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Genuss
09.07.2022

Freude, Fluch und Früchte - Kirschen sind einfach das tollste Obst des Sommers

Die Kirschernte kann reichlich ausfallen, liefert dann aber auch Hände voll Geschichten.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa-tmn

Kirschen sind ein heimisches Luxusobst. Sie lehren einen Demut, sind mythenumrankt und können einen auch schier in den Wahnsinn treiben. Eine Liebesgeschichte in einer Handvoll Anekdoten.

Die alten Römer sind schuld, dass diese Geschichte hier so steht und auch, dass jedes Jahr im Juni/Juli ein Kirschbaum in Augsburg seiner Besitzerfamilie eine Mischung aus Verzückung und Verzweiflung beschert. Denn es war so: Durch den Feldherren Lucius Licinius Lucullus hat es die Süßkirsche erst in die Champions League der europäischen Früchte geschafft. Zuvor war hierzulande nur ihre Verwandte, die erbsengroße Wilde Vogelkirsche, verbreitet, und deren süß-bitterer Geschmack ist nun wirklich nicht Bestseller-tauglich. Die Früchte hätten getrost weiterhin die Vögel bekommen dürfen, nomen est omen.

Die Römer verteilten die Kirschen in Europa

Lucullus aber kam, schmeckte und nahm die Kirsche dann aus der Gegend um die Schwarzmeerküstenstadt Kerasos (heute Girseun) mit nach Rom. Das soll 74 vor Christi Geburt gewesen sein. Die römische Bevölkerung sei wohl auch schnell auf den süßlich-säuerlichen Geschmack gekommen und wollte die kleinen, runden, roten Süßfrüchte auch in anderen Teilen des Römischen Reiches essen. Keine 100 Jahre später wuchsen dann sogar schon Süßkirschbäume in Britannien, heißt es. Sicher ist: Rund 2000 Jahre später entstand auch jener Baum aus einem kleinen Kirschkern, der inzwischen der Boss im Garten ist und im Sommer Menschen, Vögel und Insekten auf Trab hält.

"Mundraub ist kein Klauen", sagten die Erwachsenen

Bevor es um ihn und seine Macht oder Mächtigkeit geht, erst einmal ab in die 1990er Jahre zu Uschi und Werner nach Grünendeich, Altes Land, bei Hamburg. Die beiden wussten damals schon, dass so ein Baum Freude, Fluch und Früchte bedeuten kann und machten jedes Jahr das Beste draus: Kirschenschlacht mit befreundeten Familien. Das hieß: Kirschen satt, den ganzen Tag, nicht nur an ihrem Baum, auch an anderen im Kirschanbaugebiet an der Elbe. Freihändig radelten die Freunde mit dem Rad unter den Bäumen entlang, die neben dem Radweg am Deich wuchsen, über sich die schwarzen Lederkirschen Sorte Knubber pflückend, und gleich ab in den Mund. „Mundraub ist kein Klauen“, sagten die Erwachsenen (zugegeben, es waren keine Juristen dabei).

Das Bauchweh kommt von den Hefepilzen

Und wenn die Schlaraffenland-Radtour vorbei war, wurde auf Uschis und Wernis Baum im Garten weitergepflückt. Mit Leiter natürlich, Ästeklettern war streng verboten, Kirschbaumäste sind zu unsicher, Bruchgefahr, weiß ja jedes Kind. Als der Bauch schon voller Kirschen war, servierte Uschi noch ihren legendären badischen Kirschenplotzer, einen Kirschkuchen für pragmatische Bäckerinnen und Bäcker: Da werden Kirschen samt Kern und mit alten Brötchen, äh, pardon, Semmeln verbacken. Wir Kinder fanden das prima, weil dieses Backwerk auch gleich automatisch ein Kirschkernweitspucken intus hatte. Mit Uschi und Werner war wirklich gut Kirschen essen.

Der Badische Kirschenplotzer ist besonders gut, wenn die Kirschen mit Kernen verarbeitet werden.
Foto: Stock.adobe.com

Gibt es eigentlich noch ein Obst, mit dem so viel Nostalgie, Kindheitserinnerungen verbunden sind? Darüber wird freilich keine Statistik geführt. Aber vom Bauchgefühl her: klares Nein. Das Erinnerungskörbchen ist voll: Kirschpaare über den Ohren, Zu-viele-Kirschen-gegessen-Übelkeit, blaue Fingerspitzen, weit gespuckte Kerne, runtergeschluckte auch, Erwachsene, die Kinder vor der Formel Kirschen + Wasser = Bauchschmerzen warnen. Die Hefepilze auf der Schale fehlen in der Gleichung, denn die sorgen laut Bundeszentrum für Ernährung für Gärung im Magen und so für Blähungen, übrigens auch ohne Wasser.

