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Illertissen

19.06.2019

Sie hilft in den Drogensüchtigen in der Stadt

Man sieht es nicht auf den ersten Blick, aber auch in Illertissen gibt es viele Menschen die süchtig nach harten Drogen sind.
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Man sieht es nicht auf den ersten Blick, aber auch in Illertissen gibt es viele Menschen die süchtig nach harten Drogen sind.
Bild: Armin Weigel/dpa

Drob Inn bietet abhängigen Menschen und deren Angehörigen eine Anlaufstelle. Eine, die über die Probleme vor Ort Bescheid weiß, ist Drogenberaterin Laura Fischer.

Bei einem Spaziergang durch Illertissen wird man kaum bemerken, dass es sie auch in dieser Stadt gibt: Menschen, die süchtig sind nach Drogen. Doch nur, weil es nicht so offensichtlich ist, wie beispielsweise in Großstädten wie Ulm, Augsburg oder gar Metropolen wie Berlin, heißt das nicht, dass es diese Personen nicht gibt. Bei Drob Inn haben diesen Menschen auch in Illertissen einen Anlaufpunkt, an dem sie Hilfe bekommen. Seit März kümmert sich dort Drogenberaterin Laura Fischer um Menschen mit einem Suchtproblem. Auch deren Angehörige können sich an die 24-Jährige wenden.

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Doch wenn es nicht die Klischee-Junkies sind, welche Menschen kommen in Illertissen dann zur Drogenberatung? Laura Fischer beschreibt ihre Klienten zum größten Teil als „ganz normale Leute“. Sie sagt: „Sie leben, wie jeder andere auch, ihren Alltag, gehen arbeiten.“ Knapp die Hälfte der 117 Personen, die 2018 zur Drogenberatung in Illertissen kamen, waren Substitutions-Patienten, also Süchtige, die ihr Problem erkannt haben und von den illegalen Substanzen los kommen wollen. Sie holen sich bei Drob Inn ihre von Ärzten verschriebenen Präparate, die sie anstelle von Drogen nehmen. Mit dieser Therapie sollen Abhängige den Kreislauf aus Entzugserscheinungen und Beschaffungskriminalität durchbrechen.

In Illertissen gibt es keine offene Drogenszene

Dass es in Illertissen keine offene, sichtbare Drogenszene gibt, erschwert Beraterinnen wie Laura Fischer die Kontaktaufnahme zu Betroffenen. Der Konsum findet eher zu Hause statt. So versuchen die Abhängigen auch der Stigmatisierung durch die Gesellschaft zu entgehen. Klassisches Streetwork, also auf der Straße unterwegs zu sein und die Leute ansprechen, die möglicherweise ihre Hilfe brachen könnten, funktioniert so nicht ganz so einfach. Trotzdem ist Fischer jeden Freitagabend einige Stunden draußen unterwegs. Wer Fragen hat, könne dort jederzeit einfach auf sie zukommen, sagt die junge Frau. Auch während der offenen Sprechstunde, immer montags von 15 bis 18 Uhr können sich Betroffenen an sie wenden, ohne vorher einen Termin zu vereinbaren. Bei ihrer Arbeit hilft Fischer auch, dass sie selbst aus Illertissen stammt. Sie ist in der Vöhlinstadt aufgewachsen, war zunächst an der Erhard-Vöhlin-Mittschule und hat, während sie ihr Abitur an der Fachoberschule gemacht hat, als Praktikantin im Jugendhaus in Illertissen gearbeitet. Obwohl sie noch nicht lange bei Drob Inn arbeitet, hat sie so schon viele Kontakte.

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In den Beratungsgesprächen, die Fischer mit ihren Klienten führt, kommen viele Themen auf den Tisch. Einerseits wird versucht, im Gespräch die Suchtgeschichte aufzuarbeiten, manche brauchen Unterstützung im Kontakt mit Behörden. Bei all der Hilfe, die Süchtige in der Drogenberatung bekommen, ist es nicht Voraussetzung, dass sie „clean“ werden, also sich den Konsum ganz abgewöhnen, wollen.

Berater richten nicht über die Süchtigen

Für Außenstehende klingt das häufig nicht nachvollziehbar. Sandra Heinzelmann, Leiterin der Drogenberatung im Landkreis Neu-Ulm, erklärt, was hinter dieser Arbeitsweise steckt: Grundpfeiler der Arbeit mit Süchtigen sei Akzeptanz. Dazu gehöre auch, nicht die eigenen Maßstäbe bei anderen anzusetzen und ihnen quasi von oben herab Entscheidungen zu diktieren. Die Berater sollen nicht über die Süchtigen richten. Dafür sei in Deutschland die Justiz zuständig, sagt Heinzelmann.

Info Drob Inn in Illertissen wird von der Diakonie Neu-Ulm betrieben. Weitere Büros im Landkreis gibt es in Neu-Ulm, Senden, Weißenhorn und Vöhringen. Finanziert wird die Drogenberatung in Illertissen zu 25 Prozent von der Stadt und zu 75 Prozent vom Bezirk Schwaben.

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