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Landsberg

18.07.2019

ULP-Investor: Die Stadt will nachverhandeln - beim geplanten Lechsteg nicht?

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Auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik entsteht in Landsberg das Wohnbauprojekt „Urbanes Leben am Papierbach“. Der Investor darf mehr Wohnfläche schaffen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der ULP-Investor darf deutlich mehr Wohnfläche schaffen. Der Vertrag mit der Stadt Landsberg soll angepasst werden. Während der Oberbürgermeister nicht über die Brücke reden will, sieht die SPD das anders.

Da hat SPD-Stadtrat Dieter Völkel in der Bauausschusssitzung am Mittwochabend aber aufgehorcht: Stadtbaumeisterin Birgit Weber berichtete über den aktuellen Stand der Umsetzung des „Urbanen Leben am Papierbach“. Dabei wies sie auch darauf hin, dass es im Herbst um „die Anpassung des städtebaulichen Vertrags“ zwischen der Stadt und dem Investor gehen werde. Genau eine solche Vertragsanpassung möchte auch die SPD. Denn die Partei will insbesondere erreichen, dass der Investor für die um 3,3 Millionen Euro teurer werdende Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Lech einen finanziellen Nachschlag leistet. In diesem Zusammenhang hatte jedoch zuletzt Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) dringend davor gewarnt, den städtebaulichen Vertrag aufzuschnüren (LT berichtete).

Die SPD-Fraktion beobachtet schon seit Längerem, wie sich das Papierbach-Projekt vor allem hinsichtlich der Wohnfläche entwickelt. Auch die UBV forderte in der Bauausschusssitzung Ende Mai entsprechende Sachstandsberichte des Bauamts. Einen solchen Zwischenstand lieferte nun die Stadtbaumeisterin: Insgesamt ist das ULP in elf Baufelder aufgeteilt, für drei (A1 Süd, A2 und B2) liegen bereits Baugenehmigungen vor, daneben wurden Bauanträge für die Baufelder A1 Nord und A3 eingereicht.

Der Investor würde deutlich mehr einnehmen

Der Bebauungsplan lässt für diese fünf Baufelder maximal 33.950 Quadratmeter Geschossfläche zu. In den bereits genehmigten beziehungsweise vorgelegten Bauanträgen summieren sich die Geschossflächen auf 35528 Quadratmeter. Somit errechnet sich ein Zuwachs um 1578 Quadratmeter oder 4,6 Prozent.

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Auf Wohngeschossfläche entfallen dabei laut Aufstellung des Bauamts 1305 Quadratmeter. Davon verbleiben für den Investor 70 Prozent, also 914 Quadratmeter. Auf 30 Prozent beziehungsweise 393 Quadratmeter beläuft sich der SoBoN-Anteil für Sozialwohnungen und sozial geförderten Wohnraum.

So sieht die Rechnung aus

Die Geschossfläche entspricht nicht der verkaufbaren Wohnfläche. Der verkaufbare Anteil liegt aber in der Regel nicht unter 70 Prozent, sodass bislang grob geschätzt etwa 640 Quadratmeter mehr Wohnfläche verkauft werden könnte. Wird dabei nur der von Verkäuferseite genannte Mindestverkaufspreis von 5145 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zugrunde gelegt, würde dies eine Mehreinnahme von 3,3 Millionen Euro ergeben. Geht man davon aus, dass nicht nur in diesen fünf Baufeldern, sondern auch in den übrigen sechs Abschnitten knapp fünf Prozent mehr Geschossfläche entstehen wird, würde der Mehrerlös allein bei den Wohnanteilen über sieben Millionen Euro betragen. Insgesamt sieht der ULP-Bebauungsplan nämlich 80800 Quadratmeter Geschossfläche vor. Ob dies so eintreten könnte, ließ die Stadtbaumeisterin aber offen. Da im ULP auch viele Mischgebietsflächen vorgesehen sind, sei noch nicht absehbar, wie hoch der Wohnanteil tatsächlich sein werde.

Die SPD will auf jeden Fall nachverhandeln

Doch bereits die derzeit gesicherten Zahlen waren für die SPD nun Anlass, einzuhaken, nachdem die Kostensteigerung bei der neuen Lechbrücke offenkundig geworden war. Der Zuwachs an Geschossfläche und der damit verbundene Mehrertrag „muss Anlass für Nachverhandlungen sein“, heißt es in dem am 4. Juli eingereichten Antrag der SPD. Der bisherige Vertrag zur Beteiligung des Investors an verschiedenen Investitionen (Kindergärten und Lechsteg) habe diese Wertsteigerung nicht berücksichtigt. Und: „Es ist den Landsberger Bürgern nicht zuzumuten, die hohen Kostensteigerungen beim Steg allein zu tragen, während der Investor den Gewinn aus mehr Wohnfläche allein einheimst.“ Deshalb müsse mit dem Investor verhandelt werden, um den städtebaulichen Vertrag anzupassen.

Über den Lechsteg verlor Oberbürgermeister Mathias Neuner in der Bauausschusssitzung nach Webers Ankündigung, den Vertrag mit dem Investor anzupassen, kein Wort. Gespräche werde es beispielsweise darüber geben, für Sozialwohnungen einen niedrigeren Stellplatzschlüssel vorzusehen, nannte Neuner als Beispiel. Die Stadtbaumeisterin ergänzte, die Gespräche bezögen sich auch auf Flächentausche, eine Versetzung der Brücke am Papierbach, den Standort für eine Skateranlage und Anpassungen zur geplanten Kindertagesstätte.

Der Lechsteg würde mehr als acht Millionen Euro kosten

„Das ist doch eigentlich eine ganze Menge“, fasste daraufhin SPD-Stadtrat Dieter Völkel zusammen. Der Antrag der SPD wird am 24. Juli auf der Tagesordnung des Stadtrats stehen – allerdings im nichtöffentlichen Teil.

Der Vertrag zwischen der Stadt und dem Papierbach-Investor beinhaltet, dass dieser 1,3 Millionen Euro für einen von der Stadt zu bauenden „angemessenen“ Lechsteg beisteuern muss. Ausgangspunkt für diesen Betrag war die ursprüngliche Annahme, der Lechsteg würde rund 2,5 Millionen Euro kosten. Nun aber dürften es 8,6 Millionen Euro werden, wenn das Projekt in der vorliegenden Form und nach den eingegangenen günstigsten Angeboten umgesetzt wird.

LT-Redakteur Gerald Modlinger kommentiert das Neueste rund um den Lechsteg: Die teure Brücke ist ein Grund, nochmals zu reden

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