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Ulm

14.10.2020

Die Hoffnung auf einen neuen Hauptbahnhof in Ulm ist dahin

Der Ulmer Hauptbahnhof, so die Sorge der Stadt, ist nicht ausreichend leistungsfähig für zusätzliche Fahrgäste durch die Neubaustrecke nach Stuttgart und die Regio-S-Bahn Donau-Iller.
Bild: Alexander Kaya

Plus Die Stadt Ulm findet sich damit ab, dass die Deutsche Bahn nur eine oberflächliche Sanierung bezahlt. Die Umbauten rundherum sollen trotzdem nicht vergebens gewesen sein.

Rund 60 Millionen Euro fehlen, um einen neuen Hauptbahnhof in Ulm bauen zu können. Denn anders als es die Ulmer Gemeinderäte erhofft hatten, will die Deutsche Bahn nur eine Sanierung und keinen Neubau des Gebäudes finanzieren. Das ist aus Sicht der Stadt und der Räte zwar nur Kosmetik – aber besser als nichts. Obwohl sie alle Konzepte rund um den Bahnhof auf ein neues Gebäude abgestimmt hatten, geben sich die Stadtpolitiker jetzt mit einer deutlich kleineren Lösung zufrieden und müssen selbst da noch auf ungewisse Unterstützung hoffen.

Der Boden des Empfangsgebäudes soll saniert, die Aufteilung der Gewerbeflächen neu organisiert werden.
Bild: Alexander Kaya

132,5 Millionen Euro hätte der Umbau nach Schätzungen der Bahn gekostet. Zehn Millionen Euro hätte der Konzern beigesteuert. 63 bis 76 Millionen Euro wären von einem Investor zu erwarten gewesen, der dann die Gewerbeflächen vermietet. Es fehlen nach Bahn-Berechnungen überschlägig 60 Millionen Euro. Geld, das keiner hat oder keiner ausgeben will. Stadtplaner Peter Rimmele stellte die Zahlen am Dienstag im Ulmer Bauausschuss vor.

Deutsche Bahn finanziert Sanierung im Hautptbahnhof Ulm

Die Unterführung zu den Sedelhöfen, die Tiefgarage, ein neuer Bahnhofvorplatz, der Bahnhofsteg zur Schillerstraße, das Parkhaus dort, die Verlegung der kleinen Blau, um die Arbeiten zu ermöglichen: Die Stadt Ulm hat eine Reihe von Veränderungen umgesetzt oder auf den Weg gebracht. Zentraler Baustein hätte ein modernes und repräsentatives Bahnhofgebäude sein sollen, durch dessen Bau im Norden des Geländes Platz für andere Gebäude entsteht. Jetzt akzeptiert die Stadt, dass das alte Empfangsgebäude stehen bleibt. Dennoch soll sich vieles verändern – die Pläne der Bahn reichen aus Sicht der Ulmer Politiker nicht aus. Das Geld muss aber aus anderen Töpfen kommen.

Bei der großen und hellen Unterführung vom Bahnhof zu den Sedelhöfen und damit zur Innenstadt soll es nicht bleiben. Sie soll möglichst mit der Unterführung zu den Bahnsteigen verbunden werden. Diese ist niedrig, schmal und dunkel, zudem gibt es keine barrierefreie Anbindung an die Bahnsteige. Das alles soll sich ändern, das Bahnhofmodernisierungsprogramm Baden-Württemberg könnte einen Ausbau ermöglichen. Ulm hofft auf Geld von Land und Bund, müsste aber auch selbst in die Taschen greifen. Baubürgermeister Tim von Winning setzt auf das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, mit dessen Hilfe der Ausbau der Bahnstrecke Ulm –Kempten bezahlt wird.

Stadt Ulm plant unterirdische Verbindung vom Dichterviertel bis zur Innenstadt

Die Stadt plant weiterhin eine durchgehende unterirdische Verbindung von der Schillerstraße westlich der Schienen bis in die Innenstadt. Doch wann das Ziel umgesetzt werden kann, ist offen. Vielleicht zur Landesgartenschau 2030, vielleicht noch später.

