1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Dieser Vöhringer wohnt in einem Museum

Vöhringen

21.11.2019

Dieser Vöhringer wohnt in einem Museum

Mit alten Krügen hat alles begonnen. Inzwischen sammelt Adolf Meier aus Vöhringen seit 50 Jahren Antiquitäten. Viele hat er bei Versteigerungen ergattert, andere zufällig auf Flohmärkten entdeckt.
4 Bilder
Mit alten Krügen hat alles begonnen. Inzwischen sammelt Adolf Meier aus Vöhringen seit 50 Jahren Antiquitäten. Viele hat er bei Versteigerungen ergattert, andere zufällig auf Flohmärkten entdeckt.
Bild: Felicitas Lachmayr

Plus Krüge, Pickelhauben, Bronzefiguren – Adolf Meiers Haus ist voller Antiquitäten. Einige Objekte hat der gelernte Schmied restauriert, andere selbst gefertigt.

Zinnkrüge reihen sich aneinander, an der Wand hängen alte Waffen, Pickelhauben liegen neben verschnörkelten Bronzefiguren. Seit 50 Jahren sammelt Adolf Meier aus Vöhringen Antiquitäten. Sein Haus gleicht einem Museum. Selbst die Blümchentapete im Wohnzimmer wirkt aus der Zeit gefallen. Doch Meier fühlt sich wohl zwischen den antiken Objekten.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Wie viele er über die Jahre angesammelt hat, kann der 84-Jährige nicht mehr sagen. Es müssen hunderte sein. Viele davon sind über hundert Jahre alt. Sein Lieblingsstück – die Bronzefigur einer tanzenden Frau – thront auf einer Kommode im Wohnzimmer. „Die habe ich vor Jahren in einem Antiquitätengeschäft in Nizza erstanden“, erinnert sich Meier.

Die meisten Objekte begegneten Meier durch Zufall

Die meisten Objekte begegnetem dem 84-Jährigen durch Zufall – auf Flohmärkten oder bei Versteigerungen. Seine Sammelleidenschaft begann mit ein paar alten Krügen, die er bei Arbeiten auf einer Baustelle entdeckte. Inzwischen dürften es an die 60 Stück sein, schätzt er. In seiner Garage lagern außerdem über 20 alte Waagen, ein paar Nähmaschinen und Bügeleisen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Einige Objekte hat Meier selbst restauriert. Denn der Vöhringer ist gelernter Schmied. Mit 15 Jahren begann er eine Lehre bei Schmied Kaifler in Vöhringen, damals mitten im Ort gelegen. Mit seiner Mutter und den Großeltern kam er als Heimatvertriebener auf einem Viehwagen nach Vöhringen. Doch die Arbeit als Schmied war hart. Mit 19 Jahren schulte Meier um und wurde Baggerfahrer bei der Baufirma Ihle.

Sein Lieblingsobjekt ist diese Bronzefigur einer tanzenden Frau.

Arbeit als Baggerfahrer hinterließ Spuren

Im Alter von 27 Jahren machte er sich selbstständig, hob Gruben aus und arbeitete auf zahlreichen Baustellen in der Region – oft zwölf Stunden am Tag. Auch die Arbeit als Baggerfahrer hinterließ Spuren: Der Lärm hat Meiers Gehör dauerhaft geschädigt. Aber er hatte auch viel Glück, wie er sagt. Ein altes Foto zeigt einen umgekippten Bagger. „Da bin ich vom Grubenrand 16 Meter in die Tiefe gestürzt“, erinnert sich Meier. Noch heute steht ein Bagger in seinem Garten, der von Zeit zu Zeit zum Einsatz kommt. Im Winter ist der 84-Jährige mit einem kleineren Gefährt in den umliegenden Straßen unterwegs und räumt die Gehwege für 45 Nachbarn frei – umsonst.

Auch die Schmiedekunst hat Meier nie losgelassen. Einige Beschläge, die er als junger Schmied fertigte, hängen noch heute an der Garagenwand. Meier rettete die Alteisen aus dem Schrottcontainern, nachdem die Schmiede ihren Betrieb eingestellt hatte. Vor seinem Haus stehen Hammer und Amboss. „Das klingt wie Musik in den Ohren“, sagt er, als er mit dem Hammer auf das Stahl schlägt. Heute mache er nicht mehr viel. Er habe gar keinen Platz für Neues, sagt er mit einem Lachen.

Im Vorgarten thront eine Kanone, die der gelernte Schmied selbst gebaut hat.

In Meiers Vorgarten in Vöhringen thront eine mittelalterlich anmutende Kanone

Aber viele Objekte, die Haus und Garten schmücken, hat Meier selbst gefertigt – wie das schmiedeeiserne Gitter, um das sich der Efeu rankt oder die aufwendig verschnörkelte Türe zur Garage. Manche Gittertüren im Haus dienen nicht nur der Dekoration, sondern auch der Sicherheit. Denn vor Jahren wurde bei Meier eingebrochen. „Damals hatte ich noch nicht so viele Antiquitäten“, sagt er.

Diebe verschrecken könnte auch die mittelalterlich anmutende Kanone, die in Meiers Vorgarten thront. Sie ist kein alter Schatz, sondern eine Eigenkreation. Das Rohr erstand Meier auf einem Flohmarkt in Senden, die Achse stammt von einem bäuerlichen Leiterwagen. Inzwischen fertigt der 84-Jährige nur noch wenig selbst an. Auch auf Flomärkten ist er nur noch selten unterwegs. Doch einen Blick für echte Raritäten hat er immer noch. Wenn er die TV-Sendung „Bares für Rares“ schaut, bei der Experten den Wert von Trödelware bewerten, liegt er mit seinen Schätzungen meistens richtig. Nur mit Bildern hat es der Vöhringer nicht so. „Davon verstehe ich nichts“, sagt er. Fünf seiner antiken Objekte – darunter eine Registrierkasse, eine alte Weinpresse und eine Sattlermaschine – hat er dem Vöhringer Heimatmuseum geschenkt. „Irgendwann kommt bestimmt noch mehr“, sagt er mit einem Lachen.

Was die Vöhringer über die Arbeit der Stadt denken, lesen Sie hier: Was die Vöhringer über die Arbeit der Stadt denken

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren