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Günzburg

18.06.2019

Wie es um den Impfschutz im Landkreis Günzburg bestellt ist

Von Erwachsenen hat das Gesundheitsamt keine verlässlichen Daten, die repräsentativ etwas über den Impfstatus der Bevölkerung aussagen können. Besser sieht es bei Schulkindern aus. Augenblicklich werden die Impfbücher von Sechstklässler durchgeblättert und in der Folge erfasst, wie es ums Impfen steht.
Bild: Hildenbrand/dpa (Symbolfoto)

Plus Warum der Landkreis Günzburg im Trend liegt. Wie das Gesundheitsamt Quoten erhebt. Und was sein Leiter über den aktuell diskutierten Impfzwang sagt.

Das Thema Impfen wird derzeit vielfach diskutiert. Speziell die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angepeilte Impfpflicht für Masern steht dabei im Fokus. Masern gelten als Kinderkrankheit, aber auch Erwachsene können sich infizieren. „Das ist durchaus auch sehr häufig mittlerweile“, sagt Dr. Patrick Dudler, Leiter des Gesundheitsamts. Wie gut Erwachsene im Landkreis Günzburg durch Impfung gegen Masern geschützt sind, darüber habe man keine harten Daten, sagt Dudler, bei den Kindern allerdings lasse sich die Impfquote vergleichsweise gut messen.

Die hochansteckenden Masern in Europa soweit zurückzudrängen, dass sie höchstens noch vereinzelt vorkommen und keine Massenerkrankungen auslösen, ist laut Gesundheitsreport Bayern aktuell eines der ganz großen Impfziele in Europa.

Zahlen im Gesundheitsreport Bayern beziehen sich auf Impfraten vergangener Jahre

Ein wichtiges Ziel auf dem Weg dazu: In mindestens 90 Prozent aller bayerischen Landkreise sollen 95 Prozent der Schulanfänger von 2018 gegen Masern geimpft sein. Ob dieses Ziel erreicht worden ist, lässt sich noch gar nicht sagen, denn die aktuellsten Zahlen im Gesundheitsreport Bayern beziehen sich auf die Impfraten der im Schuljahr 2016/2017 eingeschulten Kinder.

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Im Landkreis ist die 95-Prozent-Hürde zumindest bei den Schulanfängern geknackt. 98 Prozent der 1166 untersuchten Kinder, die hier zum Schuljahr 2016/2017 eingeschult worden sind, haben laut dem vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit herausgegebenen Gesundheitsreport mindestens eine Masern-Impfung bekommen, 95,2 Prozent von ihnen sind mindestens zweimal gegen die Masern geimpft worden. Bei den 1370 Sechstklässlern sieht es im Schuljahr 2016/2017 nicht ganz so gut aus.

Zwar haben 95,8 Prozent durch mindestens eine Impfung Schutz gegen die Masern, zweifach geimpft waren laut Gesundheitsreport aber nur 93,8 Prozent. Allerdings sei dieses Ergebnis auch mit der „statistischen Erhebungssituation“ zu erklären, sagt der Gesundheitsamtsleiter, die zweite Impfung verzögere sich manchmal eben ein bisschen.

Mit der Quote gerade so an der Grenze zum Herdenschutz

Insgesamt sei man mit dieser Quote „gerade eben an der Grenze“ zum Herdenschutz, so Dudler. Diese Herdenimmunität ist vor allem für die Menschen wichtig, die sich nicht impfen lassen können, weil sie etwa als Baby für manche Impfungen zu jung oder chronisch krank sind. Sind in ihrem Umfeld genügend Menschen geimpft, profitieren eben auch die nicht geimpften Menschen vom Schutz vor Ausbreitung und Ansteckung von Krankheiten.

