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Mindelheim

22.10.2018

Sina Trinkwalder und wie man die Welt verbessern kann

In Sina Trinkwalders Firma Manomama wird Kleidung hergestellt, die regional und umweltfreundlich produziert wird. Außerdem ist Manomama ein „Social Business“, ein Betrieb, in dem Menschen eingestellt werden, die sonst auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Unternehmerin Sina Trinkwalder erzählt, wieso ihr Trends nicht wichtig sind und was die Besucher bei ihrem Vortrag im Mindelheimer Forum erwartet.

Lebensmittel zu kaufen, die unter umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt werden, in Unternehmen, die regional produzieren und sozial agieren – das ist heutzutage kaum noch ein Problem. Bei Kleidung wird es schon etwas schwieriger. Die gängigen Modeketten produzieren teilweise unter menschenunwürdigen, umweltbelastenden Bedingungen in Asien. Trotzdem gibt es Unternehmen, die versuchen, gegenzusteuern. Ein solches Unternehmen ist die Augsburger Firma Manomama. Sie stellt in Augsburg Kleidung aus regionalen Rohstoffen her. Die Angestellten sind Menschen, die zuvor kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hatten. Hinter Manomama steht Sina Trinkwalder. Die Unternehmerin kommt am Dienstag, 23. Oktober, mit dem Vortrag „Wunder muss man selber machen“ nach Mindelheim.

Frau Trinkwalder, was erwartet die Besucher am Dienstagabend im Forum?

Sina Trinkwalder: Ich spreche über die Entstehung von Manomama, darüber, wie ich das Unternehmen ins Leben gerufen habe. Damals hat wirklich jeder, sei es Politik, Banken, oder aus dem Freundeskreis, gesagt: „Das kannst du dir gleich aus dem Kopf schlagen, so etwas geht doch gar nicht! Du kannst doch nicht mit Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keinen Fuß fassen, in einer toten Branche während der Finanzkrise einen mittelständischen Betrieb aufmachen. Das geht nicht!“ Tja, geht schon. Wenn man Wunder eben selber macht.

Sie schreiben auf Ihrer Website, dass es irgendwann „Klick“ gemacht hat, Sie Ihren alten Job aufgegeben haben und Manomama gegründet haben. Wie sah dieser „Klick-Moment“ aus?

Sina Trinkwalder: Das erzähle ich dann in meinem Vortrag...

Woher kommt denn der Name „Manomama“?

Sina Trinkwalder: Mein Sohn hat, als er klein war, immer Joghurt mit Fruchteinlage gegessen. Die hat er nach oben gearbeitet und immer dann, wenn es nicht geklappt hat, hat er gesagt: „Manno, Mama!“ Als ich dann einen Namen für das Unternehmen gesucht habe, hat das perfekt gepasst: „Mano“, im Lateinischen die Hand, und „Mama“. „Aus den Händen der Mütter“ – ja, super, passt!

Weil wir gerade von Müttern sprechen: Frauen nehmen in Ihrem Unternehmen eine besondere Rolle ein.

Sina Trinkwalder: Als ich Manomama gegründet habe, waren wir nur Frauen. Weil Frauen auch eher Verlierer auf dem Arbeitsmarkt sind. Mittlerweile haben wir zehn bis 15 Prozent männliche Mitarbeiter.

Manomama produziert sozial, regional und umweltfreundlich. Aber sie produzieren immer noch Mode – wie wichtig sind Trends für Manomama?

Sina Trinkwalder: Gar nicht wichtig, denn: Wir produzieren Kleidung, keine Mode. Da liegt schon der Unterschied. Wir machen diesen ganzen Fashion-Firlefanz überhaupt nicht mit. Eine gute Jeans brauchen Sie immer. Die ist auch außerhalb der Mode immer im Trend.

Wobei ich auf Ihrer Website auch einen Rock im Glen-Check-Muster gesehen habe, also mit einem Muster aus großen Karos, das momentan besonders in ist.

Sina Trinkwalder: Ach, die haben wir schon seit drei Jahren – das ist ja auch zeitlos. Den können Sie in zwanzig Jahren auch noch tragen. Das ist ja die Kunst: Kleidung so zu machen, dass Sie nicht jedes Jahr wieder einkaufen gehen müssen oder sich fragen: „Was ziehe ich jetzt an, dass ich schick bin?“ Es geht darum, Kleidung zu haben, die Sie auch in zehn Jahren noch tragen können.

Welches Produkt läuft denn am besten?

Sina Trinkwalder: Das ist ganz unterschiedlich: momentan sicher Jacken und Mäntel aus Augsburger Schurwolle. Und sonst übers Jahr verteilt Jeans und T-Shirts.

Was würden Sie anderen Unternehmern raten, um sozialer, regionaler, umweltfreundlicher zu produzieren?

Sina Trinkwalder: Ich bin niemand, der anderen Ratschläge gibt. Jeder muss einen Weg für sich finden. Wenn Sie nur Tipps von außen annehmen, sind Sie nicht echt. Dann sind Sie nicht selbst darauf gekommen. Es gibt kein Patentrezept. Aber generell ist es ein guter Anfang, wenn man respektvoll gegenüber Mensch, Tier und Umwelt handelt. Wer anfängt, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Zahlen, ist sehr gut beraten, was die soziale Ausrichtung eines Unternehmens angeht.

Noch einmal zurück zum Mindelheimer Vortrag: Richtet sich dieser denn speziell an Unternehmer oder auch an normale Bürger?

Sina Trinkwalder: Erst einmal: Unternehmer sollten im Regelfall auch normale Menschen sein. Der Vortrag richtet sich aber viel mehr an Nicht-Unternehmer.

Und warum?

Sina Trinkwalder: Weil es um Konsum geht, um Mitmenschlichkeit, weil es darum geht, wie man auch im Kleinen bei sich zuhause etwas zum Besseren verändern kann.

Sina Trinkwalders Vortrag „Wunder muss man selber machen“ mit Autorenlesung findet am Dienstag, 23. Oktober, ab 19.30 Uhr im Mindelheimer Forum statt. Organisiert hat den Vortrag der Katholische Frauenbund. Mehr zu Sina Trinkwalder lesen Sie hier: Für Sina Trinkwalder ist Geld nur Mittel zum Zweck und hier Hilfe für Obdachlose

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