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Porträt
26.10.2021

"Er ist wieder da"-Autor Timur Vermes mit mutigem neuen Roman

Timur Vermes erzielte seinen größten Erfolg mit dem Buch "Er ist wieder da" über Adolf Hitler.
Foto: Christopher Civitillo

Timur Vermes ist ziemlich sensationell in seine zweite Karriere gestartet. Jetzt legt er seinen dritten Roman vor: "U". Und traut sich wieder ganz schön was.

Die erste Pointe setzt sich quasi von selbst, sie lautet: Er ist wieder da. So hieß ja der Roman, mit dem der ungarischstämmige Journalist Timur Vermes vor bald schon zehn Jahren phänomenal in seine zweite Karriere startete, als er Hitler in die Gegenwart hinein auferstehen ließ und damit samt Kinoverfilmung und Hörbuch gleich einen dreifachen Volltreffer landete. Und ab diesem Donnerstag ist der 54-Jährige selbst mit einem neuen, seinem inzwischen dritten Roman: wieder da! Ziemlich abgedroschene, einfalls- und mutlose Pointe?

Das kann man vom gebürtigen Nürnberger, der den Übergang vom Boulevard-Journalismus zum Romancier als Ghostwriter etwa für den „Tatortortreiniger“ gestaltete, nun eben nicht sagen. Traute sich als studierter Historiker und Politikwissenschaftler nach der so witzigen wie klugen Führer-Groteske ja auch den Roman zur Flüchtlingskrise zu: „Die Hungrigen und die Satten“, 2018. In dem er die nächste Migrationswelle aus Afrika über den Balkan Richtung Europa beschrieb. Und dabei nicht nur die Situation an der deutschen Grenze maximal eskalieren ließ, sondern auch noch einen CSU-Innenminister zum Vordenker der einzig möglichen Lösung machte – und daraufhin zum Opfer eines Anschlags.

Neues Buch von Timur Vermes heißt "U"

Was soll da nun kommen? Klima? Terror? Oder etwa eine weitere Auferstehung Hitlers, wie sie der Autor im Gespräch mit unserer Redaktion mal für sehr gut möglich hielt – ist er doch auch Verehrer der großartigen fünfteiligen Romanserie um Harry „Rabbit“ Angstrom, in dessen Leben der US-Autor John Updike alle zehn Jahre blickte und damit über fünf Jahrzehnte die Gesellschaft bespiegelte? Nein, Timur Vermes’ neues Buch heißt „U“ (Piper, 160 Seiten, 15 Euro), ist etwas ganz anderes, aber doch wieder ein Wagnis, wenn auch diesmal ein stilistisches.

Erzählt wird eine Art Mystery-Thriller, in dem eine Frau und dazu ein ihr unbekannter Mann am späten Abend in eine U-Bahn steigen, die auch losfährt, aber nicht mehr anhält, bis auch noch das Licht ausfällt, also tief ins Dunkel fährt … Aber wie er das – der Comic-Liebhaber Vermes – macht! Es ist ein reines Stakkato des Gedachten und Wahrgenommenen.

Nichts geht mehr.

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Nichts.

Er mit großen Augen.

Displayblau glänzt darin.

Licht verlöscht.

Sitzen.

Warum auch nicht?

Macht keinen Unterschied: „Ich weiß nicht, was ich noch tun soll.“

(...)

Lärmstille.

Und plötzlich: Licht.

Das Erstaunliche ist: Es funktioniert! Wie alle literarischen Wagnisse von Vermes bislang. Dass es diesmal kein Knallerthema ist, das Aufmerksamkeit garantiert: Dem verheiratet in München lebenden Autor gibt der bisherige Erfolg sicher die Freiheit, einfach die Erzählexperimente zu unternehmen, die ihn reizen. Pointe: Ein Buch wie ein Albtraum als Beweis für ein Schriftstellerleben wie ein Traum.

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