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  3. Otfried-Preußler-Gymnasium in Pullach: Meinungen zur Umbenennung

Debatte um Kinderbuchautor
05.04.2024

Umbenennung von Otfried-Preußler-Gymnasium: Die kleine Hexenjagd

Kinderbuchautor Otfried Preußler, hier 1998 in seinem Haus in Haidholzen, ist zum Streitfall geworden.
Foto: Ursula Düren, dpa

Verherrlichte der Kinderbuchautor die Hitlerjugend? So sehen das viele Schüler, Lehrkräfte und Eltern in Pullach. Ein Besuch vor Ort zeigt: Man kann das durchaus differenzierter sehen.

Am Gymnasium in Pullach läuft die letzte Schulstunde vor den Osterferien. Eine überpünktliche Mutter wartet bereits in einem E-Auto vor dem Schultor, während zwei Oberstufenschülerinnen an den überfüllten Fahrradständern gemächlich nach einem freien Platz suchen. Über dem Haupteingang ihrer Schule prangt das Corpus Delicti, ein Schriftzug, grau auf Schwarz: Otfried-Preußler-Gymnasium. Nach einer überhitzten Debatte über die Namensgebung der Schule glätten sich die Wogen so langsam. Zeit, die Dinge einmal in Ruhe zu betrachten.

"Zeitgeistkonformität", "Cancel Culture", "Hexenjagd" – auf die Schule in der kleinen Gemeinde südlich von München ist einiges eingeprasselt in den vergangenen Wochen und Monaten. "Ich finde es erstaunlich, wie reflexhaft die Leute eine Meinung zu dem Thema haben", sagt Marion Kraus. Die Pullacherin steht im Ortskern vor dem offenen Bücherschrank, aus dem man sich kostenlosen Lesestoff nehmen kann. "Ich bin selbst Lehrerin und Germanistin. Über die Osterferien habe ich mir vorgenommen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und mir dann eine fundierte Meinung zu bilden." 

Wenn es nach Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern geht, soll der umstrittene Name des Pullacher Gymnasiums weichen.
Foto: Wolfgang Maria Weber, Imago

Das Thema, von dem sie spricht, ist folgendes: 2014 benannte sich das damalige Gymnasium Pullach in Otfried-Preußler-Gymnasium um. Die Schulleiterin, deren Vater offenbar ein Freund des Kinder- und Jugendbuchautors war, hatte sich mit diesem Vorschlag gegen die Mehrheit des Gemeinderates durchgesetzt. Nun, zehn Jahre später, soll die Schule nach dem Willen von Schülern, Eltern und Lehrerschaft wieder rückbenannt werden. Auslöser ist unter anderem "Erntelager Geyer", ein Frühwerk des Schriftstellers, in dem Preußler die Hitlerjugend verherrlicht und mit dem er sich nach Ansicht der Schule nie kritisch auseinandergesetzt hat. Über fünf Jahre haben zwei Lehrer gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern in einer Arbeitsgemeinschaft zur NS-Vergangenheit Otfried Preußlers geforscht und über sein (Lebens-)Werk diskutiert. Und dann entschieden, dass die Schule seinen Namen nicht mehr tragen soll.

"Ich weiß nicht so recht, was im Pullacher Gymnasium für eine Vorstellung von der Zeit des Nationalsozialismus und jenen Jahrgängen existiert, die in die Vernichtungsmaschinerie der Nazis als junge Leute hineingezogen wurden", sagt Literaturwissenschaftler Carsten Gansel zu den Diskussionen. Für seine Biografie "Kind einer schwierigen Zeit. Otfried Preußlers frühe Jahre" hat er sich mit "Erntelager Geyer" beschäftigt und im privaten Nachlass und öffentlichen Archiven zur Jugendzeit Preußlers recherchiert. "Wir sollten nicht vergessen: Otfried Preußler war Jahrgang 1923, in der Hitlerjugend waren Ende der 1930er-Jahre, soweit ich mich erinnere, um die 90 Prozent der Jungen organisiert. Das war im Sudetenland nach dem Anschluss an Hitlerdeutschland nicht anders", versucht Gansel einzuordnen. 

