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Illertissen

18.07.2019

Tabuthema Nahtod: Warum in Illertissen dazu ein Symposium stattfindet

Im kommenden Jahr wird in Illertissen ein Symposium zum Thema Nahtoderfahrungen stattfinden. Organisiert wird die Veranstaltung von der Leiterin der Ambulanten Hospizgruppe, Johanna Nientiedt.
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Im kommenden Jahr wird in Illertissen ein Symposium zum Thema Nahtoderfahrungen stattfinden. Organisiert wird die Veranstaltung von der Leiterin der Ambulanten Hospizgruppe, Johanna Nientiedt.

Plus Im kommenden Jahr steht der 25. April im Zeichen dieses schweren Themas. Betroffene haben dabei Gelegenheit, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Angst. Ungewissheit. Zweifel. Der Tod und der Umgang mit dem Tod sind Tabuthemen, über die in der heutigen Gesellschaft ungern gesprochen wird. „Trotzdem ist großes Interesse vorhanden“, weiß die Koordinatorin der Ambulanten Hospizgruppe Illertissen, Johanna Nientiedt. Der im Januar 2019 im Pfarrheim veranstaltete Vortrag "Dem Leben und dem Tod ganz nah"habe das gezeigt. Trotz sehr schlechter Straßenverhältnisse war der Andrang groß, als Referentin Anita Schlüter aus dem nordrhein-westfälischen Olfen über ihre Nahtoderfahrungen sprach.

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Sterbeforscher und andere Experten sind zu Gast

Nientiedt sagt: „Die Resonanz und Reaktion der Zuhörer sowie der Mut einiger Besucher, selbst von ihren Erlebnissen zu berichten, haben mir signalisiert, wie groß das Interesse ist. Das hat mich bestärkt, diesem Tabu-Thema, um das viele Menschen einen großen Bogen machen, einen Raum zu öffnen.“ Dies soll bei einem Nahtod-Symposium geschehen, das im kommenden Jahr, am Samstag, 25. April, in der Illertisser Schranne stattfindet. Die ganztägige Veranstaltung soll das Thema Nahtoderfahrungen von allen Seiten beleuchten. Neben hochkarätigen Referenten, wie zum Beispiel den bekannten deutschen Sterbeforschern Bernard Jakoby und Joachim Nikolai, sollen auch Menschen zu Wort kommen, die selbst dem Tod bereits nahe waren beziehungsweise Nahtoderfahrungen gemacht haben. Auch die Sicht der Kirche zu diesem Thema wird an diesem Abend durch einen Referenten erläutert.

Johanna Nientiedt

„Ziel des Symposiums ist es, Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen“, sagt Nientiedt. Ihr eigenes Leben sei von Begegnungen mit dem Thema Sterben geprägt gewesen. Als Kind habe sie eine übergroße Angst davor gehabt. Nach dem Ableben ihres geliebten Opas hat sie sich dann mit Büchern über Nahtoderfahrungen beschäftigt. Auch der Tod von lieben Verwandten und Freunden und eigene intensive Erlebnisse mit dem Sterben haben in ihr die Frage nach dem Sinn des Lebens geweckt. Während ihrer langjährigen Tätigkeit als ehrenamtliche Hospizhelferin, Koordinatorin der ambulanten Hospizgruppe und Trauerbegleiterin hat Nientiedt vielfältige Erfahrungen gemacht. „Ich habe gespürt, wie gut es Sterbenden tut, wenn ich ihnen von Erlebnissen anderer berichte und ihnen zumindest eine Ahnung vermittle, wie es nach dem Tod weiter gehen kann.“ Aber auch Gespräche mit den Angehörigen von Verstorbenen sei ihr ein großes Interesse an diesem speziellen Thema signalisiert worden.

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Betroffenen können sich schon jetzt melden

Um beim Symposium am 25. April 2020 eine möglichst große Bandbreite von Erfahrungen ansprechen zu können, wünscht sich Nientiedt, dass sich vorab möglichst viele Menschen mit Nahtod-Erfahrungen bei ihr melden. „Welcher Religionsgemeinschaft jemand angehört oder ob er konfessionslos ist, ist nicht wichtig“, sagt sie. Ihr Hauptanliegen sei es, dass sich bereits jetzt Betroffene bei ihr melden - am besten per E-Mail. „Meine bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass viele Nahtod-Erfahrene Angst haben, über ihre Erlebnisse zu reden. Denn sie befürchten, dass man sie gar für verrückt hält.“ Deshalb versichert Nientiedt bereits jetzt absolute Verschwiegenheit. Selbstverständlich können auch die Berichte und Erfahrungen über Nahtod-Erlebnisse beim Symposium anonym behandelt werden. „Wer aber möchte, kann auch selbst zu Wort kommen“, sagt die Koordinatorin der Illertisser Hospizgruppe.

Und es gibt schon weitere Ideen: Bei genügend Interesse von Betroffenen kann Nientiedt sich in naher Zukunft auch die Gründung einer Selbsthilfegruppe „Nahtod“ vorstellen.

Wer seine Erfahrungen mit dem Thema Nahtod anonym oder offen mit anderen teilen möchte, kann sich per E-Mail an Johanna Nientiedt wenden. Ihre Adresse: jn@hospiz-illertissen.de.

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