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Neuburg/Ingolstadt

12.03.2020

Corona: Hände schütteln verboten

Die Stadtwerke haben ihre Hygienevorschriften verschärft. Im Parkbad werden aus Vorsorgegründen die Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen verstärkt.
Bild: Jürgen Polifke

Der Virusausbruch hält die Region in Atem. Welche Maßnahmen Kreis- und Stadtverwaltungen und andere Einrichtungen ergreifen. Erster Infizierter bei Audi.

Die Corona-Krise spitzt sich immer weiter zu: Fast im Minutentakt werden Veranstaltungen abgesagt. Firmen rufen Notfallpläne aus. Planungsstäbe kommunaler Behörden treten zusammen und entwerfen Maßnahmenpakete, die tags darauf schon wieder angepasst werden müssen. Und: Die Audi AG hat ihren ersten Corona-Fall.

Wie der größte Arbeitgeber der Region mitteilt, ist am Mittwoch ein Mitarbeiter am Standort Ingolstadt positiv getestet worden. Laut eines Sprechers gehe es dem Betroffenen den Umständen entsprechend gut. Der Mitarbeiter, der in der Entwicklung tätig ist, sei zuletzt am 27. Februar an seinem Arbeitsplatz gewesen. Derzeit würden alle erforderlichen Maßnahmen für das Unternehmen geprüft. Alle Beschäftigten, die in der relevanten Zeit mit dem Erkrankten in direktem Kontakt standen, seien bereits informiert. Drei Mitarbeiter aus dem direkten Arbeitsumfeld des Mannes wurden in häusliche Quarantäne geschickt. Ob sie getestet werden müssten oder nicht, entscheide das Gesundheitsamt. Im Intranet des Unternehmens äußerte sich Personalvorstand Wendelin Göbelzum weiteren Vorgehen: „Die Gesundheit unserer Beschäftigten hat für uns oberste Priorität. Wir hoffen, dass unser erkrankter Kollege schnellstmöglich wieder gesund wird. Mein Dank gilt allen Beteiligten und den betroffenen Beschäftigten für ihre Professionalität, ihre Kooperation und ihr Verständnis.“

Corona: Hände schütteln verboten

Weitere Informationen zu Corona im Überblick:

  • Veranstaltungen: Die Neuburger Stadtverwaltung hat die aktuelle Lage bewertet. Einer Pressemitteilung der Stadt zufolge hat der Planungsstab um Oberbürgermeister Bernhard Gmehling beschlossen, mehrere Veranstaltungen und Ereignisse abzusagen oder zu verschieben. Dazu gehören zum Beispiel die Frühjahrsdult und der Krammarkt sowie der verkaufsoffene Sonntag. Die Stadt bemüht sich um Ersatztermine. Sämtliche Vorstellungen im Stadttheater finden regulär statt. Allerdings wird die Besucherzahl auf unter 250 Personen begrenzt. Wer sich gegen den Besuch entscheidet, kann seine Karte gegen Erstattung des Eintrittspreises zurückgeben. Informationen dazu gibt es unter der Rufnummer 08431/55231. Generell gilt: Wer sich krank fühlt, sollte auf den Theaterbesuch verzichten, heißt es in der Pressemitteilung. Die Planungen für die Veranstaltungen ab Mai laufen regulär weiter.
  • Bäder: Das Neuburger Parkbad bleibt regulär geöffnet, weil Grippe- und Coronaviren nach derzeitigem Kenntnisstand nicht im Wasser übertragbar sind, so die Stadt. Entsprechende Erreger würden über das Chlor abgetötet. Wer sich krank fühlt, sollte nicht zum Schwimmen gehen.
  • Kommunalwahlen: Die Kommunalwahlen finden statt. Es gelten besondere Hygienevorschriften. Die Ergebnispräsentation zu den Kommunalwahlen am Sonntagabend und Montag im Neuburger Rathaus wird abgesagt. Das für den Stimmbezirk 30 vorgesehene Wahllokal im AWO-Seniorenheim muss kurzfristig verlegt werden. Zum Schutz der Bewohner vor dem Coronavirus kann das Heim nicht als Wahllokal zur Verfügung stehen. Das Wahllokal wird in das nahe gelegene AWO-Sozialzentrum (Stimmbezirk 12), Joseph-Haydn-Straße 14 verlegt. Dort besteht bereits ein Wahllokal. Dasselbe gilt für das Wahllokal im Kreisaltenheim Schrobenhausen. Wie die Stadt Neuburg mitteilt, werden alle Wahllokale in Kindergärten und Schulen vor der Wiederinbetriebnahme am Montag nach Vorgaben des Gesundheitsamtes gereinigt. OB Gmehling hat verfügt, dass der Planungsstab situationsbedingt jederzeit zusammentritt.
  • Krankenhäuser: Der ärztliche Direktor des Neuburger Krankenhauses, Stephan Seeliger, teilte auf Nachfrage mit: Bei der Aufnahme von infektiösen Patienten hält sich die KJF Klinik Sankt Elisabeth an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Ein Test ist auch bei ambulanten Patienten möglich. Dies geschieht in Neuburg über die niedergelassenen Ärzte oder das Gesundheitsamt. Auf Grundlage der Zahlen aus Italien und China müsse man in Neuburg bei rund 30.000 Einwohnern mit etwa 30 bis 50 Erkrankten rechnen, die aber nicht alle stationär behandelt werden müssen, so Seeliger. Für Ingolstadt (rund 145.000 Einwohner) könne von rund 140 bis 200 Infizierten ausgegangen werden. „Für ein solches Szenario sind wir gewappnet“, sagt Seeliger. Selbst wenn sich diese Zahlen in den nächsten Wochen verdoppeln würden, sind keine Engpässe zu befürchten. Sorge bereitet aktuell eher noch die Grippe. Die Neuburger Klinik verfügt, wie berichtet, über ausreichend Desinfektionsmittel und Schutzkleidung.

