Newsticker
Streit über Corona-Impfstoff: EU-Krisentreffen mit Astrazeneca findet nun doch statt
  1. Startseite
  2. Geld & Leben
  3. Reise
  4. Skitouren-Gehen wird immer beliebter: Sieben Tipps für Anfänger und Profis

Bergsport

16.12.2020

Skitouren-Gehen wird immer beliebter: Sieben Tipps für Anfänger und Profis

Skitourengeher am Sorgschrofen im Allgäu.
Bild: Ralf Lienert

Skitourengehen zählt in diesem Corona-Winter zu den erlaubten Möglichkeiten, im Schnee zu sporteln. Was Anfänger in den Rucksack packen sollten und was für Profis in dieser Saison anders ist.

Während Wintersportgebiete in Deutschland im Zuge der Pandemie-Bekämpfung vorerst geschlossen bleiben und aktiven Grenzgängern bei der Rückkehr Quarantäne droht, zählen Skitouren zu den erlaubten Möglichkeiten, im Schnee zu sporteln. Schon in den vergangenen Jahren findet Tourengehen immer mehr begeisterte Anhänger, die Naturerlebnis und Bewegung ohne Pistentrubel für sich entdeckt haben. Was braucht man dafür? Und was gilt es alles zu beachten, um sicher im alpinen Gelände unterwegs zu sein?

  • Sie haben an Skitouren Spaß und wissen worauf sie sich einlassen: Nicht nur auf platt gebügelten Pisten sicher auf den Ski zu stehen ist eine Grundvoraussetzung, um im Gelände Spaß zu haben, denn nach dem Aufstieg folgt die Abfahrt auf Hängen, die in der Regel nicht präpariert sind und auch deutlich mehr Kondition und Können verlangen. Und auch mit dem staubenden Pulverschnee vom Werbebild werden Tourenskifahrer nur selten belohnt. Bergauf geht es mit einer guten Grundkondition und Fitness. Je nach Tourenlänge ist vor allem Ausdauer gefragt.
  • Auf die richtige Ausrüstung kommt es an: Der entscheidende Unterschied zum Alpinski ist die Bindung. Diese ermöglicht die Ferse beim Aufstieg frei zu bewegen, während der Stiefel nur mit der Fußspitze mit dem Ski verbunden ist. Gängige Systeme sind Pin- oder Rahmen- oder Hybridkonstruktionen. Ski sind in der Regel etwas breiter. Der Belag wird für den Aufstieg mit einem Skifell – aus Naturhaar, Synthetik oder Mischgewebe – beklebt. Auf hartem, eisigem Untergrund benutzt man Harscheisen. Tourenskischuhe sind leichter und flexibler als Alpinskistiefel. Sie sollen beim Aufstieg komfortabel sein, bei der Abfahrt aber eine gute Kraftübertragung auf den Ski ermöglichen. Für Neulinge empfiehlt es sich, die Ausrüstung für die ersten Touren zu leihen und ein Gefühl dafür zu bekommen, mit welchen Ski, Schuhen und Bindungstypen man sich am wohlsten fühlt. Snowboarder nutzen Splitboards (www.splitboards.eu), die für den Aufstieg geteilt und wie Ski genutzt werden. Für die Abfahrt werden sie mit wenigen Handgriffen zum Board.

Lawinenschutz ist zwingend auf Skitour

  • Das muss auch noch mit auf Skitour: Ski und Zubehör sind das eine. Zwingend notwendig ist eine komplette Lawinenschutzausrüstung. Egal, welches Ziel Tourengeher ansteuern. Dazu gehört das salopp Piepser genannte Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) sowie eine ebenso leichte wie stabile Lawinenschaufel, die zusammengeklappt mit der Lawinensonde im Rucksack Platz findet. Speziell für Touren im Gelände und Freeriden sind Rucksäcke mit Airbagfunktion, an denen man im Fall eines Lawinenabgangs große Luftkissen aktivieren kann, die es ermöglichen sollen, auf den Schneemassen zu schwimmen, statt verschüttet zu werden.
  • Nur gut vorbereitet wird die Skitour zum Schneevergnügen: So verlockend es ist. An einem schönen Neuschneetag einfach losgehen ist lebensgefährlich. Auch erfahrene Profis checken vor jeder Tour im Vorfeld die Risiken. Dafür braucht es Wissen und Erfahrung. Ideal für Neulinge sind Kurse, die Alpenverein, Bergschulen und Outdooranbieter veranstalten und in denen man alles Wichtige von der Tourenplanung bis zum richtigen Verhalten im Notfall lernt. Auch später lohnt es sich, seine Kenntnisse aufzufrischen. Abgesagt wurden im Corona-Winter die weltweiten Avalanche-Nights, bei denen Spezialisten in attraktiven Skitourengebieten kostenlose Auffrischungs-Abendkurse anbieten. Alle anderen Kurse finden entsprechend der jeweils aktuellen Lage vor Ort statt. Teilweise vorübergehend als Online-Vortragsreihe, wie unter www.lawinenkurse.de. Dabei liefern sie nicht nur das Rüstzeug für Planung, Technik und Verhalten im Gelände. Gleichzeitig entdecken die Teilnehmer dabei schöne Touren.

