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01.05.2013

Die Zukunft der Monarchie

Die niederländische Monarchie hat viel erreicht. Ihr ist ein Thronwechsel gelungen, der eine große Amtszeit mit einem ebenso großen Ende krönte. Und sie hat zwei Nachfolger, die gut vorbereitet sind.

Willem-Alexander und Máxima haben wichtige Fragen bereits beantwortet, die sich in anderen europäischen Königshäusern erst stellen. Ja, die Monarchie hat dann eine Zukunft, wenn die Amtsinhaber mehr zu bieten haben, als eine Frucht der Erbfolge zu sein. Und sie hat dann ihre Berechtigung, wenn sie den demokratisch gewählten Vertretern mit moralischer Autorität assistiert, anstatt ein Eigenleben zu führen.

Beatrix hat dies in den schwierigen Augenblicken ihrer Amtszeit bewiesen – beispielsweise, als sie das Volk nach den Anschlägen islamistischer Terroristen zusammenhielt und Politikern, die eine Spaltung herbeireden wollten, entgegentrat. Es gibt nicht viele Beispiele in der jüngeren Geschichte, die deutlich machen, dass Monarchen aufgrund ihrer Persönlichkeit ihr Amt sogar verdienen würden, wenn sie es nicht automatisch bekommen hätten.

Die britische Krone wird nicht verhindern können, dass man über den Sinn einer solchen Tradition streitet, solange die Königin die wachsende soziale Spaltung des Landes nicht einmal ansprechen darf. Und selbst Spaniens König, der mit seinem Einsatz einst die Demokratie gegen Putschisten verteidigte, muss sich heute fragen lassen, ob er Elefantenjagd tatsächlich für einen konstruktiven Beitrag zur Krisenbewältigung hält?

So unterschiedlich die Bedingungen, Selbstverständnisse und monarchischen Konstruktionen in Europa (und darüber hinaus) auch sein mögen, die Grundfrage bleibt überall die Gleiche: Passt Königswürde noch zu einer Demokratie?

In den Niederlanden haben Willem-Alexander und Máxima diese Frage vielleicht nicht beantwortet, aber auf eine beeindruckende Weise betont, dass sie die Entscheidung der Politik akzeptieren würden. Dies kann eine Chance für Monarchen sein, deren Bekenntnis zum Dienst am Volk mehr als nur ein höfisches Zeremoniell ist.

Um von den Menschen des 21. Jahrhunderts nicht nur hingenommen, sondern sogar akzeptiert zu werden, muss allerdings viel passieren. Die amtierenden wie die kommenden Monarchen müssten Konzepte haben, wie sie der Demokratie nicht schaden, aber gleichzeitig jene überparteiliche Instanz sein könnten, die ein Volk moralisch eint, während es parteipolitisch zerstritten sein mag.

Das frisch gekürte Königspaar hat Zeichen gesetzt. Denn am Vorabend der eigenen Inthronisierung seine mögliche Entmachtung durch das Parlament zu akzeptieren, hat mit Größe zu tun. Dass diese Ankündigung Kreise gezogen hat, belegt, wie viel Gewinnendes ein reformbereites Königspaar in die Diskussion zwischen Demokratie und Monarchie in seinem Land einbringen kann.

Man muss nicht darüber spekulieren, ob Willem-Alexander und Máxima ein Einzelfall sind. Ganz sicher aber sind sie die Ersten, die diese Chance zur Transformation der Monarchie im 21. Jahrhundert bekamen. Damit schaffen sie mehr als nur einen Thronwechsel. Wer auch immer in welchem europäischen Königshaus den Niederländern folgen wird, er muss sich daran messen lassen.

Diese Entwicklung zeigt, dass sich so manche adlige Dynastie ruhig an einen Generationenwechsel herantrauen darf. Auch wenn er entlarvend sein wird. Denn die nächste Generation in den Königshäusern muss zeigen, ob die Monarchen etwas zur modernen Demokratie beizutragen haben oder nicht. Falls nicht, haben sie sich überlebt. Und werden abgeschafft.

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