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Illertissen
05.10.2021

Paukenschläge und schmetternde Trompeten zur Feier der Jann-Orgel

Sie wirkten beim festlichen Orgelkonzert in Illertissen mit (von links): Manuel Zieher, Markus Hubert, Jan Hubert, Timo Bossler, Michael Bischof, Berthold Schick und Manuel Gira.
Foto: Regina Langhans

Organist Markus Hubert zieht in Illertissen alle Register und lässt das vor 30 Jahren eingeweihte Pfeifeninstrument bis in die höchsten Töne jubilieren.

Es mag vorkommen, dass ein Jubilar sich selbst ein Geburtstagsständchen bringt. Doch um das 30-jährige Bestehen der Jann-Orgel musikalisch zu würdigen, müsse es auch jemand verstehen, auf ihr zu spielen, sagte Stadtpfarrer Andreas Specker zur Begrüßung in St. Martin und verwies somit auf ihren Organisten Markus Hubert. Der Geistliche rief in Erinnerung, dass vor der Corona-Zwangspause am Vorabend zum Tag der Deutschen Einheit ganz Illertissen in der Musiknacht auf den Beinen war. Geblieben sei das Konzert in der Kirche, wo sich die Besucher nun im Rahmen der 3G-Regeln ausbreiteten, sogar die Treppen zur Empore wurden genutzt.

Das festliche Orgelkonzert wurde mitgestaltet von Michael Bischof und Timo Bossler mit Trompete, Manuel Zieher und Berhold Schick mit Posaune sowie Manuel Gira an den Pauken. Jan Hubert unterstützte seinen Vater beim Registrieren. Die Orgel wurde 1991 von der Orgelbaufirma Jann in Allkhofen in Niederbayern gebaut. Sie besitzt 29 Register beziehungsweise 1996 Pfeifen auf zwei Manualen und dem Pedal. 2018 erneuerte die Orgelbaufirma Heiß aus Vöhringen die Setzersteuerung, brachte optische Kontakte an und installierte eine Midi-Verbindung zum Carillon. Beim Festkonzert erklangen feierliche Werke für Blechbläser, Pauken und Orgel.

Zum gemeinsamen Auftakt brachten sie die Choral-Improvisation „Nun danket alle Gott“ des Orgelkomponisten Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) zu Gehör. Geboten wurde triumphale Musik mit brillanten Klängen der Blechbläser und konzertantem Orgelspiel. Darauf folgten Kompositionen des Belgiers Flor Peeters (1903-1986). Zunächst die „Aria“, Opus 51, mit wunderbar warm klingender Solotrompete und Orgel, sodann die „Entrata festiva“, Opus 93, wofür die Bläser wieder um die Wette strahlen konnten. Die Folge feierlicher Einzüge endete orchestral und voluminös mit einer Komposition von Richard Strauss (1864-1949) in der Bearbeitung von Max Reger.

Zwischendurch verließen die Bläser die Empore und stellten sich im Altarraum der Illertisser Kirche auf

Eine Zäsur erfolgte mit „Befiehl du deine Wege“ (1653, Paul Gerhart), einem weiteren geistlichen Lied. Hubert nahm es zum Ausgangspunkt für eigene Improvisationen mit verschiedenen Tempi und Tonfarben und stellte dabei die Möglichkeiten des Pfeifeninstruments vor. Manuel Gira bildete den solistischen Gegenpart. Er wusste das Orgelspiel auf seinen vier Pauken klanggewaltig und melodiös in Szene zu setzen. Währenddessen hatten die Bläser die Empore verlassen und im Altarraum Aufstellung genommen. Die Musiker waren damit auch im Barockzeitalter angekommen. Mit Antonio Vivaldis (1687-1741) Sinfonia (Sinfonie Nummer 1 in C-Dur) und „La Majesté“ (heroische Märsche) von Georg Philipp Telemann (1681-1767) vermittelten Orgel und Pauken auf der Empore sowie Trompeten und Posaunen unten optisch wie klanglich mit akustischer Unterstützung des Kirchenschiffs festliche Stimmung. Nicht fehlen durfte von Georg Friedrich Händel (1685-1759) das „Processional“ und, während die Bläser wieder auf die Empore zurückkehrten, von der Orgel das Solo Johann Sebastian Bachs (1685-1750) “Adagio e dolce” aus der Triosonate Nummer 3.

Mit dem dritten und letzten Teil des Konzerts endete der musikalische Bogen durch die „Lieblingsepochen“ der Jann-Orgel, welche sich aus der Art der Register und dem Zeitgeschmack ergeben. Wie eingangs wurden nun Werke aus der Spätromantik beziehungsweise Moderne geboten. So erklang mit Alphonse Maillys (1833-1918) „Marche nuptiale“ feierlich getragene Musik zum Auszug und ebenso wurde es noch einmal lyrisch bei der Arie nach Psalm 23 von Bernhard Wayne Sanders (geboren 1957). Das Festkonzert endete virtuos mit der gewaltigen Toccata Opus 42/1 von Charles-Marie Widor (1844-1937). Dabei wirkten die durchgehenden Sechzehntelfiguren der rechten Hand wie ein Uhrwerk, die linke Hand warf die Akkorde ein und später kam mit dem Pedal noch eine dritte rhythmische Ebene hinzu. Das Publikum sah sich umgeben von wechselnden Tonfarben und dahinrollenden Klangteppichen. Dafür gab es Riesen-Applaus und von Markus Hubert noch eine Zugabe.

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