Skitourengeher sind für Wildtiere ein Problem

  • So verträgt sich die Skitour mit der Natur: Schnell vor der Arbeit bei einer Tour auspowern oder abends noch mit Stirnlampe zur Feierabend-Runde. Früh morgens und abends die Ski anschnallen wird immer beliebter. Doch was für den sportlichen Büromenschen ein Kraftquell ist, ist ein echtes Problem für die Wildtiere. Die nehmen nämlich genau eine Stunde nach Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang Nahrung zu sich. Später suchen sie Nachtruhe. Nicht nur die Schonzeiten gilt es zu beachten. Schongebiete, die im regionalen Kartenmaterial vermerkt sind, sind immer tabu; nicht nur, weil sich die Tiere dorthin zurückziehen. In den Spuren der Tourengeher kämen sonst auch Fressfeinde aus dem Tal mühelos bis in die normalerweise unzugänglichen Gipfelregionen.
  • Das müssen Touren-Geher in diesem Corona-Winter beachten: Skitouren sind auch im Corona-Winter erlaubt. Allerdings nicht immer und überall. So gilt aktuell in den bayerischen Alpenregionen ein Verbot, mit Tourenski auf Pisten zu gehen, auch wenn diese wegen der nicht geöffneten Lifte frei werden. Als ausgewiesene Sportanlagen sind sie derzeit tabu. Der Alpenverein weist darauf hin: Das gesamte Gebirge außerhalb der Täler ist ungesichert. Das gilt nicht nur für das alpine Tourengelände, sondern auch für die Skigebiete. Pisten sind nicht präpariert, Pistenpatrouillen finden nicht statt.

Wissenswertes über Lawinen und Wetter

  • Hier gibt es Informationen für Skitourengeher zum Einlesen: Zum Einlesen daheim gibt es Peter Geyers „Skibergsteigen – Freeriding“ aus der Alpinlehrplan-Reihe des Deutschen Alpenvereins (blv) oder „Wissen und Praxis Skitouren: Ausrüstung – Technik – Sicherheit“ (Bergverlag Rother).
    Weitere Informationen zur Lawinenkunde findet man im Klassiker „3x3 Lawinen“ des Schweizer Lawinenforschers Werner Munter (Tappeiner-Verlag), dem Standardwerk „Lawine“ von Rudi Mair und Patrick Nairz (Tyrolia) oder „Outdoorpraxis Lawinenkunde“ (Bruckmann).
    Für die konkrete Tourenplanung helfen neben regionalen Skitourenführern Apps wie etwa die des Deutschen Alpenvereins (www.alpenvereinaktiv.com). Wichtig ist dabei, dass Daten auch offline zugänglich sind, da unterwegs nicht immer Netzempfang herrscht.
    Direkt vor einer Skitour gilt es Lawinenlage und Wetterprognosen zu prüfen. In ausgewiesenen Skitourengebieten gibt es häufig auch Checkpoints, an denen man die Sicherheitsausrüstung überprüfen und Wissenswertes zu den Besonderheiten vor Ort erfahren kann, denn zum verantwortungsvollen Tourengehen gehört es auch, sensible Bereiche in der Natur zu schonen.
    Aktuelle Daten zur Lawinenlage: www.lawinenwarndienst-bayern.de und www.slf.ch. Hilfreich ist auch der Bergbericht des Alpenvereins, der über Wetter und Schneeverhältnisse informiert. (mit mai)

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren