1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Finningen feiert sich selbst

Finningen

06.06.2018

Finningen feiert sich selbst

Die Urkunde, in der Finningen im März 1318 zum ersten Mal überhaupt, erwähnt wurde.
Bild: Dagmar Hub (Repro)

Vor 700 Jahren wurde das kleine Pfarrdorf erstmals urkundlich erwähnt. Es hat wechselhafte Zeiten hinter sich – und eine bundesweit einzigartige Kirche.

Der 1975 eingemeindete Neu-Ulmer Ortsteil Finningen feiert am kommenden Wochenende, 8. bis 10. Juni, das 700-jährige Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Von der Discoparty für Jugendliche am Freitagabend bis zur mittelalterlichen Feuershow und zum Festumzug bietet das 1200-Einwohner-Pfarrdorf alles auf, um ein großes Festwochenende zu begehen. Allein die Chronik Finningens, die zum Jubiläum geschrieben erscheinen sollte, muss noch ein wenig warten: An ihr schrieben die Historikerin Gisela Drossbach (Augsburg/München), der Ulmer Historiker Eberhard Merk und mehrere lokale Autoren wie Friederike Alt, die als langjährige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Finningens die Geschichte der Kirche für die Chronik aufgearbeitet hat. In diesem Jahr soll die Chronik auf jeden Fall noch erscheinen, verspricht Alt.

Natürlich ist Finningen viel älter als 700 Jahre. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung aber fand im März 1318 statt. In der Urkunde wird dem Ritter Burkhard von Ellerbach auf Pergament mit dem Siegel der Reichsstadt Ulm von den Patriziern Krafft und von Halle für einen „Maierhof da bi der kyrchun“ ein Wiederkaufsrecht eingeräumt wird – zusammen mit einem weiteren Hof und drei Lehen. „Eine politisch wichtige Urkunde ist das natürlich nicht“, sagt Friederike Alt, „aber der erste schriftliche Beleg für die Existenz des Dorfes.“

Die in der Urkunde erwähnte „kyrchun“ von Finningen, bei der der urkundlich belegte Hof lag, war zu jener Zeit bereits dem Heiligen Mammas geweiht – eine Kirche aus Stein, wohl erbaut im neunten Jahrhundert aus Material eines römischen Wachtturms, dessen Fundamente 1914 unter der Kirche ergraben wurden. Die Finninger Kirche ist heute bundesweit die einzige, die dem Heiligen Mammas geweiht ist, einem christlichen Viehhirten aus dem kleinasiatischen Kappadokien. Er lebte vermutlich im dritten Jahrhundert und wird als Schutzpatron unter anderem der Finanzbeamten, Steuerberater, der Steuerpflichtigen – und wohl auch der Steuerhinterzieher – verehrt. Das Benediktinerkloster Reichenau, von dem aus die Region ab etwa dem Jahr 800 christianisiert wurde, dürfte mit dem Finninger Kirchenbau verbunden sein. Abt Wahlafried Strabo schrieb die Heiligenlegende von Mammas auf. Auch in Thalfingen gab es eine zur gleichen Zeit entstandene und Mammas geweihte Kirche, die allerdings später umgewidmet wurde.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Ortsname Finningen dürfte aus der Zeit um 500 stammen, als die Alamannen die Region besiedelten, und er bezeichnet vermutlich „die Leute des Finno“. Finningen durchlief wechselhafte Zeiten, gehörte verschiedenen Herren. Man geht davon aus, dass es 1134 abbrannte, als das staufische Ulm von Bayernherzog Heinrich dem Stolzen in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Teile der Kirche, die den Brand überstanden hatten, wurden romanisch umgebaut. Von einer weiteren Brandschatzung geht man für 1246 aus, als Finningen in den Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. und Gegenkaiser Heinrich Raspe geriet.

Katholisch blieb Finningen während der Zeit der Reformation trotz seiner Existenz im Ulmer Winkel, denn die Pfarrei war 1440 der Kartause Buxheim zugeordnet worden, während der Hauptteil des Ortes im Besitz Ulmer Patrizierfamilien war. Das Finninger Festwochenende aber bezieht sich hauptsächlich auf das Hochmittelalter – mit den Biberacher Gauklern beispielsweise, die ein mittelalterliches Lagerleben aufbauen werden, und auch im Festvortrag der Historikerin Gisela Drossbach am Samstagabend.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
sy002(1).jpg
Neu-Ulm

Nuxit-Gegner einigen sich mit den Kreistags-Fraktionen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden