnahmen lagen – obgleich es eine Beitragserhöhung gegeben hat.
So drohen der Pflegeversicherung trotz steigender Beitragseinnahmen und erneuter Milliardenhilfen aus dem Bundeshaushalt in den kommenden Jahren milliardenschwere Defizite. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) warnt der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, Anfang März 2026 konkret: „Bei der Pflegeversicherung brennt die Hütte“. Zwar habe die Versicherung im Jahr 2025 noch „gerade eine schwarze Null“ erreicht, doch sei dies ausschließlich dank eines Bundesdarlehens von 500 Millionen Euro gelungen. Für 2026 werde ein rechnerisches Minus von 2,8 Milliarden Euro erwartet, sagt Blatt, der auf eine Pflegereform drängt. Doch wann könnte diese kommen?
Welches Finanzierungsdefizit steht der Pflegeversicherung ohne Reform bevor?
Der demografische Wandel und die prekäre Personallage würden den Druck zusätzlich verschärfen, erklärt Oliver Blatt. So werden die Ausgaben der Pflegeversicherung weiter ansteigen: Waren es 2025 noch 73,8 Milliarden Euro, werden laut dpa-Meldung im Jahr 2026 Ausgaben von 79 Milliarden Euro erwartet.
Auch langfristige Analysen untermauern den Reformdruck: Die vorgelegten Eckpunkte der von der Regierung beauftragten Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum „Zukunftspakt Pflege“ prognostizieren, dass das Finanzierungsdefizit der Pflegeversicherung ohne strukturelle Änderungen, wie einer Erhöhung des Beitragssatzes, im Jahr 2033 sein Maximum von etwa 19 Milliarden Euro erreichen könnte. In den Ergebnissen der Arbeitsgruppe heißt es, dass „Anstrengungen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite unternommen werden“ müssten, um „eine weitere nicht-generationengerechte Belastung für die Beitragszahlenden zu vermeiden“.
Wann plant die Bundesregierung eine Reform für die Pflege?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) peilt eine große Finanzreform für die Pflege bis Ende des Jahres an. Der Rheinischen Post sagte sie: „Die geplante Pflegereform muss zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Um das sicher zu erreichen, werde ich bis zur Sommerpause 2026 einen Entwurf für die Pflege vorlegen.“ In der Bund-Länder-Arbeitsgruppe wurden bereits Optionen für Maßnahmen bei Einnahmen und Ausgaben in dem „Zukunftspaket Pflege“ erarbeitet, informiert das Bundesgesundheitsministerium (BMG).
Doch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigt sich laut dem Deutschen Ärzteblatt mit dem Ergebnis „dieser Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Zukunft der Pflegeversicherung nicht einverstanden“. Dieses würde ihm nicht ausreichen, um die Pflegeversicherung auf Dauer zukunftsfähig zu gestalten. Der Kanzler stellte demnach klar, dass man sich 2026 ausführlich über die Zukunft der Pflegeversicherung beraten müsse. Er wolle eine Reform sehen, die auch dem Anspruch eines menschenwürdigen Lebens im Alter gerecht werde.
Stand jetzt (März 2026) hat die Bundesregierung laut dpa-Meldung zwar vor, bis Ende 2026 einen abgestimmten Vorschlag zur Finanzierungsfrage vorzulegen, konkrete Beschlüsse stehen jedoch noch aus.
Pflegenotstand in Deutschland verunsichert die Bevölkerung
Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung der derzeitigen Pflegelage kritisch gegenübersteht. Laut dem aktuellen DAK-Pflegereport 2025 halten 77 Prozent der Bevölkerung eine umfassende Pflegereform für notwendig. Wünsche seien dabei: weniger Bürokratie und mehr Kooperation der medizinischen und pflegerischen Angebote vor Ort, Unterstützung für pflegende Angehörige und eine bessere ärztliche Versorgung sowie geringere Kosten für die Pflege.
Eine weitere Befragung des Sozialverbands VdK Deutschland stellt zudem heraus, dass nur 30 Prozent der Menschen in Deutschland an eine sichere Pflege im Alter glauben.
Zwischen Strukturproblemen und Reformbedarf: Wie kann die Pflege bezahlbar werden?
Einige Akteure fordern tiefgreifendere Änderungen. So schlägt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) einen 10-Punkte-Plan zur Reform der Pflegefinanzierung vor, der sowohl eine stärkere Vorsorge der Versicherten als auch eine Ergänzung der Umlagefinanzierung durch private Modelle und mehr Digitalisierung vorsieht.
Krankenkassen, Experten und weite Teile der Bevölkerung sehen dringenden Reformbedarf, um die Pflege bezahlbar zu machen und die SPV langfristig zu stabilisieren. Laut BMG-Pressemitteilung ist bis März 2026 geplant, dass eine Kommission anhand der von der Bund-Länder-Arbeitsgruppe erarbeiteten Grundlagen Konzeptvorschläge für eine Pflegereform vorlegt.
Oliver Blatt, der Chef des GKV-Kassenverbands, mahnt laut dpa-Angaben: „Immer höhere Beiträge und weiter steigende Eigenanteile für die Pflegebedürftigen sind doch keine tragfähigen Optionen.“ Wie es weitergeht und ob die Politik dem mehrheitlichen Anspruch einer Pflegereform gerecht werden kann, bleibt eine der zentralen sozialpolitischen Fragen in diesem Jahr.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren