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DAK-Pflegereport

15.10.2019

Hohe Pflegekosten: Die Angst vor dem finanziellen Ruin sitzt tief

Eine ältere Frau geht mit einem Rollator über einen Flur eines Pflegeheims. 80 Prozent der Bürger fürchten den Verlust ihrer kompletten Ersparnisse, wenn sie ins Heim müssen.
Bild: Jens Büttner, dpa (Symbol)

80 Prozent der Bürger fürchten den Verlust ihrer kompletten Ersparnisse, wenn sie ins Heim müssen. Das zeigt eine aktuelle Studie der DAK.

Die unaufhörlich steigenden Kosten für Pflegende und ihre Angehörigen sorgen bei den Bundesbürgern für Existenzängste. Fast 80 Prozent von ihnen befürchten, dass sie trotz ihrer Pflegeversicherung bei einer Pflege im Heim sämtliche Ersparnisse verlieren werden. Das geht aus dem „Pflegereport“ der Krankenkasse DAK hervor. 40 Prozent der Befragten erwarten danach eine „sehr starke Belastung“ durch Pflegekosten, 46 Prozent fühlen sich für den eigenen Pflegefall nicht ausreichend abgesichert.

Für DAK-Chef Andreas Storm ist damit klar, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen dringend entlastet werden müssen: „25 Jahre nach ihrer Einführung verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen im Pflegefall vor einem Armutsrisiko zu bewahren.“ Ursprünglich sei die Idee hinter der Pflegeversicherung gewesen, die Kosten der Pflege gerecht zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen zu verteilen. Storm sieht daher dringenden Handlungsbedarf: „Die nächste Bundesregierung muss sich dieses Themas annehmen.“

Reform der Pflegeversicherung: Nur noch 450 Euro Eigenanteil?

Über eine Reform der Pflegefinanzierung debattiert die Politik bereits seit längerem. Die Zeit drängt, denn die Koalition hatte jüngst eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der Pflege beschlossen. So sollen Pflegekräfte besser bezahlt werden, gegen den chronischen Personalmangel wirbt Spahn derzeit sogar in Mexiko Fachkräfte an. Der Kampf gegen den Pflegenotstand wird viel Geld kosten – doch die Bereitschaft der Bürger, immer höhere Beiträge zu bezahlen, ist erschöpft. Laut dem Pflegereport wären nur 24 Prozent der Befragten bereit, selbst höhere Beiträge für die Pflegeversicherung zu zahlen. 75 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Begrenzung der Eigenanteile für die Pflege im Heim aus. 58 Prozent sind der Meinung, Mehrkosten sollten aus Steuermitteln finanziert werden.

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In diese Richtung zielt auch ein Reformvorschlag der DAK. Er sieht vor, den Anteil, den Pflegebedürftige selbst aufbringen müssen, bei etwa 450 Euro im Monat zu deckeln. Der Eigenanteil schwankt derzeit zwischen 274 Euro in Thüringen und 925 Euro in Baden-Württemberg. In Bayern sind es gegenwärtig 849 Euro und im Bundesschnitt 662 Euro. Zum Ausgleich schlägt die DAK einen Steuerzuschuss vor. Dieser könne 2021 mit einer Milliarde Euro beginnen und bis 2045 schrittweise auf mehr als 18 Milliarden Euro angehoben werden.

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach gehen die Vorschläge „klar in die richtige Richtung“. Der Eigenanteil würde ohne Reform in den nächsten Jahren „dramatisch steigen“, sagte er unserer Redaktion. Dies würde viele Ältere und ihre Angehörigen überfordern. „Daher ist es wichtig, den Eigenanteil zu senken und zu deckeln.“ Lauterbach fordert zudem, dass künftig auch Privatversicherte in die solidarische Pflegeversicherung mit einbezogen werden.

Lesen Sie auch den Kommentar: Wer gute Pflege will, braucht viel mehr Geld

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