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Trailer und Kritik

21.10.2020

"Cortex" neu im Kino: Ein Wachmann zwischen Realität und Wahn

Gefangen in wilden Träumen ist der Wachmann Hagen (Moritz Bleibtreu) in dem Film „Cortex“.
Bild: dpa

In seinem Regiedebüt "Cortex" verneigt sich Moritz Bleibtreu vor Größen des Mystery-Thrillers wie Christopher Nolan und David Lynch. Das verdeckt die Schwächen nicht.

Nachts wacht Hagen (Moritz Bleibtreu) schweißgebadet auf. Er leidet an einer sogenannten Hyposomnie – wilden Träumen, die dem Schlaf seine regenerative Funktion rauben und zu andauernder Übermüdung am Tage führen. Bei seiner Arbeit als Wachmann in einem großen Supermarkt fehlt ihm die notwendige Konzentration und auch die Beziehung mit Karoline (Nadja Uhl) leidet zunehmend unter den Aufmerksamkeitsdefiziten des Ehemannes.

Regiedebüt "Cortext": Moritz Bleibtreu ist ein bekennender Cineast

In seinen Träumen taucht der ihm unbekannte Niko (Jannis Niewöhner) auf, der in die kriminellen Machenschaften seines Bruders Dan (Marc Hosemann) hinein gezogen wird und ins Visier eines Gangster-Triumvirats gerät. In Hagens Visionen dringt Niko immer tiefer in dessen Leben ein. Der junge Mann besucht Karoline in der dermatologischen Praxis, um sich ein Tattoo entfernen zu lassen, und die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Traum und Wirklichkeit verzahnen sich noch tiefer ineinander, als Hagen auf dem Überwachungsbildschirm des Supermarktes Niko erkennt und ihn zu verfolgen beginnt.

Mit „Cortex“ legt Moritz Bleibtreu sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor vor. In seiner umfangreichen Karriere als Schauspieler hat Bleibtreu von der Gangsterballade „Chiko“ (2008) über das Journalistendrama „Die vierte Macht“ (2012) bis hin zum Psychothriller „Stereo“ (2014) schon oft eine Vorliebe fürs Genrekino bewiesen und auch in „Cortex“ spürt man in jeder Filmminute den Atem eines bekennenden Cineasten. Vor allem in visueller Hinsicht wirkt Bleibtreus Mystery-Thriller sehr ambitioniert. Kunstvoll verschwimmen auf der Bildebene die Grenzen zwischen Realität und Wahn, verwandeln sich die schmuddeligen Ecken der Hansestadt Hamburg in seine stilvolle Noir-Kulisse, bestimmen unmerklich verschobene Kamerawinkel den halluzinatorischen Charakter einer Szene. In zahlreichen Zitaten verneigt sich Bleibtreu vor den großen Regisseuren des Mystery-Genres wie Christopher Nolan und David Lynch, aber auch vor dem König des anspruchsvollen Gangster-Small-Talks: Quentin Tarantino.

Der Eifer und Enthusiasmus, mit dem Bleibtreu hier visuell und dialogisch zu Werke geht, verdient Respekt, täuscht aber nur unvollständig über die inhaltlichen Schwächen des Films hinweg, dem es zunehmend an dramaturgischer Stringenz und relevantem Subtext fehlt.

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