Die Pflegekosten in Deutschland steigen seit Jahren und immer mehr Menschen können sie nicht stemmen. Wie ernst die Lage ist und was gegen die „Armutsfalle Pflege“ helfen könnte, zeigt eine neue Studie, die im Auftrag der DAK ausgeführt wurde.
Armutsfalle Pflege: 37 Prozent der Heimbewohner brauchen Sozialhilfe
„Wer sein Leben lang gearbeitet und eine durchschnittliche Rente erworben hat, soll wegen der Kosten der Pflegebedürftigkeit nicht zum Sozialamt gehen müssen.“ Mit diesem Versprechen hat der Gesetzgeber vor über 30 Jahren die Pflegeversicherung eingeführt. Halten kann er dieses nicht mehr, wie eine neue Studie der DAK-Gesundheit zeigt. Demnach sind 2026 bereits 37 Prozent der Menschen in stationären Pflegeheimen auf Sozialhilfe angewiesen – ein Höchststand. Der Studie zufolge wird jedoch noch ein weiterer Anstieg erwartet.
Schuld daran: die massiv gestiegenen Eigenanteile in stationären Pflegeeinrichtungen. Laut einer Berechnung des Verbands der Ersatzkassen müssen Pflegebedürftige durchschnittlich 3245 Euro pro Monat im ersten Aufenthaltsjahr stemmen.
Berechnet wurde die Sozialhilfequote vom Bremer Gesundheitsökonomen Prof. Heinz Rothgang. Sein Befund ist alarmierend. Ohne Reform könnte sie laut der Modellrechnung bis 2035 auf rund 43 Prozent steigen. Dann bräuchten bis zu 356.000 Menschen in Pflegeheimen staatliche Unterstützung.
Entsprechend hart fällt das Urteil von DAK-Vorstandschef Andreas Storm aus, dessen Kasse die Studie in Auftrag gegeben hat: „Die stationäre Pflege wird für immer mehr Menschen zur konkreten Armutsfalle. Mit einer Sozialhilfequote von aktuell 37 Prozent sind wir am Limit. Einen weiteren Anstieg dürfen wir nicht zulassen. Das Vertrauen in die soziale Pflegeversicherung schwindet und es droht ein Pflegekollaps.“
Schon gewusst? Die Höhe des Eigenanteils hängt direkt mit der Aufenthaltsdauer zusammen.
Eigenanteil in der Pflege: Was hilft gegen die Kostenfalle?
Die Studie prüft mehrere Reformvorschläge und kommt zu klaren Ergebnissen. So bremst etwa ein jährlicher Inflationsausgleich bei den Pflegeleistungen den Anstieg kaum: Die Sozialhilfequote läge der Modellrechnung zufolge 2035 immer noch bei rund 43 Prozent. Was dagegen laut der Studie helfen soll, ist ein sogenannter Pflegedeckel. Begrenzt man den pflegebedingten Eigenanteil auf maximal 1200 Euro pro Monat, sinkt die Quote in diesem Szenario bis 2035 auf 37 Prozent.
Das kostet allerdings: Bereits 2027 entstehen laut der Studie dadurch 2,2 Milliarden Euro Mehrausgaben, bis 2035 wachsen sie auf 8,6 Milliarden Euro.
DAK-Chef Andreas Storm fordert deshalb einen neuen Finanzierungsmix: Beitragszahler, Pflegebedürftige und Steuerzahlende sollen die Last gemeinsam tragen. Stückwerk reiche nicht mehr. Deutschland braucht eine große Pflegereform. „Es ist Zeit zum Handeln.“
Auch interessant: Trotz steigender Einnahmen drohen den Pflegekassen Milliarden-Defizite. GKV-Chef Oliver Blatt warnt vor roten Zahlen.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren