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Vöhringen

12.09.2019

Ein Vöhringer liebt die Arbeit mit dem Leder

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4 Bilder
In seiner Kellerwerkstatt in Vöhringen näht Michael Grimm Gegenstände aus Leder. Meist kommen Freunde und Bekannte mit konkreten Wünschen zu ihm. Er hat schon Gürtel, Hundehalsbändern und Autositze gefertigt.
Bild: Felicitas Lachmayr

Plus In seiner Kellerwerkstatt näht Michael Grimm aus Vöhringen Gürtel, Taschen oder Motorradsitze. Gelernt hat er das Sattler-Handwerk nicht, trotzdem gehen viele Bestellungen ein

Mit einem gezielten Schlag stanzt Michael Grimm seine Initialen in das glänzende Leder. „Man muss kräftig draufhauen, damit sich der Stempel in das Material presst“, sagt er und legt den Hammer zur Seite. Im Radio läuft Rockmusik, ein leichter Ledergeruch durchzieht die Vöhringer Kellerwerkstatt. Auf der schwarzen Tasche prangen die Buchstaben MG. Dass Grimm seinen Lederarbeiten einen persönlichen Stempel aufdrückt, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn was nach professionellem Sattler-Handwerk aussieht, ist sein Hobby.

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Lederkutten, Motorradsitze - Grimm hat schon vieles gefertigt

Das hat er in den vergangenen zwanzig Jahren derart perfektioniert, dass Freunde und Bekannte regelmäßig mit neuen Aufträgen zu ihm kommen. Gürtel, Taschen, Lederkutten, Motorradsitze, Hundehalsbänder – es gibt kaum einen Gegenstand aus Leder, an dem sich der 46-Jährige nicht versucht hat. „Ich habe auch schon ein Pärchen für eine mittelalterliche Hochzeit ausgestattet“, erinnert sich Grimm. Die Braut schnürte sich einen breiten Ledergürtel um die Hüften, für den Bräutigam nähte der 46-Jährige gemusterte Armstulpen und einen Trinkhornhalter. In seiner kleinen Kellerwerkstatt hat Grimm auch Autositze, Pferdehalfter und Hundekörbchen repariert – lediglich einen echten Sattel hat der Vöhringer noch nicht gefertigt.

Auch kleine Ledertaschen näht Grimm und versieht sie mit seinen Initialen.

Seine Arbeiten mit der Nähmaschine beschränken sich nicht auf Leder. Aus einer Lastwagenplane hat er eine sechs Meter lange Bootsabdeckung genäht. Doch das war eine einmalige Sache, betont Grimm. Die Arbeit mit dem riesigen, schweren Stoff sei kein Spaß gewesen. Gerade werkelt er an einer Sitzbank aus goldgemustertem Stoff. Einige seiner Arbeiten hat er in einem Album festgehalten. Wie viele Gürtel, Taschen und Sitze er in den vergangenen zwanzig Jahren kreiert hat, kann er nicht sagen. Vermutlich hunderte.

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Mit 17 Jahren saß er zum ersten Mal an der Nähmaschine

Mit 17 Jahren saß Grimm zum ersten Mal an der Nähmaschine. Schon damals hörte er gerne Rockmusik. Da durften die passenden Klamotten nicht fehlen. „Ich wollte unbedingt Lederflicken auf meiner Jeans“, erinnert er sich. Also setzte er sich hin und versuchte zu nähen – mit mäßigem Erfolg. „Die Haushaltsnähmaschine meiner Mutter ist bei dem Versuch draufgegangen“, erzählt Grimm. Doch er hatte seine lederne Flickenjeans und das Bedürfnis, weiterzunähen.

Ein Freund, der selbst Lederarbeiten herstellt und früher ein Geschäft in Vöhringen betrieb, habe ihm das wichtigste beigebracht. „Ich war oft bei ihm in der Werkstatt und habe mitgeholfen“, sagt Grimm, der eigentlich gelernter Schlosser ist und im Schichtdienst bei den Wieland in Vöhringen arbeitet. Viel Zeit für sein Hobby hat er nicht.

Doch Grimm nutzt jede freie Minute – um alte Sachen zu reparieren, an seinem Motorrad herumzuschrauben oder neue Gegenstände aus Leder zu zaubern. „Die Arbeit hier unten in der Werkstatt ist für mich wie Meditation, da kann ich richtig abschalten“, sagt der 46-Jährige.

In seiner kleinen Kellerwerkstatt in Vöhringen stehen drei Nähmaschinen – eine davon stammt aus dem Jahr 1912. Grimm brachte sie wieder zum Laufen. Für seine Arbeiten nutzt er meist eine alte Pfaff. Die hat soviel Kraft, dass es auch mal qualmt, wenn das dicke Leder unter dem Nähfuß hindurch saust. Was ihn an Leder so fasziniert? „Es war mal ein Tier“, sagt Grimm. Jede Narbe oder Unebenheit hinterlasse Spuren im Leder. Das verleihe dem Material etwas ganz besonderes.

Ein echter Hingucker in der Werkstatt: seine alte, selbst genähte Lederkutte.

Im Regal stapeln sich Lederstoffe, die Grimm größtenteils aus dem Internet bezieht. An der Wand hängen Gürtel in verschiedenen Farben, mit oder ohne Nieten, gemustert oder glatt. Meist kommen die Kunden mit konkreten Vorstellungen zu ihm. Doch Grimm erfüllt nicht jeden Wunsch. „Einmal kam ein Typ zu mir, der Nazi-Symbole eingraviert haben wollte“, erinnert sich Grimm. „Ich habe ihn weggeschickt und gesagt, er soll sich jemand anderen suchen.“

Ein Gürtel kostet je nach Verzierung zwischen 25 und 100 Euro. Im vergangenen Jahr hat Grimm ein Kleingewerbe für seine Lederarbeiten angemeldet. Er hat eine eigene Internetseite und präsentiert seine Arbeiten auf Facebook. „Aber das meiste läuft über Mundpropaganda“, sagt Grimm. Das könne auch so bleiben. Denn trotz aller Professionalität bleibt die Arbeit mit dem Leder für ihn ein Hobby.

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