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11.05.2011

Guttenbergs Fall

Auf längere Sicht sollte Karl-Theodor zu Guttenberg eine zweite Chance in der Politik bekommen.

Im Abschlussbericht der Universität Bayreuth über die Doktorarbeit des Karl-Theodor zu Guttenberg ist zweifelsfrei belegt, was der CSU-Politiker stets bestritten hat und bis heute in Abrede stellt: Guttenberg hat vorsätzlich gehandelt und die Prüfer bewusst getäuscht. Von wegen „handwerkliche Fehler“. Ausgerechnet der Freiherr, der Redlichkeit und Leistungsprinzip verkörpern wollte, hat sich den akademischen Titel erschummelt und ganze Passagen bei anderen Autoren abgeschrieben.

Der junge Mann, der binnen Kurzem zum populärsten Politiker Deutschlands aufgestiegen war und Millionen Menschen in seinen Bann gezogen hatte, ist als Hochstapler überführt. Und er hat, was die Sache noch schlimmer macht, das Parlament angelogen und das wahre Ausmaß seiner Kopiertätigkeit zu verschleiern versucht. Damit ist Guttenbergs Glaubwürdigkeit, sein einst wichtigstes Kapital, im Kern erschüttert. Ja, zu Guttenberg hatte Neider. Wer so rasch so hoch aufsteigt, erzeugt Missgunst. Aber er ist nicht das Opfer einer Kampagne, wie es die Legendenbildung suggerieren will. Guttenberg ist über sich selbst und seinen Drang zur Selbstinszenierung gestolpert. Sein Rücktritt als Minister, sein Rückzug aus allen Ämtern waren so unvermeidlich wie die Aberkennung des Doktortitels.

Da Guttenberg noch immer Ausflüchte bemüht und ihm zudem ein Prozess droht, ist es um seine Chance auf ein rasches Comeback schlecht bestellt. Aber warum sollte ein Mann, der unbestreitbar viel Talent besitzt, keine zweite Chance bekommen? Nicht von heute auf morgen, sondern auf längere Sicht. So gut sortiert ist die deutsche Politikerbank nicht, als dass sie einen wie Guttenberg nicht gebrauchen könnte – so er denn geläutert zurückkehrt und seinen Betrug ohne Wenn und Aber eingesteht.

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