Er befindet sich derzeit im Ausland und beantwortet Fragen zur "Causa Pullach" per E-Mail. Man könne kaum von "Nazi-Karrieren" im Stile eines Heinrich Lübke – ehemals Bundespräsident – oder Hans Filbinger, früherer baden-württembergischer Ministerpräsident, sprechen. Sie seien zum damaligen Zeitpunkt älter und stärker in Strukturen des sogenannten Dritten Reichs wie NSDAP, Schulen, Gerichte oder Militär verstrickt gewesen als der junge Preußler. Und was Gansel auch für wichtig hält: "Wir sollten uns vor Augen führen, dass erst ab etwa Ende der 1970er-Jahre eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit dem Handeln im Dritten Reich begann. Es ging in der Folgezeit zudem um den Holocaust. Sich über eine HJ-Mitgliedschaft überhaupt Gedanken zu machen, ich glaube, das hat man in den betroffenen Jahrgängen damals und auch nach 2000 nicht getan", schreibt Gansel. Es habe einfach als "normal" gegolten, in die Hitlerjugend einzutreten. "Preußler sah keinen Grund, sich zu erklären."

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Otfried Preußlers Familie kommt aus dem Sudetenland

Nicht öffentlich, aber auch nicht privat in der Familie sprach Otfried Preußler über seine Jugendzeit in der Diktatur, erinnern sich Susanne Preußler-Bitsch, die jüngste der drei Töchter des Schriftstellers, und ihr Sohn Lorenz Bitsch. Letzterer arbeitet ebenfalls im Literaturbüro Otfried Preußler, das die promovierte Historikerin Preußler-Bitsch seit über 25 Jahren leitet. Seit dem Tod ihres Vaters zeichnet sie als Testamentsvollstreckerin auch für den literarischen Nachlass verantwortlich. "Bei uns in der Familie war mehr die Vertreibung das Thema", erinnert sich Preußler-Bitsch. 1945 mussten die Familien ihrer Eltern die Stadt Reichenberg im Sudetenland, das heutige Liberec in Tschechien, verlassen. Über Umwege kamen sie nach Oberbayern, wo Otfried Preußler nach der Entlassung aus der russischen Kriegsgefangenschaft zu ihnen stieß. 

Otfried Preußler 2010 mit seiner Tochter Susanne.
Foto: Peter Kneffel, dpa

Dass man sich am Gymnasium in Pullach intensiv mit ihrem Vater auseinandersetzt, findet die Historikerin grundsätzlich wichtig. Probleme habe sie aber, "wenn mit dem heutigen Blick etwas eingefordert wird, das damals kein Thema war. Ich finde es falsch, wenn jede Generation sich das Recht nimmt, mit ihrer eigenen Brille über Geschichte zu urteilen, ohne die Dinge in den notwendigen zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen." Vor allem, wenn dies zu Schlüssen führe, die auf falschen Tatsachenbehauptungen basierten und zum Teil auf fragwürdigen Quellen – wie sie es im Falle der schulischen Forschungen sieht. 

Enkel von Otfried Preußler ist fassungslos über "Stilisierung" seines Großvaters

"Es ist schon einzigartig, wie mein Großvater in Pullach zu einem Nazi-Kader stilisiert wird", ergänzt Lorenz Bitsch, "und diese Auffassung wird nirgendwo in der Wissenschaft geteilt." Vielmehr seien sich alle einig, dass die Aufarbeitung seiner Jugend im Nationalsozialismus ein Lebensthema Otfried Preußlers gewesen sei, das er immer wieder literarisch verarbeitet habe – am deutlichsten in "Krabat", aber auch in der "Kleinen Hexe", in der es laut Bitsch "um Wertvorstellungen geht, die bis heute Gültigkeit haben: Respekt, Liebe, Toleranz und eine klare Ablehnung des Verrats, des Missbrauchs und der Denunziation".

Aber dazu gibt es in Pullach eben andere Ansichten.

Susanne Preußler-Bitsch, Tochter des Schriftstellers Otfried Preußler, mit dessen Buch: "Der Räuber Hotzenplotz".
Foto: Armin Weigel, dpa

Die Pullacher Kulturamtsleiterin Hannah Stegmayer schaut zwiegespalten auf die Sache. "Ich finde es bemerkenswert, dass sich die Schüler so mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzen", sagt sie, "aber für eine Literaturdebatte taugt der Preußler überhaupt nicht." Die Diskussion sei völlig aus dem Ruder gelaufen. "Die Leute wollten einfach mal wieder über Political Correctness sprechen. Wer den Anlass dafür gibt, spielt überhaupt keine Rolle." Wie die Schule findet auch Stegmayer, dass Preußler, anders als Günter Grass, sich nie mit Nazideutschland auseinandergesetzt habe: "Der hat harmlose Kinderbücher geschrieben. Nicht einmal 'Krabat' nehme ich davon aus."

Zu Pullach hatte Preußler keine Verbindung

"Gecancelt", also ausgelöscht, wie von vielen auch aus rechten Kreisen behauptet, wird der Autor in Pullach aber nicht. Das Theater Fiesemadände spielt im Bürgerhaus Pullach Ende April "Hörbe mit dem großen Hut". Und auch in der örtlichen Buchhandlung stehen "Die kleine Hexe" und "Das kleine Gespenst" weiterhin ganz vorn im Kinderbuchregal. Vor der Buchhandlung steht der Pullacher David Rampel: "Ich habe Freunde, die auf die Schule gegangen sind. Die konnten mit dem Namen nie etwas anfangen, darum ist denen das Ganze auch völlig egal."

So wie Rampel und seinen Freunden scheint es vielen Pullacherinnen und Pullachern zu gehen. Wenn, dann geht es eher um die Kosten, die die mögliche Umbenennung verursachen wird. Anwohner Wolfgang Kässer findet, dass man diese Kosten hätte verhindern können, wenn man die Diskussion vor der ersten Umbenennung geführt hätte: "Jetzt hat man immerhin die Möglichkeit, den Fehler wieder gutzumachen, dass man überhaupt ein Gymnasium nach einem Kinderbuchautor benannt hat, der mit der Stadt keinerlei Berührungspunkte hatte." Das ist noch so ein Aspekt: Preußler lebte lange in Haidholzen im Kreis Rosenheim und starb 2013 in Prien am Chiemsee, zu Pullach gibt es in seiner Biografie keine Verbindung.

Jetzt befasst sich das Kultusministerium mit dem Fall Preußler

Wie das Gymnasium künftig heißt, entscheidet in letzter Instanz das Kultusministerium. Der Antrag auf Umbenennung werde zurzeit geprüft, teilt eine Sprecherin mit. Mit einer Entscheidung sei in den nächsten Wochen zu rechnen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Ministerium vor eine Entscheidung dieser Art gestellt sieht. 

Wie umgehen mit Persönlichkeiten, die einst als vorbildhaft galten, aber der kritischen Auseinandersetzung der Geschichte nicht mehr standhalten? 2014 wurde das Wernher-von-Braun Gymnasium im Kreis Aichach-Friedberg in Staatliches Gymnasium Friedberg umbenannt. Auch damals hatte es weit über Friedberg hinaus hitzige öffentliche Diskussionen gegeben, ob sich der Raketenpionier wegen seiner Verstrickungen in das Nazi-Regime als Namensgeber eines Gymnasiums eignet. Oder der Komponist Werner Egk. Er war Namensgeber einer Grundschule in Augsburg. 2019 entschied der Stadtrat, den Namen zu ändern, weil Egk als Nutznießer und Repräsentant der Nationalsozialisten galt. 

Lorenz Bitsch, Enkel des Schriftstellers Otfried Preußler.
Foto: Birgit Müller-Bardorff

Die Person Otfried Preußler, seinen Wert als großer Kinderbuchautor, sehen viele Menschen offenbar nicht beschädigt, auch wenn sein Name in jüngster Zeit öfter im Zusammenhang mit der Hitlerjugend als mit seinen Büchern fiel. Enkel Lorenz Bitsch erzählt von vielen Solidaritätsbekundungen von Lehrern, Bibliothekarinnen, Buchhändlern und Leserinnen. 

Die Fahrradständer an der Schule sind mittlerweile leer an diesem letzten Schultag vor den Osterferien. Nur eine Handvoll Jugendlicher steht noch auf dem Pausenhof im Kreis und läutet die freie Zeit mit lauter Partymusik ein. Wenn das Kultusministerium es zulässt, gehen sie im kommenden Schuljahr nicht mehr aufs Otfried-Preußler-Gymnasium, sondern wieder auf das Staatliche Gymnasium Pullach.

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05.04.2024

(edit/mod/NUB 7.2)

05.04.2024

(edit/mod/NUB 7.3)

05.04.2024

Wann werden denn die Richard-Wagner-Gymnasien umbenannt? Das erscheint mir deutlich dringlicher, wenn man auf dem Pfad unterwegs sein will.

05.04.2024

Man kann dazu nur sagen die Vergangenheit lässt sich nicht ändern.. auch wenn man sich noch so sehr bemüht alles was einen Namen , ein Bild hat, aus unserem Gesichtsfeld zu entfernen, verschwinden zu lassen. Es ist weder in unser Leben gewesen, noch ist es das der anderen Leben gewesen.. ES WAR VOR UNSER ALLER ZEIT und sollte dort bleiben.. ändert die Namen in Pumukel, Jupiter Gymnasium usw.. aber hört endlich mit diesen Verändern auf, wo die meisten nicht mal wissen wer diese Männer und Frauen waren.. Es ist wie auch PETER B. sagte.. es Deutsche Vergangenheit, Geschichte.. und sollte wenn dann auch, zur Mahnung dienen.
Wir sollten im Jetzt leben, um Heute schlimmeres zu verhindern.. !!! sonst schreiben wir ab Morgen eine ganz neue Geschichte...

