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Altenstadt

22.03.2015

Schätze einer ausgelöschten Kultur

Jüdisches Leben gehörte einst auch in Altenstadt zum Ortsbild. Diese Aufnahme der Memminger Straße aus dem Jahr 1920 zeigt ganz links einen Teil der Synagoge.
Bild: Repro Zita Schmid

In Altenstadt zeigt derzeit eine Ausstellung die Vielfalt, die einst durch jüdisches Leben in der Region existierte und welche Spuren noch heute davon zeugen.

Die jüdische Geschichte ist auch ein Teil der Vergangenheit der Menschen in der Region. Christlich-jüdische Koexistenz in ihrer kulturellen Vielfalt war normal und möglich, sagte Benigna Schönhagen, Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg, bei der Eröffnung der Ausstellung „Ma Tovo – wie schön sind deine Zelte, Jakob“ in Altenstadt. Mit Fotografien und Dokumenten zeigt die Schau die Synagogengeschichte in der Region und erinnert an die ausgelöschte Kultur des Landjudentums. Laut Schönhagen mit dem Ziel, das jüdische Erbe zu erkennen und in die Heimatgeschichte zu integrieren.

Von der einstigen Judensiedlung bis zum Judenfriedhof in Illereichen – Altenstadt beherberge viele Schätze jüdischer Geschichte, sagte Bürgermeister Wolfgang Höß bei der Eröffnung, die mit vielen Ehrengästen, Klezmer-Musik des Klarinettisten des Klezmer-Ensembles „Mesinke“ Alexander Maier und jüdischem Brot feierlich begangen. „Deshalb war es Verpflichtung und Selbstverständlichkeit, die Wanderausstellung in die Marktgemeinde zu holen“, so Höß weiter.

Anhand der Synagogenarchitektur aus 15 Orten in Bayerisch-Schwaben, darunter Ichenhausen, Krumbach-Hürben, Binswangen, Buttenwiesen, Fellheim und auch Altenstadt zeigt die Ausstellung, welche Bedeutung Juden bis zur Zeit des Nationalsozialismus hier hatten.

Souzana Hazan vom Kulturmuseum gab einen Einblick in die Entwicklung der jüdischen Gebetshäuser: Ende des 16. Jahrhunderts entstanden die ersten Landjudengemeinden. Privathäuser wurden dabei zum Gebet genutzt. Diese oft einfachen Betstuben wurden später zu eigenständigen Synagogen umgebaut. Seit dem 17. Jahrhundert, als die Juden auf dem Land oft die Hälfte der Bevölkerung stellten, entstanden stattliche Synagogenbauten. 30 solcher Gotteshäuser gab es in dem Gebiet des heutigen Regierungsbezirks Bayerisch-Schwaben. Die prachtvolle Architektur der vor allem zwischen 1780 und 1820 errichteten Synagogen spiegelten dabei das gewachsene Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinden und auch deren Akzeptanz im Ort wieder. Die Altenstadter Synagoge (gebaut 1802/03) war ein solcher Bau, der spätbarocke mit frühklassizistischen Formen verband. Wie andere Synagogen beim Pogrom im November 1938 geschändet, demoliert und geplündert, wurde das Altenstadter Gebäude dann 1955 endgültig abgerissen.

Alwin Müller hat die 300-jährige Geschichte der Altenstadter Juden für die Ausstellung aufgearbeitet. In einer Glasvitrine hat er etwa Teile der einstigen Synagogenleuchter und den Schlüssel zum Gebetshaus für die Besucher bereit gelegt. Teilweise Relikte, die erst zur Ausstellung in einem Dachboden entdeckt wurden.

Zu sehen ist ebenso eine Steintafel mit hebräischer Inschrift, die an dem Bau angebracht war. An den Stellwänden sind auch Fotografien der letzten Altenstadter Juden zu sehen. Kinder teilweise, die alle deportiert wurden und nicht mehr zurückkamen. Nach Jahren des Verdrängens sei in den 1980er Jahren das jüdische Kulturerbe wiederentdeckt worden, berichtete Benigna Schönhagen. Durch den verantwortungsvollen Umgang mit den verbliebenen Spuren des einstigen jüdischen Lebens seien so vielerorts Gedenk- und Lernstätten entstanden.

Die Ausstellung im Mehrzweckraum der Altenstadter Schule ist noch bis Sonntag, 5. April, täglich von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Sie wird begleitet von einem mehrteiligen Volkshochschul-Veranstaltungsprogramm. So findet am kommenden Freitag, 27. März von 15 Uhr bis 16.30 Uhr eine Führung durch den Judenfriedhof in Illereichen statt. Weitere Informationen gibt es bei der Volkshochschule Illertissen unter der Telefonnummer 07303/41200 und im Internet unter der Adresse www.vhs-neu-ulm.de.

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