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Utting

02.08.2020

Neue Adresse für die Verwaltungsschule Holzhausen: Eine umstrittene Idee

Der Kreuzungsbereich vor der Einfahrt zur Bayerischen Verwaltungsschule in Holzhausen soll künftig „Anna-und-Benno-Arnold-Platz“ heißen und an die früheren jüdischen Grundbesitzer in diesem Bereich erinnern.
Bild: Dagmar Kübler

Plus Ein großer Teil des Geländes der Verwaltungsschule am Ammersee gehörte bis 1938 einer Augsburger Industriellenfamilie. An sie soll künftig ein Straßenname erinnern.

Wird aus dem Kreuzungsbereich vor der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) in Holzhausen, dort wo Eduard-Thöny-Straße und die Seeholzstraße aufeinandertreffen, der „Anna-und-Benno-Arnold-Platz“? Während sich die BVS von einer solchen Umbenennung wenig begeistert zeigte – diese würde für sie auch eine Adressänderung bedeuten –, hat jetzt der Uttinger Gemeinderat den Antrag der Stiftung Jüdisches Museum Augsburg-Schwaben begrüßt.

Dabei steht die BVS dem Anliegen, auf das Schicksal des jüdischen Ehepaars Anna und Benno Arnold aufmerksam zu machen, durchaus positiv gegenüber. Anna und Benno Arnold waren einst die Eigentümer eines Teils des BVS-Geländes. In ihrer Stellungnahme zeigte die BVS sogar viel weitreichendere und umfangreichere Maßnahmen auf, um Erinnerungsarbeit zu leisten, und schlug ein Gesamtkonzept vor, an dem die Stiftung, die Gemeinde Utting sowie die BVS mitarbeiten sollten. Das Andenken sei dadurch besser gewahrt als durch eine Adressänderung, so die BVS.

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Kaum jemand, der beim Radeln entlang des Ammersees das BVS-Gelände passiert, weiß, dass dieser Ort 1938 Schauplatz der Ideologie des Nationalsozialismus war. Die damaligen Eigentümer des Geländes, Anna (1882-1942) und Benno Arnold (1876-1944) wurden enteignet und verloren später ihr Leben im KZ.

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Die Arnolds stammten aus dem Augsburger Großbürgertum. Die Familien Arnold und Kahn (Anna Arnold war eine geborene Kahn) besaßen eine Baumwollspinnerei und -weberei, die Spinnerei und Weberei am Sparrenlech, die rund 2000 Mitarbeiter beschäftigte. Später wurden sie Mehrheitsaktionäre der Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK). Ihr Unternehmen und die NAK-Beteiligung wurden 1938 arisiert, die Familie Arnold erhielt dafür praktisch keine Entschädigung.

Ein Rückzugsort, um der Ausgrenzung zu entgehen

1925 hatte Benno Arnold die Grundstücke am Ammersee erworben und darauf 1937 ein Haus errichtet. Es diente der Familie als Rückzugsort, um den Repressalien, wie gesellschaftliche Ausgrenzung und Verlust des Stadtratsmandates in Augsburg, zu entgehen. Doch bereits im Dezember 1938 musste Arnold das Grundstück an die Gemeinde Utting zu einem weit günstigeren Preis verkaufen. Für das Haus erhielt er gar keinen Gegenwert. 1939 ging die Liegenschaft an einen Münchner Bauunternehmer, der eng mit Adolf Hitler befreundet war. Fotos und Filme zeugten davon, dass die Familie sogar häufig Gast auf Hitlers Berghof war, so die Stiftung in ihrer Begründung zum Antrag.

Die Situation für Anna und Benno Arnold verschlechterte sich zusehends. Am 12. August 1942 wurde das Ehepaar von München ins KZ Theresienstadt deportiert. Anna Arnold verstarb dort bereits vier Wochen später. Benno Arnold verhungerte, er starb am 2. März 1944 ebenfalls in Theresienstadt. Nach dem Krieg wurde das Grundstück an die Erben zurückgegeben, die in den USA lebten und keine Verwendung dafür hatten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Verwaltungsschule

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam schließlich die BVS in Spiel. Sie hatte bereits im Dezember 1945 Räume im damaligen Dominikanerinnenkloster bei der Leonhardikirche angemietet, um Kurse zu veranstalten. 1949 wurde das seinerzeitige Hotel „Panorama“ in Holzhausen angemietet und kurz darauf gekauft. Unter den weiteren Parzellen, die am Holzhauser Seeufer gekauft wurden, war 1954 auch der Arnold-Besitz. Das ist auf der Webseite der BVS zu lesen, die diese zu ihrem 100-jährigen Bestehen eingerichtet hat. Zu diesem Anlass wurde auch die Vorgeschichte des Geländes recherchiert, und so floss auch ein Abriss der Lebensgeschichte der Arnolds in diesen Rückblick mit ein.

In ihrer Stellungnahme zum Antrag der Stiftung Jüdisches Museum Augsburg-Schwaben betonte die BVS, wahrnehmbare Zeichen auf dem Gelände schaffen zu wollen. Infrage käme beispielsweise eine Stele, wie sie auch in Augsburg an das Ehepaar erinnere. Auch eine Umbenennung des Hauses „Sieben Eichen“ in „Haus Arnold“ wäre denkbar. Nur die Adresse zu ändern, würde dem Anliegen nicht gerecht werden, so die BVS, die sich ein Gesamtkonzept mit allen Beteiligten wünscht. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag der Stiftung auf die Umbenennung in „Anna-und-Benno-Arnold-Platz“ zu und beauftragte zudem Bürgermeister Florian Hoffmann, Kontakt mit der BVS und der Stiftung aufzunehmen, um ein gemeinsames Konzept auf den Weg zu bringen.

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