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Wirtschaft

05.07.2018

Drexl+Ziegler fährt einen neuen Kurs

Christian und Florian Ziegler stellen sich neu auf. Obwohl das Autohaus Drexl+Ziegler ab Oktober kein Vertragshändler mehr sein wird, bekommen die Kunden künftig eine größere Auswahl geboten. Vertreten sein wird das Neusässer Unternehmen ab 2020 auch in Augsburg – am jetzigen Standort von BMW-Reisacher in Göggingen.
Bild: Marcus Merk

Die Kfz-Innung sieht die Autobranche vor einer Zäsur. Der BMW- und Mini-Händler mit einem Standort in Günzburg reagiert.

Diese Nachricht hat sich rasend schnell verbreitet: Das traditionsreiche Autohaus Drexl+Ziegler mit Stammsitz in Neusäß ist ab Oktober nicht mehr Vertragshändler für BMW und Mini (wir berichteten). Schon bald kursierten die wildesten Gerüchte. Vermutet wurde beispielsweise, dass Drexl+Ziegler neuer Vertragshändler für Peugeot wird. Geschäftsführer Florian Ziegler kann darüber nur schmunzeln. „Es ist richtig, dass unser Vertrag mit BMW zum 30. September ausläuft“, sagt er. Für den Kunden jedoch werde sich nichts ändern. Im Gegenteil. Drexl+Ziegler wird neben seinen weiteren Standorten in Gersthofen und Günzburg nun auch bald in Augsburg vertreten sein.

Die automobile Welt ist auch in der Region so schnell in Bewegung wie noch nie. „Um den neuen Entwicklungen in Sachen Digitalisierung und weiterer Ausbau der E-Mobilität Rechnung zu tragen, haben einige Autohersteller in den letzten Monaten ihre Händlerverträge gekündigt“, sagt Petra Brandl von der Geschäftsleitung der Kfz-Innung Schwaben. Und dies wirkt sich nun auch auf eines der traditionsreichsten Autohäuser im Augsburger Land aus. „Ab 1. Oktober wird die Firma Drexl +Ziegler kein Vertragshändler mehr von BMW und Mini sein“, bestätigt Ziegler. Im Herbst vergangenen Jahres sei „ohne Angaben von Gründen“ mitgeteilt worden, dass es keine Verlängerung gebe. „Obwohl alle von der BMW Group gesetzten Standards zu 100 Prozent erfüllt wurden.“ Nach einer mehr als 50 Jahre langen Zusammenarbeit habe die Nachricht emotional wehgetan. Doch mittlerweile sehen er und seine Kollegen dem Herbst gelassen entgegen. „Wir fragen uns heute, warum wir die heilige Kuh ,Vertragshändler‘ so lange nicht angetastet haben“, sagt Ziegler.

Nur noch Vermittler, nicht Verkäufer

Denn was auf den ersten Blick wie ein Nachteil aussieht, sei auf den zweiten Blick eher ein Vorteil. Nach wie vor werde Drexl + Ziegler BMW und Mini anbieten. Der einzige Unterschied: „Wir treten bei Neuwagen als Vermittler und nicht als Verkäufer auf“, sagt Ziegler. Der Kunde bekomme zudem eine wesentlich größere Auswahl auch an Gebrauchtwagen, beginnend erstmals mit Tageszulassungen über Junge Gebrauchte bis hin zu BMW und Mini mit einem Höchstalter von sechs Jahren. Preislich würde sich das neue Geschäftsmodell eher positiv auswirken. Schließlich verfüge man nun dank mehrerer Kooperationspartner über eine wesentlich größere Bandbreite an Modellen. „Und ein Bestandsauto ist stets günstiger als ein Bestellauto“, sagt Ziegler. Er gehe davon aus, dass es in fünf bis zehn Jahren überwiegend nur noch eine Art Beratungs- und Probefahrtzentren gibt und das Wunschauto dann daheim von der Couch aus mit dem Tablet konfiguriert wird.

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Kfz-Gewerbe vor einer Zäsur?

Auch die Kfz-Innung sieht gravierende Änderungen auf die Händler zukommen. Audi gehe beispielsweise davon aus, dass bis 2025 ein Drittel der Autos online vermarktet werde. „Klar ist, dass das Kfz-Gewerbe vor einer Zäsur steht“, betont Petra Brandl. Jeder Unternehmer sei aufgerufen, sein bisheriges Geschäftsmodell zu überdenken, gegebenenfalls zu überarbeiten und so eine neue und zukunftsträchtige Strategie zu entwickeln. Ein „Weiter so“ werde es nicht geben.

„Weiter so und noch mehr“ heißt es jedoch bei Drexl + Ziegler in Sachen Reparaturen und Service. Denn: Die Vertragswerkstätten für BMW und Mini bleiben von der Neuausrichtung unberührt. Hinzu komme noch unter anderem die Wartung von Elektromobilen. Für das Autohaus aber beginnt schon bald eine neue Ära. „Ab 2020 werden wir zusätzlich den Standort in Augsburg-Göggingen übernehmen“, sagt Ziegler. In der Bergiusstraße hat bislang das Autohaus Reisacher einen seiner Standorte. Da im Sommer das Haus an der Wertachbrücke einem Hotel weichen muss, bleibt für Reisacher in Augsburg nur das Zentrum in der Stätzlinger Straße. Reisacher geht daher einen anderen Weg.

Bauantrag bereits eingereicht

Das Unternehmen will sämtliche Funktionen und Sparten an einem gemeinsamen Standort westlich der Ammannstraße in Lechhausen konzentrieren. Nach Auskunft des Baureferats wird derzeit unter anderem der Billigungs- und Auslegungsbeschluss für den Stadtrat vorbereitet. In Abstimmung mit der Bauverwaltung wurde der Bauantrag bereits eingereicht. Sollte es im weiteren Verfahren keine Einwände geben, könnte bereits im Herbst der Spatenstich erfolgen. Eine Anfrage über die Höhe der Investitionssumme hat Reisacher nicht beantwortet.

In Günzburg wird mit dem BMW-Händler Reisacher, der auch in Krumbach vertreten ist, ein weiteres expandierendes Autohaus ab Oktober Geschäfte machen. Mit dem Erwerb des Ex-Autohauses Schleifer an der Lochfelbenstraße 27 setzt Reisacher den Grundstein für den künftigen Verkauf und Service von BMW-Neu- und Gebrauchtwagen. Das im Gebäude ansässige Unternehmen Classic & Racecars – Peter Schleifer & Co. wird nach Abschluss von Bauarbeiten an der Maximilianstraße in Leipheim sein Zuhause haben. Bis dahin ist es auf dem PEP-Areal zu finden. (mit ioa)

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