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Die Larven der Kirschfruchtfliege sind nervige Proteinbeilage

Dennoch hält sich die unvollständige Formel mindestens so hartnäckig wie die Puppen der Kirschfruchtfliege im Boden rund um einen befallenen Kirschbaum. Igitt. Kaum nehmen die Kirschen etwas Farbe an, legt Rhagoletis cerasi Eier hinein, aus denen kleine Larven schlüpfen, die sich durch das Fruchtfleisch fressen und jedem Kirschenesser den Appetit verderben. Dabei wollen sie eigentlich nur auf den Boden fallen, sich in der Erde verpuppen und neue Kirschfruchtfliegen werden. Immerhin lassen sich die Larven durch ein Kirschenbad in kaltem Wasser herauslocken. Wer beim Pflücken also etwas Geduld hat, nicht gleich von der Hand in den Mund vernascht, bekommt die Kirsche dann zwar mit Loch, aber wenigstens ohne sich windende Proteinbeilage. Und keine Sorge: Sollte sich doch mal eine in den Magen verirren, macht die Magensäure ihr den Garaus.

Im Kirschbaum wohnen die Geister

Hätte es bei Uschi und Werner im Garten noch ein Lagerfeuer gegeben, hätten wir uns auch noch köstlich über Knubber und Co. unterhalten können, schließlich ist die Kirsche mythenumrankt. Im Kirschbaum wohnen die Wald- und Baumgeister, hieß es einst, wohl kurz nach den Römern. Bei Vollmond sollen die Feen und Elfen um den silbrig schimmernden Stamm tanzen. Beobachten verboten, weil, klar, bringt Unglück. Die alten Griechen weihten Kirschbäume angeblich der Jagd-Wald-Geburt-Mond-Göttin Artemis. In Japan gelten Kirschen als Früchte des Himmels.

Die Zweige galten als Orakel

Auch Bayern hat für die Geschichtenkiste etwas zu bieten: die Barbara-Zweige. Am Tag der heiligen Barbara, am 4. Dezember, werden Kirschzweige abgeschnitten und als Orakel im Warmen ins Wasser gestellt. Erblühen sie bis Weihnachten, soll das Glück bringen, keine Blüten bis 24. 12., oh oh … Angeblich sollen einst Mädchen auch noch Namen junger Männer an jeden Ast gehängt haben, der Zweig, der zuerst blühte, soll der mit dem Namen des künftigen Bräutigams sein.

Sogar nicht abergläubige Menschen erfahren an einem Kirschbaum Lektionen fürs Leben. Wenn sich nach den Kugeln gestreckt wird, komm, ein Zentimeter noch, die eine, die muss es auch noch sein, so schön dunkelrot, glänzend, perfekt, aber was, wenn es ein Zentimeter zu viel ist? Die einen werden es in luftiger Höhe riskieren, zu groß die Verlockung, die anderen demütig verzichten, denn die Kirsche erinnert einen bei der Ernte mitunter an die eigene Endlichkeit.

Und dann ist da noch der Kirschbaumfatalismus: Einmal Frost, zu viel Regenzu wenige Bienen in der Blütezeit – das war’s mit der Ernte. Da ist dann nichts mehr zu machen. Erdbeeren können nachgepflanzt werden, eine spätere Sorte – bei Kirschen gibt’s dann einfach nur Verzicht. Oder teures Flug- und Lasterobst.

Nicht sicher verfügbar, aufwendig anzubauen und zu ernten – die Kirsche ist das Luxusobst aus unseren Breiten, kein Massenprodukt wie die Erdbeere. Wobei alle professionell geernteten (Süß- und Sauer-)Kirschen zusammen schon Masse haben, 54.700 Tonnen kommen heuer wohl von deutschen Bäumen, schätzt das Statistische Bundesamt. 2021 waren es 38.400 Tonnen. Heuer ist also ein gutes Kirschenjahr.

Das macht sich auch an besagtem Augsburger Baum bemerkbar, rund zehn Meter hoch und ziemlich alt. Die Statistik seiner Kirschenschlacht: 8 Menschen (Kirschbaumfest fiel wegen Corona aus), 3 Tage Ernte, 6 Wäschekörbe voller Kirschen (es wären noch mehr drin gewesen, aber die Demut und die Vögel), 1 Kilogramm entsteint (Kerne weggeworfen, keinen Nerv mehr auf Selfmade-Kirschkernkissen gehabt), 10 Gläser Kirschmarmelade, 20 Gläser Kirschgelee, 6 Gläser Kirsch-Espressogelee, 6 Liter Kirschsirup, Kirschchutney wäre noch schön gewesen, den Rest der rotschwarzen Masse aber einfach entnervt fluchend mit Steinen eingeweckt (wie Oma einst).

Schon Oma hat Kirschen eingekocht, eine prima Möglichkeit, massenweise roten Kugeln für den Winter haltbar zu machen.
Foto: stock.adobe.com

Wäre es nicht 22 Uhr am Abend gewesen und der Kirschverarbeitungsakku im roten Bereich, hätten wir noch Uschi angerufen und nach einem anderen pragmatischen Kirschenmassebewältigigungsrezept gefragt. Kirschenplotzer fiel flach, keine Semmeln. So ist das jedes Jahr: Luxusprobleme mit Luxusfrüchten, drei Tage Ausnahmezustand, schier zum Verrücktwerden. Jetzt Verschnaufpause bis 2023, wenn’s hoffentlich wieder losgeht mit den Kirschen. Hurra.

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