Die Impfbereitschaft „war schon hoch“, sagt Dr. Patrick Dudler, und sie gehe weiter hoch. Damit liegt der Landkreis Günzburg im Bayern-Trend. Aber er sagt auch: „Impfungen werden deutlich kritischer hinterfragt.“ Dazu habe auch beigetragen, dass dank Impfungen viele Krankheiten nicht mehr als bedrohlich wahrgenommen und die Menschen deshalb in puncto Impfschutz wieder nachlässiger würden.

Für Impflücken kennt der Leiter des Gesundheitsamtes noch einen weiteren, ziemlich banalen Grund: „Viele haben es nicht so richtig auf dem Schirm“, sagt er, oft würden gerade Auffrischungsimpfungen einfach vergessen. Gegen Tetanus, den oft tödlich verlaufenden Wundstarrkrampf, werde bei Verletzungen vielfach vorsichtshalber nachgeimpft, weil der Verletzte häufig nicht sicher weiß, ob er durch vorhergehende Impfungen noch geschützt ist.

Verlässliche Daten mit den Schuleingangsuntersuchungen erhalten

Mit Schuleingangsuntersuchungen können die Gesundheitsämter ebenso wie bei den Impfbuchkontrollen in den sechsten Jahrgangsstufen der Schulen verlässliche Daten über den Impfstatus bekommen. Der Gesundheitsamtschef spricht von „Momentaufnahmen“, ansonsten könne man nur rückschließen, wie gut die Bevölkerung auch im Landkreis Günzburg durch Impfungen beispielsweise vor Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Kinderlähmung, Diphterie, Tetanus oder Keuchhusten geschützt ist.

Oder vor Pneumokokken, die schwere Infektionen wie Lungenentzündung auslösen können. Oder vor Hib, einem Erreger, der Hirnhaut- und Kehldeckelentzündungen auslösen kann, vor Hepatitis, vor der durch Zecken übertragenen FSME oder auch vor Meningokokken, die bakterielle Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen können. Kinder unter fünf Jahren und Jugendliche sind hier besonders gefährdet.

Derzeit sind zwei Sozialmedizinische Assistentinnen des Gesundheitsamtes in den Schulen unterwegs, um anhand der Impfbücher der Sechstklässler den Impfstatus der Jugendlichen zu erheben. 1370 Schüler waren im Schuljahr 2016/2017 in Zusammenarbeit mit den Schulen aufgerufen, ihr Impfbuch vorzulegen, laut Gesundheitsreport haben das 86 Prozent von ihnen getan. Die Mitwirkungsbereitschaft der Eltern funktioniere hier ganz gut. Bei Impflücken bekommen die Eltern ein Empfehlungsschreiben vom Gesundheitsamt.

Eine wichtige Rolle kommt den Hausärzten zu

Weil es in Deutschland derzeit keine Impfpflicht gibt – diskutiert wird das aber aktuell mit Blick auf Masern (lesen Sie hierzu mehr)– setzt nicht nur Dudler auf Information und Aufklärung. Eine wichtige Rolle komme dabei den Hausärzten zu, sagt er. Mit ihnen stehe sein Amt in regem Austausch. Bei der Gesundheitsregion Plus, zu der sich der Landkreis Günzburg zählt, sei das Thema Impfen „noch kein zentraler Wirkungspunkt“. Nach wie vor aber biete das Gesundheitsamt „jederzeit Beratung“, telefonisch und direkt, und natürlich auch zum Thema Impfen.

Gab oder gibt es Epidemien im Kreis Günzburg? „Es gibt immer mal wieder Ausbruchsgeschehen“, sagt Dudler, „aber alles im üblichen Rahmen“. Eine Impfpflicht sieht der Mediziner nicht als notwendig an, er setzt lieber auf Beratung und Information auf Grundlage der Empfehlungen, die die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut ausspricht und sagt: „Überzeugung ist besser, als dass man jemanden zwingt.“

Lesen Sie mehr zum Thema Impfen, wir haben hier die Impfungen im Überblick.

Lesen Sie auch mehr zu der hohen Masern-Rate in den USA.

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