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Annalena Baerbock - Wars das schon mit dem grünen Kanzleramt?

Kommentar Von Michael Pohl
09.06.2021

Eine Chance der Grünen aufs Kanzleramt gibt es kaum wieder. Alles hängt nun einzig und allein von Annalena Baerbock ab. Verspielt sie die historische Chance?

Will Annalena Baerbock wirklich Kanzlerin werden? Wer die Grünen-Chefin in diesen Wochen erlebt, fragt sich, ob die 40-Jährige tatsächlich um das mächtigste Amt der Republik kämpfen will oder ob sie insgeheim nur gehofft hat, von einer Welle politischen Rückenwinds in das Kanzleramt getragen zu werden. Doch inzwischen ebbt die Welle aus Klimawandelsorgen und Verdruss über Deutschlands Schwächen in der Pandemie ab. Eigene unprofessionelle Fehler nähren den Gegenwind, der Baerbock im Wahlkampf entgegenschlägt.

Schludrigkeiten um Lebenslauf nähren Zweifel an Baerbock

Als Baerbock am vergangenen Sonntag ihre Enttäuschung über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt in die Kameras sprach, wirkte sie überrascht und flüchtete sich in die üblichen Politikerfloskeln. Gut vorbereitet war das nicht.

Auch die Schludrigkeiten um Nebeneinkünfte und ihren Lebenslauf nähren den Eindruck, dass den Grünen das entscheidende Quäntchen nötiger Professionalität im Kampf um das Kanzleramt fehlt. Das mehr als nachlässige Verhalten schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit, sondern nährt auch Zweifel an der grünen Spitzenkandidatin selbst.

Grünen-Wahlprogramm löst mehr Erklärungsbedarf als Begeisterung aus

Gelingt es Baerbock, aus der Defensivrolle herauszukommen und den Umfragetrend wieder nach oben zu drehen? Ihre Nominierung hat die Zustimmungswerte der Grünen auf Rekordwerte nach oben schießen lassen. Die Frage ist nur, kommt da noch was – oder war es das schon? Dann schmelzen die Rücklagen langsam dahin.

Am Wochenende wollen die Grünen auf ihrem Parteitag mit der Verabschiedung ihres Wahlprogramms und der offiziellen Nominierung Baerbocks in die entscheidende Phase des Kampfes um das Kanzleramt starten. Doch nicht nur der durch die Pandemie erzwungene digitale Rahmen erschwert den Aufbruch. Auch das grüne Wahlprogramm löst viel weniger Begeisterungsstürme aus als Erklärungsbedarf. Denn es verlangt dem Wahlvolk mehr ab, als es an attraktiven Versprechungen bietet.

Grüne müssen Wähler der Mitte erst noch überzeugen

Umso mehr kommt es auf die Kandidatin an. Wenn es eine Konstante bei allen Landtagswahlen der vergangenen Jahre gab, dann war es die, dass mehr als alles die Personen an der Spitze über Wahlsiege entscheiden. Der Erfolg der Grünen hängt mehr von Baerbock ab, als es ihr lieb sein kann.

Die Chance, erste grüne Kanzlerin zu werden, hat sie durchaus. Das unverdächtige Allensbach-Institut sieht die Wechselstimmung nach der Ära Angela Merkel und angesichts der durch die Pandemie entlarvten deutschen Schwächen so hoch wie nie. Doch es reicht nicht, dass die junge grüne Kandidatin den Wechsel als Projektionsfläche verkörpert.

Baerbock sollte um Grüne Ampel als Koalition werben

Baerbock müsste für einen Erfolg breite Wählerschichten in der Mitte überzeugen und eine Begeisterungsstimmung für eine Modernisierung des Landes auslösen. Nur dann könnte auch eine „grüne Ampel“ als Koalition mit SPD und FDP für ihre Partei als Machtperspektive neben einem Bündnis mit der Union möglich werden.

Wenn von Baerbock jedoch nicht mehr kommt als bislang, droht den Grünen ein hartes Wiedersehen am Verhandlungstisch für eine Jamaikakoalition. Nicht stark und auf Augenhöhe mit der Union. Sondern geschwächt auf Augenhöhe mit der FDP, weil die Grünen die hohen Erwartungen nicht erfüllt haben. Dann wären die gefühlten Triumphe des Duos Baerbock und Habeck verpufft vor einem steinigen Weg des Regierens. Die Grünen wären nur Dritter im Bunde schwarz-gelber Wahlverwandter.

Doch auch als Juniorpartner einer schwarz-grünen Koalition müssten sich Baerbock und Habeck mit Sacharbeit darüber hinwegtrösten, dass sie die historische Chance einer grünen Kanzlerschaft wohl auf sehr lange Zeit verspielt haben.

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16.06.2021

Nach Angela Merkel erreicht Annalena Baerbock das Niveau als Kanzlerin für die Mehrheit der deutschen Bevölkerung.

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16.06.2021

Nachdem nun Putin eine Kanzlerin Baerbock verhindern will, dürften sich ihre Chancen dramatisch verbessern.
Zu befürchten ist sogar, dass Maria und Thomas T. nun grüne Stammwähler werden . . .

https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/einflusskampagne-im-wahlkampf-so-will-putin-baerbock-verhindern-76754340.bild.html

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16.06.2021

Nette Schlussfolgerung!

Raimund Kamm

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16.06.2021

Es war von Habeck halt auch selten dämlich, sich in der Ukraine mit Stahlhelm ablichten zu lassen. Man bekommt ja bei mancher Berichterstattung schnell das Gefühl, dass die Sowjetunion schon zwei Mal Deutschland überfallen hat.

