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Mindelheim
15.10.2021

Bub bei Kita-Ausflug in Mindelheim ertrunken: Amtsgericht stellt Strafbefehle zu

Kerzen, Blumen und Teddys erinnerten im April an das furchtbare Unglück, das sich einen Monat zuvor in Mindelheim ereignet hat: Ein Zweijähriger war in den Mindelkanal gestürzt und ertrunken. Er hatte mit seiner Kindergartengruppe eine nahe gelegenen Spielplatz besucht.
Foto: Johann Stoll

Im März war in Mindelheim ein kleiner Junge bei einem Kita-Ausflug in der Mindel ertrunken. Wer ist schuld an seinem Tod? Das Amtsgericht hat darauf nun eine Antwort gefunden.

Das tragische Unglück vom März dieses Jahres in Mindelheim ist juristisch weitgehend aufgearbeitet. Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat ihre Ermittlungen in dem Todesfall abgeschlossen, bei dem Ende März ein knapp zweijähriger Bub in die Mindel gefallen und an den Folgen gestorben war.

Das Amtsgericht Memmingen hat nun Strafbefehle gegen zwei beschuldigte Frauen zugestellt. Es handelt sich um Aufsichtspersonen einer Kindergartengruppe, denen fahrlässige Tötung wegen schuldhafter Aufsichtspflichtverletzung vorgeworfen wird. Wie der Sprecher des Amtsgerichts, Nicolai Braun, auf Anfrage mitteilt, haben die beiden Frauen nun zwei Wochen lang Zeit, den Strafbefehl zu akzeptieren. Im Falle eines Widerspruchs käme es zu einer Hauptverhandlung vor Gericht. Andernfalls wäre der Strafbefehl rechtskräftig.

Der Bub stürzte in die Mindel und ertrank

Der kleine Junge gehörte zu einer 16-köpfigen Kindergartengruppe, die am Vormittag des Unglückstages bei schönem Frühlingswetter zu Fuß zu einem Ausflug in die Bleichstraße aufgebrochen war. Ziel war der neue Abenteuerspielplatz der Stadt Mindelheim, der direkt neben der Mindel liegt. Offenbar unbemerkt von den Erwachsenen ist der kleine Junge in die Mindel gestürzt. Trotz Ersthilfe durch Polizeibeamte, die den Buben im Wasser entdeckten, und einem Rettungsflug in eine Klinik nach München, war das Leben des Buben nicht zu retten. Er starb wenige Tage später.

Ein Rettungshubschrauber brachte den Bub in eine Klinik. Doch er starb kurze Zeit später.
Foto: Stoll

Begleitet worden waren die Kinder von drei Erwachsenen. Die Ermittlungen richteten sich zunächst gegen diese drei Personen – einen Mann und zwei Frauen. Sie hatten die Kindergartengruppe der Kindertagesstätte Mindelzwerge betreut, die von den Johannitern betrieben wird.

Die Ermittlungen gegen den Praktikanten der Kita Mindelzwerge wurden eingestellt

Gegen den Mann wurde das Verfahren „mangels rechtlich bedeutender Aufsichtspflicht“ eingestellt. Das sagte Oberstaatsanwalt Thorsten Thamm auf Anfrage der Mindelheimer Zeitung. Der Grund: Es handelte sich um einen Praktikanten. Keine Ermittlungen wurden übrigens gegen Beteiligte eingeleitet, die den Spielplatz neben dem Fließgewässer gebaut und genehmigt haben. Auch gegen die Stadt Mindelheim ermittelte die Staatsanwaltschaft nicht. Auf Anregung von Stadträten hat der Bauhof aber den Weg am Spielplatz mit einem Zaun zur Mindel abgesichert.

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Der Weg entlang der Mindel zum Spielplatz an der Bleichstraße ist jetzt mit einem Holzzaun besser abgesichert.
Foto: Johann Stoll

Die beiden beschuldigten Frauen sind 26 beziehungsweise 40 Jahre alt. Sie haben nun 14 Tage lang Zeit, die Strafbefehle anzunehmen. Über die Höhe des beantragten Strafmaßes machte die Staatsanwaltschaft mit Hinweis auf den Datenschutz keine Angaben. Es sei eine Geldstrafe beantragt worden, keine Haftstrafe. Diesem Antrag folgte nun das Gericht.

Mit diesen Folgen müssen die beiden beschuldigten Frauen rechnen

Sollte der Strafbefehl akzeptiert und damit rechtskräftig werden, ist der Fall damit wohl noch nicht für die Beschuldigten beendet. In solchen Fällen von Aufsichtsverletzungen an Kitas gibt es eine Mitteilungspflicht an die Aufsichtsbehörde, also das Landratsamt, sagte Sprecher Nicolai Braun. Ein Berufsverbot sei damit aber in der Regel nicht verbunden. Auch zivilrechtlich können die beiden Aufsichtspersonen noch belangt werden.

Bei den Mindelzwergen handelt es sich um einen Betriebskindergarten, der in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Unterallgäu, den Unterallgäuer Kreiskliniken und der Firma Grob entwickelt wurde. In zwei Gruppen werden je 15 Kinder im Alter von drei Monaten bis zum dritten Lebensjahr betreut, heißt es auf der Homepage der Johanniter.

Anteilnahme in Mindelheim nach dem Tod des Zweijährigen

Das Unglück hatte große Betroffenheit in der Bevölkerung ausgelöst. Eine Welle des Mitgefühls mit den Eltern erfasste Mindelheim. An der Brücke in der Bleichstraße in Nähe des mutmaßlichen Unglücksortes wurden Blumen und Spielsachen als Zeichen der Trauer abgelegt. Auch die Johanniter hatten sich tief betroffen gezeigt.

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