Die Unterführung soll einmal von der Innenstadt bis ins Dichterviertel reichen.
Bild: Alexander Kaya

Worauf kommt es noch an? Michael Joukov-Schwelling (Grüne) drängt angesichts zunehmender Fahrten durch die geplante Regio-S-Bahn Donau-Iller auf einen zusätzlichen Bahnsteig. Martin Rivoir (SPD) und Thomas Kienle (CDU) wollen noch einmal mit Investoren über Möglichkeiten sprechen, wie doch noch ein neues Gebäude errichtet werden könnte. Gerhard Bühler (FWG) pocht darauf, dass die Unterführung so weit gebaut werden müsse, dass man die Anbindung von Westen später von der Schillerstraße aus ergänzen kann – ohne noch einmal am Hauptbahnhof selbst bauen zu müssen. Er und Dorothee Kühne (SPD) betonen, die Gleise müssten schnellstmöglich vernünftig barrierefrei angebunden werden. Stand jetzt müssen etwa Rollstuhlfahrer den Bahnhofsteg nutzen. Durch das Hauptgebäude gelangen sie nicht zu ihren Zügen.

Planungen für neuen Hauptbahnhof in Ulm begannen vor mehr als 15 Jahren

Seit mehr als 15 Jahren streben Politik und Stadtverwaltung einen neuen Hauptbahnhof an. „Der Bahnhof und das Umfeld sind nicht angemessen für die Bedeutung, die Ulm hat“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning im Bauausschuss. Das Gebäude ist nicht schön, nicht barrierefrei und nicht übersichtlich. Die Technik ist in verschiedenen Gebäudeteilen verstreut, was Umbaumaßnahmen ohne einen kompletten Neubau weitgehend unmöglich macht. Und die Kapazität der Gleise und des gesamten Bahnhofs reichen aus Sicht der Ulmer Verantwortlichen spätestens dann nicht mehr aus, wenn die schnellen ICEs auf der Neubaustrecke nach Stuttgart ihren Dienst aufnehmen und wenn Regionalzüge durch die Regio-S-Bahn Donau-Iller deutlich häufiger in Ulm halten.

Doch es wird keinen Neubau geben, der diese Probleme löst. Die Deutsche Bahn will für rund 15 Millionen Euro die Bahnsteigbeläge erneuern und mit einem Blindenleitsystem ausstatten, Treppen und Bahnsteigdächer sanieren sowie den Bahnsteig am Gleis 27/28 neu bauen. Dort fahren die Regionalzüge nach München und Regensburg ab. Das Empfangsgebäude soll einen neuen Boden sowie eine neue Heizung bekommen und übersichtlicher gestaltet werden. Auch das Vermietungskonzept der Läden soll sich ändern. Die Unterführung, so heißt es seitens der Bahn, könne in einem weiteren Schritt modernisiert werden. Die Stadt müsse sich finanziell daran beteiligen.

Neuer Vorplatz, Sedelhöfe, Tiefgarage und mehr: Viele Veränderungen rund um den Bahnhof in Ulm

Neuer Vorplatz, neuer Innenstadteingang, Bahnhofsteg, Unterführung, Parkhaus und Tiefgarage: War alles vergebene Mühe? Aus Sicht der Stadträte nicht. Die Entwicklung rund um den Hauptbahnhof sei ein großer Erfolg, lobten Karl Faßnacht (FWG) und Winfried Walter (CDU), die anderen pflichteten ihnen bei. Daran änderten auch die geplatzten Hoffnungen nichts. Ein Beispiel: Der neue Vorplatz wird angehoben, die Stufen vor dem Eingang fallen weg. Ein Schritt hin zur Barrierefreiheit.

Die Stadt will weiter planen, weiter bauen, weiter Geld ausgeben. „Gucken wir, dass wir unseren Teil erledigen“, sagte Lena Schwelling (Grüne). Das erhöhe den Druck auf mögliche andere Geldgeber.

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