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Wohngeld abschaffen? Warum eine Studie klar dagegenhält

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Wohngeld abschaffen? Warum eine Studie klar dagegenhält

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    Wohngeld kann man parallel zu einigen anderen Sozialleistungen beziehen. Schon länger steht es allerdings in der Kritik.
    Wohngeld kann man parallel zu einigen anderen Sozialleistungen beziehen. Schon länger steht es allerdings in der Kritik. Foto: magele-picture, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Die Debatte um das Wohngeld ist keine Neue: zu kompliziert, zu teuer – so die Kritik. Im Zuge der geplanten Sozialstaatsreform der Bundesregierung gewinnt die Frage zusätzlich an Bedeutung, denn eine Kommission empfiehlt, Wohngeld mit anderen Leistungen in ein einheitliches System zu überführen. Doch eine neue Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) widerspricht: Eine Abschaffung wäre demnach der falsche Weg. Gleichzeitig zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts, wie relevant die Leistung ist.

    Wie viele Menschen bekommen Wohngeld und wie hoch sind die Zahlungen?

    Ende 2024 bezogen in Deutschland rund 1,2 Millionen Privathaushalte Wohngeld, das entspricht laut dem Statistischen Bundesamt 3 Prozent aller Haushalte. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl um etwa 6 Prozent. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: In Mecklenburg-Vorpommern lag der Anteil bei 5,6 Prozent der Haushalte, während er in Bayern nur 1,7 Prozent betrug. Bundesweit handelt es sich in 98 Prozent der Fälle um sogenannte reine Wohngeldhaushalte, in denen alle Mitglieder anspruchsberechtigt sind.

    Der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch lag Ende 2024 bei 287 Euro für reine Wohngeldhaushalte und bei 240 Euro für Teilhaushalte. Insgesamt gaben Bund und Länder im Jahr 2024 rund 4,7 Milliarden Euro für Wohngeld aus, was einem Anstieg von etwa 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

    Damit stellt das Wohngeld eine relevante finanzielle Unterstützung für Haushalte mit niedrigerem Einkommen dar.

    Warum steht das Wohngeld überhaupt in der Kritik?

    Doch seit der Reform des Wohngelds im Jahr 2023 steht die Sozialleistung verstärkt in der Kritik. Hintergrund ist unter anderem das Zusammenspiel mit anderen Leistungen wie dem Kinderzuschlag, wodurch sich Einkommensbereiche ergeben können, in denen eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit kaum zu einem höheren verfügbaren Einkommen führt. Auch politisch wird laut einem Bericht der FAZ kritisiert, dass sich Wohngeld und Grundsicherung teilweise überschneiden, da beide erwerbstätige Geringverdiener unterstützen.

    Eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) betont jedoch, dass diese Probleme nicht allein auf das Wohngeld zurückzuführen sind, sondern auf die mangelnde Abstimmung verschiedener Leistungen im Transfersystem.

    Sollte das Wohngeld deshalb abgeschafft werden?

    Die zitierte IW-Studie spricht sich allerdings klar dagegen aus, Reformen auf eine Abschaffung des Wohngelds auszurichten. Stattdessen sollten die bestehenden Probleme im Gesamtsystem adressiert werden, insbesondere durch eine bessere Abstimmung der verschiedenen Sozialleistungen. In der aktuellen Debatte werde zudem die wohnungspolitische Bedeutung des Wohngelds nicht ausreichend berücksichtigt.

    Welche Vorteile hat das Wohngeld laut Studie?

    Denn das Wohngeld folgt einer eigenen Systematik, bei der die Höhe der Leistung von Haushaltsgröße, Miete und Einkommen abhängt. Im Unterschied zur Grundsicherung handelt es sich dabei stets nur um einen Zuschuss zu den Wohnkosten, nicht um eine vollständige Kostenübernahme. Laut Studie ergeben sich daraus mehrere Vorteile: Das System weise im Durchschnitt günstigere Erwerbsanreize auf als die Grundsicherung, da die Transferentzugsraten zwischen etwa 40 und 70 Prozent liegen.

    Zudem übernimmt das Wohngeld die Wohnkosten nicht vollständig. Ein Teil der Kosten verbleibt bei den Haushalten, was Anreize für kostenbewusstes Wohnen schaffe. Das verhindere laut IW, dass steigende Wohnkosten vollständig vom Staat übernommen werden – ein Effekt, der im Grundsicherungssystem auftreten kann.

    Auch der Verwaltungsaufwand ist geringer, da weniger komplexe Prüfungen notwendig sind als im Grundsicherungssystem. Grund dafür ist unter anderem die pauschalierte Berechnung, während in der Grundsicherung individuelle Kosten geprüft werden müssen.

    Was könnte stattdessen reformiert werden?

    Die Studie verweist außerdem auf verschiedene Reformoptionen, die auf eine Vereinfachung des Gesamtsystems abzielen. Dazu gehört etwa die Zusammenführung von Leistungen wie Wohngeld und Kinderzuschlag oder die Integration in ein einheitlicheres System. Eine eingesetzte Projektgruppe von Bund, Ländern und Kommunen soll laut FAZ konkret prüfen, wie solche Modelle umgesetzt werden könnten. Ziel solcher Reformen wäre es, Prozesse zu vereinfachen, Transparenz zu erhöhen und Systembrüche zu reduzieren. Dabei wird betont, dass zentrale Eigenschaften des Wohngelds erhalten bleiben sollten.

    Zusammenfassend: Die steigende Zahl von Wohngeldhaushalten und die wachsenden Ausgaben verdeutlichen die zunehmende Bedeutung der Leistung im sozialen Sicherungssystem. Gleichzeitig zeigen die bestehenden Probleme im Zusammenspiel verschiedener Leistungen, dass Reformbedarf besteht. Für die laufende Sozialstaatsreform gilt das Wohngeld daher als eines der zentralen Konfliktthemen. Die Diskussion konzentriert sich daher zunehmend auf die Frage, wie das System insgesamt effizienter und verständlicher gestaltet werden kann.

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