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Kreis Günzburg

13.08.2018

Mehr Wertschätzung für gesunde Lebensmittel

Die Direktvermarktung als Chance für die Landwirtschaft? Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber vor einem Automaten auf dem Hof von Andreas Vogel bei einem Ortstermin in Oberegg.
Bild: Peter Bauer

Ein Gespräch mit Ministerin Michaela Kaniber über Perspektiven der heimischen Landwirtschaft, einen gerechten Milchpreis und die Rolle der Behörden in Krumbach.

Milchpreis, Flächenverbrauch, die Rolle des Maisanbaus und die Zukunft der landwirtschaftlich orientierten Behörden in Krumbach: Das Interview, das anlässlich des Besuchs der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Oberegg und Höselhurst entstand (wir berichteten), ist ein Streifzug durch tragende Themen der Agrarpolitik. Mit Nachdruck betont die Ministerin das Nebeneinander von biologischer und konventioneller Landwirtschaft. Sie wünscht sich mehr Wertschätzung für gesunde Lebensmittel.

Die Stadt Krumbach gilt als „Behördenstadt“ und dabei sind auch das Amt für ländliche Entwicklung und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten tragende Säulen. Welche Rolle werden Behörden dieses Zu-schnitts künftig in der bayerischen Landwirtschaftspolitik spielen? Und was bedeutet die politische Ausrichtung für die Personalstärke dieser wichtigen Behörden?

Michaela Kaniber: Unsere Behörden sind wichtige Dienstleister für den ländlichen Raum. Und das werden sie auch in Zukunft bleiben. Erst kürzlich habe ich über die Nachfolge an der Spitze des Amts für Ländliche Entwicklung in Krumbach entschieden. Diese Mittelbehörde wird auch künftig ein kompetenter Ansprechpartner für die Gemeinden, Bürger und Landwirte in Schwaben sein. Unsere Mitarbeiter in Krumbach betreuen derzeit in jeder zweiten schwäbischen Gemeinde Projekte. Und auch mit unseren 47 Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sind wir bayernweit gut in der Fläche vertreten, auch in Krumbach. Wir sind an unseren Behörden auch personell für die Aufgaben gerüstet.

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Neue Baugebiete, Straßenausbau und die Interessen der Landwirtschaft: Dass in diesem Thema durchaus Konfliktpotenzial steckt, zeigt die jüngste heftige Diskussion um den B-16-Ausbau bei Günzburg. Wie sehen Sie die künftige Entwicklung? Kann ein „Zuviel“ an Straßen und Baugebieten der Landwirtschaft schaden?

Kaniber: Ein „Zuviel“ kann immer schaden. Ich halte aber nichts von Verboten und starren Vorgaben. Der richtige Weg ist es meiner Meinung nach, Lösungen gemeinsam mit den Kommunen zu finden. Denn die kommunale Planungshoheit ist ein wichtiges Instrument, um gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen in allen Regionen Bayerns sicherstellen zu können. Das Volksbegehren mit seinen starren Vorgaben hätte den Kommunen sämtliche Entwicklungschancen genommen. Dennoch ist der Flächenverbrauch ein Problem. Der Landwirtschaft werden permanent wertvolle Produktionsflächen entzogen. Der damit verbundene Anstieg der Boden- und Pachtpreise überschreitet bereits vielerorts die Schmerzgrenze unserer bäuerlichen Familienbetriebe.

Was kann man dagegen tun?

Kaniber: Wir haben bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht: Unter anderem fördern wir massiv die Innenentwicklung der Dörfer, wir zahlen eine Entsiegelungsprämie und haben mit der Kompensationsverordnung auch den naturschutzrechtlichen Ausgleich auf eine neue Basis gestellt. Zudem unterstützen wir die Zusammenarbeit der Kommunen, damit beispielsweise mehr gemeindeübergreifende Gewerbegebiete ausgewiesen werden.

Wie in anderen Regionen Bayerns gibt es im Kreis Günzburg immer wieder Diskussionen über das Verhältnis zwischen konventioneller Landwirtschaft und Bio-Landwirtschaft. Wie möchten Sie in diesem Themenfeld die künftige Entwicklung gestalten?

Kaniber: Für mich stehen die konventionelle und die ökologische Erzeugung gleichberechtigt nebeneinander. Es ist mir aber wichtig, die wachsende Nachfrage nach Öko-Produkten aus heimischer Produktion zu decken. Hier sind wir in vielen Bereichen noch von Importen abhängig. Unser Landesprogramm „BioRegio Bayern 2020“ hat uns aber bereits ein gutes Stück weitergebracht. Das sorgt für eine zusätzliche Wertschöpfung bei uns und entlastet gleichzeitig die Märkte für konventionelle Produkte. Ganz generell ist es mir ein großes Anliegen, die Wertschätzung der Gesellschaft für die Landwirtschaft insgesamt und für gesunde Lebensmittel zu verbessern. Unsere Bauern produzieren auf höchstem Niveau, egal, ob ökologisch oder konventionell.

Die Diskussion entwickelt sich bisweilen extrem, dann verschwindet sie wieder ganz aus den Schlagzeilen. Der Milchpreis – wo sollte er Ihrer Mei-nung nach liegen, wann ist der Milchpreis „gerecht“?

Kaniber: Ich halte den Milchpreis dann für gerecht, wenn die Milcherzeuger ihre Höfe dauerhaft nachhaltig bewirtschaften können. Das heißt, der Erzeugerpreis muss Zukunftsinvestitionen und eine angemessene Lebenshaltung für die bäu-erliche Familie ermöglichen.

Eine Frage, die sich derzeit bei sommerlichen Ausflügen viele auch im Kreis Günzburg stellen: „Mais überall, so viel Mais, muss das denn sein?“ Wie sehen Sie das?

Kaniber: Mais ist für unsere Bauern eine wertvolle Futter- und Energiepflanze. Es ist nicht so leicht, ihn zu ersetzen. Dennoch ist die Maisfläche in den beiden vergangenen Jahren bayernweit zurückgegangen, auch im Landkreis Günzburg. Hier wird heuer auf 24 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Mais angebaut. Unsere Experten forschen sehr intensiv und durchaus erfolgreich an Alternativen. Eine davon ist die blühende Becherpflanze Silphie, die sich als Energiepflanze gerade in natursensiblen Bereichen anbietet.

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