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Neuburg

29.07.2020

Maßnahmen gegen den „Todesstreifen“

Dürfen Radfahrer weiterhin über die Einmündung der Monheimer Straße an der Donaubrücke fahren? Nach dem tödlichen Unfall wird die Sperrung dieses Abschnitts erwogen.
Bild: Winfried Rein

Plus Vergangene Woche verunglückte ein Mann tödlich an der Kreuzung kurz vor der Donaubrücke. Muss die Stelle, an der immer wieder Unfälle passieren, entschärft werden?

Kritiker sprechen sogar vom „Todesstreifen“, andere werfen der Stadt nachlässiges Handeln vor. Nach dem Unfalltod eines 81-jährigen Radfahrers in der vergangenen Woche ist die Diskussion um die neuralgische Einmündung Ingolstädter-/Monheimer Straße neu entflammt. Der Verkehrsausschuss hat das Thema vertagt, doch vor allem die Ortskundigen sehen Handlungsbedarf.

Mittlerweile werden mehrere Vorschläge zur Entschärfung der Situation diskutiert. Darunter befindet sich eine Radikallösung: Demnach könnte der Fahrradstreifen „abgehängt“ und das direkte Überqueren der Einmündung nicht mehr gestattet werden.

Tödlicher Unfall in Neuburgs Norden

Radfahrer, die auf dem Radweg der Ingolstädter Straße stadteinwärts unterwegs sind, müssten also künftig rechts am „Steakhouse“ die Fußgängerüberquerung benutzen (und dort schieben). Es handle sich um einen unbequemen Umweg mit Fahrtunterbrechung, so Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, „aber damit vermeiden wir die gefährlichen Begegnungen auf dem Radweg.“ Der OB kann sich eine solche Lösung vorstellen.

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Auch Verkehrsreferent Bernhard Pfahler (FW), der das Thema in einen Arbeitskreis verlegt hat, versichert: „Bei dieser Lösung bin ich dabei.“ Allerdings ahnt er schon die Proteste der Radfahrerfraktion, die keine Erschwernisse, sondern möglichst freie Fahrt verlangen.

Wer entlang der Ingolstädter Straße stadteinwärts radelt, bekommt es im Gegenverkehr mit Linksabbiegern (Richtung Bittenbrunn) und in gleicher Fahrtrichtung mit Rechtsabbiegern zu tun. Auto- und Radfahrer haben gleichzeitig Grün. Die motorisierten Verkehrsteilnehmer müssen beim Abbiegen auf die Radler achten, tun es aber nicht ausnahmslos.

Einige Kollisionen gab es in den vergangenen Jahren

Betroffene erzählen regelmäßig von Beinahe-Unfällen. „Ein Lastwagenfahrer bog vor mir ein und hätte mich um ein Haar umgefahren“, berichtet der überzeugte Radler Hubert Fischer (95). Der Lastzugfahrer habe ihm 30 Euro für das verbogene Vorderrad gegeben und sei dann weitergefahren.

Die Gefahr des toten Winkels und des Rechtsabbiegens an dieser Stelle ist Polizeihauptkommissar Franz Sailer bestens bekannt. Über die Jahre war es zu einigen Kollisionen zwischen Radfahrern und Lastwagen gekommen, bis zum Donnerstag vergangener Woche noch ohne tödlichen Ausgang. Die Wegnahme der geraden Überquerung der Einmündung hält der Verkehrsexperte der Neuburger Polizei für eine mögliche Lösung. Als Alternative sieht er die Einführung eines „erweiterten Wartebereichs“. Das heißt, die Radfahrer müssten vor der Ampel auf die Straße geführt werden und würden auf gekennzeichneter Fläche noch vor den Kraftfahrzeugen auf Grün warten. Die Auto- und Lastwagenfahrer hätten die Radler frontal im Blick und müssten langsamer fahren, bis sie vor der Donaubrücke wieder auf den gewohnten Radweg einscheren.

"Fahrradpapst" Heiner Monheimer sah sich die Stelle an

Diese Variante hatte auch „Fahrradpapst“ Heiner Monheim bei seinem Neuburg-Besuch im Juni vorgeschlagen. Sie funktioniert wohl in Warteposition, wenn die Ampel Rot zeigt, birgt aber Risiken bei Grün und laufendem Verkehr. „Das Beste wäre ein Angebotsstreifen für Radler in der kompletten Ingolstädter Straße“, meint Petra Heimisch. Sie ist Anliegerin in der Jahnstraße und kämpft seit Jahren für Verbesserungen im Fahrradverkehr.

Selbst der Umbau der ganzen Kreuzung löse das Problem der Fußgängerquerung überhaupt nicht, so Hauptkommissar Franz Sailer. Für ihn sind menschliche Fehler, die oft in Sekunden passieren, Auslöser für beklemmende Unfälle. Ob es vergangene Woche so war, als der 81-jährige Radfahrer mit einem bosnischen Sattelzug kollidierte und sein Leben verlor, ist weiter ungeklärt. Der Sachbearbeiter der Polizei vernimmt noch Zeugen, um ein deutlicheres Bild zu erhalten. Ein Sachverständiger war nicht an der Unfallstelle, es werde aber ein technisches Gutachten erstellt.

Der bosnische Fahrer habe eine Sicherheitsleistung in Höhe der zu erwartenden Strafe hinterlegt sowie einen Zustellungsbevollmächtigten in Deutschland bestellt, der Post und Nachrichten an ihn weiterleitet. Somit habe er ausreisen dürfen, erklärt der stellvertretende Dienststellenleiter der Neuburger Polizei, Hubert Scharpf. (mit glori)

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