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Oberroth

25.06.2019

Der bronzene Bischof: Wie Wolfhard von Roth im Mittelalter Karriere machte

Seit mehr als 700 Jahren ist Bischof Wolfhard in Augsburg bestattet. Seine Gebeine mussten im Laufe der Jahrhunderte mehrmals im Dom umziehen.
Bild: Manhalter

Der Landadelige Wolfhard von Roth hat im 13. Jahrhundert eine beachtliche Karriere als Bischof hingelegt. Sein Leben und sein Grab in Augsburg beschäftigen die Historiker noch heute.

Wer den Augsburger Dom besichtigt, stößt im gotischen Chorumgang unwillkürlich auf ein Grabmal, dessen Form und Gestaltung es schon alleine von all den anderen Gräbern im Kirchenraum unterscheidet. Streng und asketisch wirkt die dargestellte Person, dabei durchaus würdevoll, ja respekteinflößend. Die Demut einfordernde Wirkung verstärkt sich noch, wenn man weiß, wie alt die Bronzeskulptur ist. Vor mehr als 700 Jahren fand Wolfhard von Roth, gebürtig aus Oberroth bei Illertissen, seine letzte Ruhestätte in Augsburg. Wie gelangte ein Landadliger an den Bischofsstuhl und was hat das geheimnisvolle Grabmal noch zu bieten?

Von Oberroth nach Augsburg

Die Herren von Roth bewohnten zunächst wohl die Burg auf dem Buschlberg oberhalb des heutigen Weilers Schalkshofen. Im Laufe des 13. Jahrhunderts schien das Geschlecht seinen Sitz auf eine erhöhte Stelle im Talgrund der Roth verlegt zu haben. Wie Thomas Reich in seiner Dissertation über den Landkreis Illertissen schreibt, habe um 1272 Konrad von Roth die Burg Ober- beziehungsweise Hohenroth errichtet. Zu jener Zeit hatte dessen Sohn Wolfhard schon längst den geistlichen Weg eingeschlagen. 1286 stieg er zum Domprobst auf, wobei er schon einige Jahre zuvor zum Kanoniker ernannt wurde. Als Leiter des Augsburger Domkapitels verfügte Wolfhard über Wissen und Einfluss, um sich den damaligen klerikalen und politischen Herausforderungen zu stellen. Seine Arbeit hat sich ausgezahlt, als er zwei Jahre später zum Bischof geweiht wurde. Damit trat Wolfhard von Roth in die Ahnenreihe so berühmter Vorgänger ein wie der später heiliggesprochene Ulrich, Simpert oder Adalbero.

Sein diplomatisches Geschick stellte Wolfhard unter Beweis, als er in einem Konflikt mit dem Bayernherzog Rudolf vermittelte, der despektierlich „der Stammler“ genannt wurde. Weltoffenheit bewies auch Wolfhards Förderung der damals noch misstrauisch beäugten christlichen Frauengemeinschaften. So ließ er in Augsburg das Kloster St. Margareth errichten und integrierte die frommen Damen in den Orden der Dominikanerinnen. Nach alldem was die Historiker wissen, musste Wolfhard in der Stadt starken Rückhalt gehabt haben. Eine große Leistung, den das war in der mittelalterlichen Konfliktzone zwischen Hochstift und entstehendem Bürgertum eher selten.

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Ein wertvolles Grabmal musste her

Bischof Wolfhard, dieser bedeutenden Person sollte selbstverständlich nach seinem Ableben ein besonderes Grabmal errichtet werden, etwas Bleibendes zur ewigen Erinnerung. Es ist durchaus vorstellbar, dass diese Gedanken bei der Wahl des Materials für das Grabmonument eine Rolle spielten. Bislang und auch danach war es üblich, Grabmäler aus Stein anzufertigen. Natürlich mit dem Nachteil, dass im Laufe der Jahrhunderte die Verwitterung einsetzt. Sollte dies tatsächlich der entscheidende Grund für die teure aber beständige Bronze als Werkstoff gewesen sein, erwies sich diese Wahl eindeutig als richtig.

Nicht nur kunsthistorisch stellt dieses Grabmal eine Rarität dar. Waren die Verstorbenen bislang in einer Pose dargestellt, die sie noch als lebende Person zeigten – oft mit gebieterischem, herrischem oder energischem Blick – so zeigt die Skulptur Wolframs den Bischof als Toten. Die Augen geschlossen, so als ob der Geistliche soeben erst friedlich entschlafen sei. Im Nachhinein vielleicht ein geglücktes Arrangement, denn so musste er schon nicht mit ansehen, wie seine körperlichen Überreste mehrmals im Dom von einem Ort zum nächsten platziert wurden. Wohin musste der ehrwürdige Bischof nicht schon überall ziehen? Vom Ostchor in den Westchor, von dort an die Wand, wieder zurück in den Chor, um schließlich in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts – hoffentlich endgültig – einen Platz in der Konrad-Kapelle im Umgang zu finden. Der Grabplatte bekam diese Reisetätigkeit nicht allzu gut. Brüche und Risse zeigen deutlich den jetzigen Zustands.

Die laut Kunsthistorikern „früheste Wiedergabe eines im Ornat bekleideten Toten im deutschsprachigen Raum“ erfuhr kürzlich eine eingehende wissenschaftliche Untersuchung. Offenbar handelte es sich um eine arbeitsteilige Anfertigung, worauf die auf der Grabplatte eingravierten Verweise auf jeweils einen Bronze- und einen Wachshandwerker deuten. Wenn auch deren Namen „Otto“ und „Cunrat“ überliefert sein mögen, so bewahrt das Grab des Oberrother Bischofs noch so manches Geheimnis. Es bleibt spannend, welche Geschichten es noch preisgeben wird.

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