Seit Schröders grünem Bundesgrenzschutz-Parka (darf man das noch schreiben?) ist die Macht solcher Bilder ja auch bekannt und sollen ja schon Kanzlerwahlen entschieden haben.

https://img.welt.de/img/bildergalerien/mobile108600336/1891626957-ci23x11-w1680/Schroeder-in-Grimma.jpg
https://www.welt.de/politik/deutschland/article108607179/Als-Schroeder-Stoiber-im-Hochwasser-versenkte.html

Und ja Putin - er regiert Russland - man muss halt mit ihm auskommen und wenn es gemeinsame Interessen gibt, wird man die auch gemeinsam bearbeiten. Also bitte, deswegen wählt doch niemand höhere Steuern, Alltags-Mobilitätsschikane oder gering qualifizierte Einwanderung.

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11.06.2021

Dank Frau Baerbocks verspäteter Meldung wissen wir jetzt, dass sich die Grünen im Laufe der Jahrzehnte zu einer "üblichen" Partei gemausert haben. Weihnachtsgeldzahlungen für das Spitzenpersonal, Prämien für erfolgreiche Wahlen - tja, für die Plakatkleber an der Basis, für die Kümmerer in den Kommunen, etc müssen dann die Worte des Dankes reichen. Aber gut, da sitzen ja (meist bei allen) die Überzeugungstäter und nicht die, die dauernd mindestens ein Auge der eigenen Karriere widmen.

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10.06.2021

Die Chance der GRÜNEN ist bereits verspielt.

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11.06.2021

Nicht so schnell, der Wahlkampf geht erst richtig los: Die haben Fehler gemacht, vor allem taktische - aber korrupt wie politische Mitbewerber waren sie nicht.

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11.06.2021

Na - dann ist es ja gut, daß Sie jeden Geldstrom (rein oder raus) der Partei der Grünen und deren Mitglieder kennen.

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11.06.2021

Kenne ich natürlich nicht. Falls da aber doch was sein sollte, stellen sie sich wenigstens nicht so dämlich wie die anderen an . . .

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11.06.2021

Sowohl Scholz als auch Laschet wurden schon als sichere Verlierer betitelt. Aktuell sind diese beiden Herrn wieder oben auf. Am Ende zählt nur das Wahlergebnis und da ist noch alles offen.

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11.06.2021

@Dirk T.: alles offen? Fast. Für Scholz ist nichts offen, für ihn ist geschlossen. :-)

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10.06.2021

Kleine stilistische Korrekturen an Lebensläufen sind in PolitikerInnen-Kreisen häufiger und sagen wenig über die Qualifikation aus.

https://www.focus.de/politik/deutschland/angespitzt/angespitzt-kolumne-von-ulrich-reitz-auch-bei-laschet-stimmt-was-nicht-peinliche-luecken-im-lebenslauf-des-kandidaten_id_13376135.html

Nach dem Wahlsieger in SA, Haseloff, geht es in der Politik sowieso nicht um persönliche Sympathie, Vertrauen oder Charaktereigenschaften. Deshalb sei er ja für Söder.

Also sind wir doch nicht so streng mit Frau Baerbock und Herrn Laschet . . .

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10.06.2021

Warum reiten Sie das tote Pferd? Bei SPON versucht man schon die grüne Kanzlerschaft zu retten...

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/kanzlerkandidatin-annalena-baerbock-das-war-s-a-69dfbcc1-a2c9-4a67-8c0a-89f1f4571f95

>> Wenn Annalena Baerbock so klug ist, wie viele glauben, dann zieht sie sich zurück und sagt sinngemäß: ... <<

... ich übergebe an Stahlhelm-Robert ;-)

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10.06.2021

@ PETER P.

Egal, wer das Kanzleramt erobert, er oder sie geht harten Zeiten entgegen.
Der Saustall, den die Groko hinterlässt ist grandios. Dass die Rechten nicht mit Geld umgehen können hätten sie nicht eindrucksvoller demonstrieren können. Es wird vorrangig darum gehen, wer diese Rechnung bezahlt. Wir gehen spannenden Zeiten entgegen . . .

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10.06.2021

Möglicherweise finden die allermeisten Grünen-Wähler professionelle Ausreden-Auftritte gar nicht so gut. Möglicherweise sollte eine Kanzlerkandidatin der Grünen nicht an Polit-Kultur aus dem 20. Jahrhundert gemessen werden. Möglicherweise ist die Ansicht, wer das nicht könne, der könne nicht Kanzler, ebenso aus dem 20. Jahrhundert.

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10.06.2021

Lieber Gregor B.,
unabhängig vom jeweiligen Jahrhundert erwarte ich von Politikern, dass sie nachvollziehbare Antworten und Lösungen auf Fragen/Herausforderungen bieten. Tun sie das nicht, ob eloquent oder nicht, so können sie mich nicht überzeugen. Frau Baerbock überzeugte nicht. Völlig zeitlos ist m.E., dass man als Wähler erwarten kann, dass Angaben zur Person korrekt sind und nicht bewusst "aufgehübscht" wurden. Alles andere ist unprofessionell. Frau Baerbock musste mehrere Anläufe unternehmen, bis der - jetzt deutlich weniger beeindruckende - Lebenslauf finalisiert war. Zumal erst auf Druck der Medien bzw. des politischen Gegners. Das identische Verhaltensmuster auch bei den Nebeneinkünften. Erst nachdem die Presse darüber geschrieben hat, räumte Frau Baerbock Versäumnisse ein. Auch das ist alles andere als professionell oder souverän - und sollte nicht zum Politikstil des 21. Jahrhunderts verklärt werden.

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09.06.2021

Wasser predigende und Wein saufende Politiker sowie falsche Doktoranten oder Lebenslauf-Manipulatoren gab es schon zur genüge in Deutschland, mal schauen ob es Annalena Baerbock auch ins Kanzleramt schafft?

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