05.04.2024

Wer negative Entwicklungen in der deutschen Geschichte ausblenden will, wie in diesem Fall, verfälscht die Historie Deutschlands und gehört bestraft. Man kann Geschehenes nicht ungeschehen machen. Auch die Erinnerung an negative Entwicklungen braucht ihren Platz im Alltag in Deutschland, zur Mahnung um negativem in Zukunft keinen Platz zu geben.

05.04.2024

Solche Diskussionen werden doch meist nur von narzisstisch veranlagten Mitbürgern (ich gendere nicht mehr!) initiiert, die sich selbst wichtig machen möchten und nach Medienpräsenz suchen. In diesen Fall nun geht es um Preußler, ein anderes Mal um das Lied "Einst ging ich am Strande der Donau entlang" und, und, und - die Liste ist lang. Es gibt in unserer Gesellschaft mittlerweile einfach zu viele Wichtigmacher, die glauben, dass sie alleine die Weisheit mit Löffeln gefr...en haben.

05.04.2024

Dem kann man nur noch hinzufügen, dass es leider auch entsprechende Massen gibt, welche kommentarlos diesen folgen.

04.04.2024

Leider wird es immer bizarrer mit solchen unsäglichen Debatten. Was kann man diesem Mann anlasten, außer dass er 1923 geboren wurde und wie nahezu alle seiner Altersgenossen in einer HJ-Organisation war, als Jugendlicher eine Art Leitfaden zu dieser Organisation verfasst hat und an der Front kämpfen musste, bevor er später als talentierter Schriftsteller hervorragende Kinderbücher verfasste.

Man könnte sogar sagen, dass es höchst unangebracht und verlogen ist, aus der Perspektive der heutigen Generationen, die in einer freiheitlichen Demokratie leben, sich ein Urteil zu erlauben über Menschen, die in der NS-Zeit oder zum Teil auch in der DDR aufgewachsen sind und einem völlig anderen gesellschaftlichen Druck durch ein totalitäres Regime leben mussten.

Mag man noch ein gewisses Verständnis dafür haben, dass privilegierte Eliten, Spitzensportler oder Schauspieler nicht opportunistisch-fröhlich mit Nazigrößen hätten vom Balkon winken müssen, um ihre Karrieren zu pushen. Man kann dies heute sicherlich als unmoralisch anprangern und Kasernen, Schulen und Straßen umbenennen, wenn man dies denn möchte. Aber selbst bei diesem Personenkreis sollte man mal die Perspektive und deren Alternativen nicht völlig außer acht lassen.

03.04.2024

War es nicht im Zuge der Großen Säuberung unter Stalin, dass alle Gruppenfotos, die Trotzki zeigten, eine Wegretusche dieses seines Gegenspielers erfuhren? Ich entsinne mich, dass wir als Schüler im Geschichtsunterricht ob dieser Auslöschung nicht genehmer Zeitgenossen ziemlich empört waren. Jetzt geschieht wieder Vergleichbares. Zunehmend. Und wieder haben diejenigen recht, die es sich zeitgeistlich (nicht zeitgeistig oder nur geistig) nehmen, und zwar im Kostüm ihrer speziellen, unübertrefflich sensiblen Moral.

Ob die lokale Verbundenheit des Kinderbuchautors zu Pullach für die Benamsung eines Gymnasiums bedeutsam sein soll, sei mal dahingestellt. Ich war auf der Humboldtschule zu Essen, wo die Gebrüder zeitlebens nie aufschlugen, das war aber für uns kein Problem. Mir dachte nur sogleich: der arme Otfried! Warum hat er sich nicht am frühen Christenverfolger Saulus ein Beispiel genommen, der sich nach seiner Konversion zum Christentum energisch vom Judentum gelöst und als Völkerapostel das Christentum als weitaus eifrigster all seiner Zeitgenossen verbreitet hatte? Vielleicht war Preußler einfach nicht so ungestüm wie Paulus, der ja gewiss einiges an Wiedergutmachungsbedarf in sich verspürt hatte – zu Recht. Aber beide waren wohl zu unterschiedliche Naturen. Und Atheisten haben, denke ich, mit Paulus’ Vermächtnis erheblich mehr Probleme als mit Otfried Preußlers und innerhalb der Auslöschungslogik mehr Anlass zu des ersteren Retuschierung, aber eben noch nicht das zeitgeistliche Oberwasser dafür.

Jedenfalls möchte ich mir das Recht ausbedingen, nach meinem Ableben nicht von den Nachgeborenen nach deren moralischen Grundsätzen beurteilt zu werden – es sind nicht meine, ich kenne die auch noch gar nicht. Wer weiß schon, welche es sein werden. Letzteres gilt auch für jene wachsamen Tugendapostel unserer Zeit, die jetzt noch so eifrig ihres namentlichen Ikonoklastizismus pflegen. Vielleicht werden sie dermaleinst als mimotische Pflänzlein unter uns Fürzchen im Weltall verschrien sein. Wer weiß.

02.04.2024

Ich möchte wissen, wie viele Deutsche NICHT in der Hitlerjugend oder dem weiblichen Pendant waren. Und wie es für Familien ausgesehen hat, die ihre Kinder NICHT in diese Organisationen gehen ließen. Während man heute einen Kinderbuchautor verurteilen möchte, der als Teenager in der HJ war, treiben die Rechtsextremen in Deutschland ungeniert und unbehelligt ihr Unwesen. Während Höcke über das Ausschwitzen und Krah über Remigration schwadronieren und eindeutige völkische Tendenzen offenbaren, soll der Autor der "kleinen Hexe" an den Pranger? So ein Blödsinn.

02.04.2024

Ich weiss was mit Preußler und seiner Familie passiert wäre wenn er nicht zur HJ gegangen wäre....
War nicht auch Kardinal Ratzinger Flakhelfer? Tausende mussten dort mitgehen...Auch die Grenzschutzsoldaten in der DDR darf man nicht vergessen.

02.04.2024

Werner von Braun war 11 Jahre älter, volljährig, SS-Sturmbannführer, Mitglied der NSDAP, hat bei den Nazis die Entwicklung von neuen Raketen verantwortet und trägt eine Mitverantwortung am Tod von 12.000 Zwangsarbeitern und 8.000 weiteren Menschen, die im Zuge der Entwicklung der V2 Rakete starben. So weiß es zumindest Wikipedia. Das kann und sollte man nicht mit einem 17 jährigen Preußler gleichsetzen, der ein Buch über die HJ geschrieben hat und nicht in der von der Pullacher Schulgemeinde geforderten Art und Weise sich dafür entschuldigt hat. Dass die Einschätzung der Pullacher Schulgemeinschaft in der Wissenschaft nicht geteilt wird, ist schon sehr bezeichnend.
Ich bin gespannt wie das von den FW geführte Ministerium sich zu dieser Initiative aus der Münchner Vorstadt positioniert.

01.04.2024

Typisch Deutschland

Es sei hier an Günter Grass erinnert, der fast bis zum Schluß seines Lebens seine Waffen-SS--Angehörigkeit absichtlich und bewußt verschwiegen hatte - denn Grass wollte seine Karriere als linke Schriftsteller-Ikone nicht gefährden

Wieviele Schulen mögen immer noch nach Grass benannt sein?

Und dabei war Grass Mitglied der Waffen-SS und wußte damalas, anders als er später behauptete, ganz genau, wo er da war.
Mann mußte nicht zur Waffen-SS gehen, man konnte sich auch zur Wehrmacht versetzen lassen - was Grass aber nicht wollte!

Was hat das nun mit Preußler zu tun?

Dieser war nur - wie Millionen anderer Jungen und Mädchen - bei der Hitlerjugend und dem Bund deutscher Mädchen.

Wie gesagt - wieviele Schulen sind noch nach Grass benannt ?!

01.04.2024

"... wenn mit dem heutigen Blick etwas eingefordert wird, das damals kein Thema war. Ich finde es falsch, wenn jede Generation sich das Recht nimmt, mit ihrer eigenen Brille über Geschichte zu urteilen, ohne die Dinge in den notwendigen zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen."
Genau dies trifft es auf den Punkt. Unsinnige, gefährliche und unnötige Political Correctness.
Zusammenfassend: "Die Leute wollten einfach mal wieder über Political Correctness sprechen."
Wie weit ist es mittlerweile in Deutschland gekommen?

01.04.2024

@FRANZ X. Dem ist nichts hinzuzufügen, analysiert das Problem im vollen Umfang, trifft den PUNKT und ins SCHWARZE (man kann auch sagen WEISSE, wenn man möchte)