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Landsberg/St. Ottilien

23.01.2019

Angeklagter unter Drogen: Prozess gegen Schmuckdieb platzt

Über den Diebstahl von Schmuck im Wert von über 30.000 Euro sowie Bargeld im Exerzitienhaus in St. Ottilien wird vor dem Landsberger Amtsgericht verhandelt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Weil er im Kloster St. Ottilien Schmuck im Wert von über 30.000 Euro erbeutet haben soll, steht ein 40-jähriger Mann vor Gericht. Warum es vorerst nicht viel zu verhandeln gibt.

Schon nach einer halben Stunde ist am heute Morgen im Landsberger Amtsgericht die Hauptverhandlung gegen einen 40-jährigen Mann aus Augsburg ausgesetzt worden. Es bestanden „erhebliche Zweifel“, ob er dem Verlauf der Verhandlung folgen könne. Das Schöffengericht legt einen neuen Termin fest. Dabei muss sich der Angeklagte, der mit 25 Minuten Verspätung im Gerichtssaal eintraf, wegen zwei Diebstählen, die er im September 2017 in einem Appartement des Exerzitienhauses der Erzabtei St. Ottilien verübt haben soll, verantworten.

Das hat die Polizei im September 2017 gemeldet: Diebe erbeuten Schmuck im Wert von 17.000 Euro

Geld abheben mit der EC-Karte klappte nicht

Gemäß der Anklage soll der 40-Jährige in zwei Zimmer eingedrungen sein und sich in zwei Schließfächern – eines war versperrt, das andere nicht – „bedient“ haben: in einem Fall habe er Schmuck im Gesamtwert von 30000 Euro und 1900 Euro Bargeld erbeutet, und beim anderen Schließfach Schmuck im Wert von 1900 Euro. Darüber hinaus soll der Beschuldigte eine EC-Karte entwendet und gleich nach dem Diebstahl an einem Bankautomaten in Landsberg versucht haben, damit Geld abzuheben. Mehr kam zu den Tatvorwürfen in der Verhandlung nicht zur Sprache. Denn kaum hatte der hauptamtliche Schöffenrichter Alexander Kessler die Verhandlung eröffnet, meldete Rechtsanwalt Hansjörg Schmid Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit seines Mandaten an: „Ich habe gestern versucht, telefonisch mit ihm Kontakt aufzunehmen“, sagte der Anwalt.

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Wenig reden und viel schlafen

Aber der Mann, den er beruflich bedingt seit mehreren Jahren kenne, sei nicht ansprechbar gewesen. Seine Partnerin habe ihm bestätigt, dass er seit zwei Tagen auch mit ihr nicht mehr rede. Der Grund für dieses Schweigen sind offenbar Drogen, die er nimmt. Der Mann räumte jedenfalls vor Gericht ein, dass er am Abend vor der Verhandlung um 22 Uhr ein Gramm „Legal Highs“ und morgens um 8 Uhr das gleiche Rauschmittel erneut konsumiert habe. Als „Legal Highs“ sind laut dem Internet-Lexikon Wikipedia psychoaktive Substanzen zu verstehen, die harmlos klingen und als Badesalz, Duft- oder Kräutermischung angeboten werden. Außerdem teilte der Angeklagte dem Gericht mit, dass er in den vergangenen vier Tagen viel geschlafen habe: 15 bis 16 Stunden seien es gewesen.

Da müsste er ja eigentlich ausgeschlafen haben, meinte der Richter mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht. Alkoholprobleme gäbe es derzeit nicht, meinte der Mann gegenüber Richter Kessler: „Vor vier bis fünf Wochen habe ich letztmals getrunken“, gab er zu verstehen. Offen blieb zunächst, ob die Verhandlung durchgezogen oder abgesetzt werden soll. Deshalb wurde auf Vorschlag des Gerichts eine Pause eingelegt und im Beratungszimmer ein nichtöffentliches Gespräch geführt. Da waren neben den Schöffenrichtern Staatsanwalt Steffen Soßna und der Verteidiger beteiligt. Einhelliges Ergebnis war ein (jetzt wieder öffentlicher) Beschluss, dass die Hauptverhandlung ausgesetzt und demnächst fortgesetzt werden soll.

Der Angeklagte hat noch vor einer anderen Sache Bammel

Aber schon in wenigen Tagen wird dem Mann eine weitere Ladung ins Haus flattern. Darin wird er aufgefordert, wegen einer anderen Straftat eine einjährige Haft anzutreten. Das kündigte der Richter an. Sein Bewährungshelfer machte darauf aufmerksam machte, dass der Angeklagte ziemlichen Bammel davor habe, seine Wohnung, die er vor ein paar Wochen angemietet hat, schnell wieder loszuwerden. Dort lebe er mit seiner Tochter zusammen, die im April dieses Jahres 18 Jahre werde, und vorher nicht als Mieterin fungieren könne. (eh)

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