Das Klinikum weist darauf hin, was bei Corona-Verdacht zu tun ist

Das Klinikum Ingolstadt weist darauf hin, dass niemand einfach auf Verdacht zum Hausarzt oder in die Notaufnahme gehen sollte. Vielmehr sollten Betroffene, so eine Sprecherin, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 anrufen. Wer unsicher ist, ob er ein Verdachtsfall ist, kann sich an die Coronavirus-Hotline, die das bayerische Gesundheitsministerium eigens eingerichtet hat, unter der Nummer 09131/6808-5101 wenden. Zusätzlich zu dieser bereits bekannten Hotline gibt es verschiedene Bürgertelefone. Wer als bestätigter Corona-Patient so starke Atemnot bekommt, dass er zum Notfall wird, sollte die 112 anrufen und zusätzlich auf das Virus hinweisen. Wer mit dem Corona-Virus infiziert ist und unter so schweren Symptomen leidet, dass er im Krankenhaus versorgt werden muss, wird vom Rettungswagen direkt in die Klinik gebracht. Das Klinikum verfügt über einen Pandemieplan, der aktuell ständig überarbeitet wird. Zudem trifft sich seit mehreren Wochen regelmäßig die Koordinierungsgruppe COVID-19, in der unterschiedlichste Berufsgruppen vertreten sind. Die Gruppe bewertet die Situation in Anbetracht der Ereignisse immer neu. Es werden Maßnahmen festgelegt und beschlossen, um das Haus auch auf eine große Menge Infizierter vorzubereiten. Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und so schwer krank sind, dass sie im Klinikum versorgt werden müssen, werden in speziellen Isolierzimmern untergebracht. Es gibt 20 solcher Isolierzimmer, die bei Bedarf – und den medizinischen Voraussetzungen – auch mit zwei Patienten belegt werden könnten. Sollten darüber hinaus mehr Kapazitäten nötig sein, können diese auch zur Verfügung gestellt werden. Sogar ganze Ebenen könnten speziell für Corona-Patienten umfunktioniert werden. Es könnte also auch eine hohe Anzahl an Patienten isoliert versorgt werden. Aktuell läuft das Klinikum im Normalbetrieb. Patienten, die so schwer krank sind, dass sie beatmet werden müssen, werden auf der Intensivstation versorgt. Dafür gibt es aktuell 32 Plätze. Im Notfall könnten weitere Beatmungsplätze geschaffen werden. Das Klinikum habe, so die Sprecherin, frühzeitig reagiert und bereits Mitte Januar eine größere Menge an persönlicher Schutzausrüstung gekauft.

  • Kirchen: Auch die Kirchengemeinden reagieren auf die aktuelle Situation. Die Apostelkirche in Neuburg sagt das Konzert der Gruppe „Jericho“ ab. Die Veranstaltung war für kommenden Samstag geplant. Der Familiengottesdienst am Sonntag, 15. März, wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Sonntagsgottesdienst soll regulär um 10 Uhr stattfinden. Die Pfarreiengemeinschaft St. Peter und Hl. Geist Neuburg musste ihre Fahrt nach Augsburg zur Bischofsweihe absagen. Ansonsten seien aktuell keine Gottesdienste oder Veranstaltungen betroffen, heißt es aus dem Pfarrbüro. Man beobachte die Situation aber sehr genau. Um die Ansteckungsgefahr während der Gottesdienste zu minimieren, ist kein Weihwasser in den Becken. Zudem wird auf den Friedensgruß und die Mundkommunion verzichtet.
  • Feuerwehren: Kreisbrandrat Stefan Kreitmeier weist in Abstimmung mit dem Krisenstab am Landratsamt die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis an, bis 19. April alle Übungsdienste und Versammlungen auszusetzen.

Alle Infos unterliegen dem Vorbehalt, dass sich aufgrund übergeordneter staatlicher Anweisungen Änderungen ergeben.

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